Die Favoritinnen für Samremo Women

Wiebes vs. die Welt – Topsprinterin will Titelverteidigung

Von Jan Zesewitz

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Lorena Wiebes (SD Worx - ProTime, li.) will auch diesmal Sanremo Women gewinnen. | Foto: Cor Vos

20.03.2026  |  (rsn) – Lorena Wiebes (SD Worx – ProTime) steht in der Saison 2026 bei vier Siegen an sechs Renntagen, die Niederländerin ist die Titelverteidigerin bei Sanremo Women (1.WWT) und eine der ganz großen Favoritinnen auf den Sieg auch bei der zweiten Austragung des Klassikers. Wer kann Wiebes schlagen? Das fragen sich Konkurrentinnen wie Beobachter. Die Antwort: Wenn es zu einem Sprint kommt, wohl niemand.

Damit ist die Ausgangssituation für das Rennen entlang der ligurischen Küste eigentlich schon klar – Wiebes und SD Worx würden gerne eine größere Gruppe nach dem Poggio begrüßen, die meisten anderen Teams streben eine größere Selektion an.

Im vergangenen Jahr hätte das funktionieren können. Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) attackierte an der Cipressa und dünnte die Spitzengruppe stark aus, Wiebes und andere kamen aber vor dem Poggio wieder zurück. Die Niederländerin konnte sich im Anschluss auch bei ihrer Teamkollegin Lotte Kopecky bedanken, die alle Attacken im parierte und den Sprint für Wiebes anfuhr.

Kopecky selbst zählt ebenfalls zum engeren Kreis der Favoritinnen für 2026. Auch wenn hinter ihrer Form ein kleines Fragezeichen steht – so richtig Zeichen setzen konnte die Weltmeisterin von 2024 bisher nicht. Ihr Sieg bei Nokere Koerse (1.Pro) sollte für einen Selbstvertrauensschub sorgen, die Konkurrenz in Belgien war aber kein Vergleich zur Startliste von Genua. Eigentlich wäre Wiebes die Kapitänin bei SD Worx, aber Kopecky kündigte an, dass sie nach ihrem Sieg “mehr Freiheit in den nächsten Rennen“ zu bekommen hofft. Ein Erfolg in San Remo müsste in irgendeiner Form in Opposition zu ihrer Teamkollegin zustande kommen.

UAE, Canyon, FDJ - viele werden zur Attacke blasen

Die meisten Teams haben ein gesteigertes Interesse daran, dass es nicht zum Sprint einer größeren Gruppe kommt. UAE Team ADQ muss zwar auf die kranke Elisa Longo Borghini verzichten, verfügt rund um Dominika Wlodarczyk und Mavi Garcia aber über ein angriffslustiges Team für Cipressa und Poggio. Und besonders Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacryptro) verfügt auch über die nötigen Abfahrts-Qualitäten, um den Poggio hinunter nach Sanremo einen etwaigen Vorsprung auszubauen, sollte sie mit einer Lücke über die Kuppe kommen.

Im vergangenen Jahr sprachen im Ziel viele Fahrerinnen davon, dass das Rennen weniger hart war, als sie erwartet hätten. Entsprechend dürfte das Thema Offensive und Klettertempo schon an den Capi Mele, Cervo und Berta sowie dann an Cipressa und Poggio diesmal mehr in den Fokus rücken. "Ich glaube, es könnte ein ganz anderes und noch unberechenbareres San Remo werden“, meinte Longo Borghini diese Woche gegenüber Tuttobiciweb, bevor klar war, dass sie absagen müsste. “In letzter Zeit spitzt sich der Kampf bei den Frauenrennen immer früher zu, und ich schließe nicht aus, dass das Rennen auf der Cipressa explodieren könnte. Es ist wirklich schwer vorherzusagen, was passieren wird.“

Die Polin Niewiadoma-Phinney hat es in dieser Saison schon einmal geschafft, einen Sprint mit Wiebes zu verhindern. Beim Omloop Nieuwsblad (1.WWT) machte sie sich mit Demi Vollering (FDJ United - Suez) auf und davon, verlor dann aber das Duell gegen ihre Rivalin – Wiebes wurde da “nur“ Dritte. Vollering wird nun in Italien genauso fehlen wie Strade-Siegerin Elise Chabbey oder auch Franziska Koch. Deren Team hat mit Juliette Berthet (geborene Labous) aber trotzdem eine kletterstarke Angriffs-Karte in der Hand – neben der hügelfesten Sprinterin Ally Wollaston, die sich an Wiebes festzubeißen versuchen wird.

Der erweiterte Kreis und deutsche Fahrerinnen

Fehlen wird neben der kranken Longo Borghini und den ohnehin nicht geplanten Vollering, Chabbey und Koch auf der Favoritenliste am Samstag auch Marianne Vos (Visma – Lease a Bike), die kurzfristig ihren Start abgesagt hat. Sie wäre in Top-Form noch eine gewesen, die nach einem harten Rennen im Sprint möglicherweise mit Wiebes hätte mithalten können. Das gilt für nur wenige Fahrerinnen, eine davon ist aber auch die Italienerin Elisa Balsamo (Lidl – Trek), die in dieser Saison noch ohne Erfolgserlebnis ist und mit ihrem deutschen Team dringend eines sucht.

Neben Balsamo, Wollaston und Wiebes gehören zu den schnellsten Sprinterinnen im Sanremo-Peloton vor allem noch Charlotte Kool (Fenix – Premier Tech), bei der aber fraglich scheint, ob sie über Cipressa und Poggio mit den Besten mitkommen kann sowie die Italienerinnen Letizia Paternoster (Liv – AlUla – Jayco) und Chiara Consonni, die bei der deutschen Canyon-Equipe als Plan B in Niewiadoma-Phinneys Windschatten lauern dürfte.

Außerdem sollte man die Schweizerinnen Linda Zanetti (Uno-X Mobility) und Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) in Gruppenankünften auf der Rechnung haben – vor allem letztere könnte auch in einer sehr selektierten Gruppe noch dabei sein und nach Rang drei im Vorjahr dann erneut ums Podium oder sogar den Sieg sprinten.

Deutsche Fahrerinnen zählen nicht zu den Favoritinnen. Im vergangenen Jahr war Liane Lippert (Movistar) als 14. die bestplatzierte, sie ist in diesem Jahr aber nicht im Aufgebot ihres spanischen Teams. Mit Rosa Maria Klöser (Canyon – Sram – zondacrypto) und Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek) sind überhaupt nur zwei deutsche Fahrerinnen gemeldet, beide feiern ihr Debüt bei “La Primavera“ und dürften in erster Linie als Helferinnen eingesetzt werden.

Das 2. Sanremo Women wird ab 12.15 Uhr auf HBO max und Discovery Plus übertragen. Wir steigen mit unserem Live-Ticker ab 12:20 Uhr in die entscheidende Phase des Rennens ein.

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