Langer Soloritt bei Trofeo Binda gibt Selbstvertrauen

Ludwig:“Bin einfach nur glücklich, wieder Rennen zu fahren“

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Ludwig:“Bin einfach nur glücklich, wieder Rennen zu fahren“"
Für Hannah Ludwig (Cofidis) läuft es | Foto: Cor Vos

16.03.2026  |  (rsn) – Es war ein Jahr zum Vergessen für Hannah Ludwig vom ProTeam Cofidis als sie Anfang Oktober 2025 ihre nur 30 Renntage umfassende Saison mit zwei italienischen Herbstklassikerin und ohne nennenswertes Ergebnis beendete. Eine Verletzung schon früh im Jahr bescherte der 26-Jährigen eine Zwangspause, die sie länger in Atem hielt als gedacht.

“Beim Recon einen Tag vor Strade Bianche war ich gestürzt und musste daraufhin für drei Monate mit einem Schädel-Hirn-Trauma pausieren. Als es danach wieder einigermaßen lief und ich auch die Tour de France gefahren bin, kam die nächste längere Pause“, erzählte sie, rückblickend auf dieses Seuchenjahr auf Nachfrage von RSN. ___STEADY_PAYWALL___

Mit ihrem langen Soloritt bei der gestrigen Trofeo Alfredo Binda (1.WWT) beseitigte Ludwig vor allem ihre eigenen Zweifel, sich nicht aus dem Strudel von Verletzungen und Krankheiten wieder befreien zu können. “Als ich schon bei Kilometer 7 zunächst mit einer anderen Fahrerin weggefahren bin, hatten wir als Team eigentlich gehofft, dass sich eine Spitzengruppe bilden würde, die lange durchhält“, erklärte sie ihre frühe Attacke im Rennen. Ludwig schien sich extrem stark gefühlt zu haben, denn nach nur zwei weiteren Kilometern war der Platz an ihrem Hinterrad schon wieder frei.

“Das war nun überhaupt nicht mein Plan“

“Als die andere Fahrerin dann so schnell abreißen ließ, war ich in einer taktischen Lage, die überhaupt nicht meinem Wunsch entsprach. Und nun alleine zu fahren, macht ja eigentlich gar keinen Sinn“, dachte sie bei sich. “Doch nach nur sehr kurzer Zeit hatte ich schon ohne große Anstrengungen einen Vorsprung von einer Minute rausgefahren.“ Nach schneller Absprache mit der sportlichen Leitung entschied man sich, die gute Zeitfahrerin vorne zu lassen – in der Hoffnung, dass doch noch ein paar Fahrerinnen von hinten zu ihr aufschließen würden.

Hannah Ludwig bei ihrem Soloritt bei der Trofeo Binda | Foto: Cor Vos

“Diese Hoffnung bewahrheitete sich im weiteren Rennverlauf nicht und irgendwann spürte ich eine gewisse Enttäuschung in mir“, beschrieb sie die Situation, die ihre Lücke zum Peloton sogar zwischenzeitlich auf 1:30 Minute wachsen ließ. Auch wenn sie nach ihrer Einholung durch die Verfolgergruppe bei Rennkilometer 86 diese kurze Zeit später nicht mehr halten konnte (und kurz darauf aus dem Rennen genommen wurde), nimmt die Heidelbergerin auch Positives aus Italien mit: “Besser versucht, als nicht versucht, habe ich mir dann hinterher gesagt.“

Allen Grund zu weiterem Optimismus kann der Frau, die in ihrer bisherigen Profikarriere einen Sieg bei den Navarra Classics (1.Pro) 2024 zu Buche stehen hat, auch ihr Saisoneinstieg geben, der ihr Anfang Februar bei der Vuelta CV Feminas (1.Pro) auf Anhieb Rang 15 einbrachte. Gefolgt von einem weiteren 15. Platz in der Gesamtwertung der dreitägigen Vuelta a Extremadura (2.1).

Eine große Portion Glück in Ludwig

Vielmehr als die Zufriedenheit über ihren gelungenen Einstand, scheint bei der Deutschen Juniorenmeisterin auf der Straße und im Zeitfahren von 2018 die Freude mitzuschwingen, wieder im Peloton dabei zu sein. “Ich bin einfach so glücklich und froh, nach dem schweren letzten Jahr wieder Rennen zu fahren und hatte bei meinen bisherigen Einsätzen einfach nur Spaß“, ließ sie RSN an ihren momentanen Glücksgefühlen teilhaben.

Glücklich wieder mit dem Team Rennen zu fahren – Ludwig (li.), hier bei der Tour de France Femmes 2025 | Foto: Cor Vos

Dementsprechend hat Ludwig für die kommenden Monate auch keine sonderlichen Ergebnisansprüche an sich selbst. “Meine kommenden Ziele sind recht unspektakulär: Ich möchte einfach wieder in eine gute Rennroutine reinkommen, nützlich in meinem Job bei den Rennen sein und, wenn sie sich ergeben, auch eigene Chancen nutzen“, formulierte sie abschließend in bodenständiger Manier ihre Ziele.

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