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20.03.2026 | (rsn) – Wind und Wetter, Renntaktik, Position und ein Quäntchen Glück – um ein Monument des Radsports wie Mailand-Sanremo (1.UWT) zu gewinnen, müssen viele Faktoren zusammen spielen. Das gilt auch für “Überfahrer“ wie Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) oder Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech), die beiden Topfavoriten für “La Primavera“. RSN blickt auf die entscheidenden Parameter bei dem Rennen entlang der ligurischen Küste.
Während der anstehenden 298 Kilometer von Padua bis zur Via Roma in Sanremo kann viel passieren, so richtig beginnt das Rennen traditionell aber erst eingangs der letzten 60 Kilometer. Zunächst stehen die drei “Capi“ Mele, Cervo und Berta an, bevor das Finale mit Cipressa und Poggio wartet. Bis dahin gilt es für die Topfavoriten, sich im Feld schadlos zu halten. Stürze oder nasser Asphalt könnten sonst einigen Fahrern jede Chance nehmen, bevor es überhaupt in die heiße Phase des Rennens geht.
Besonders gespannt dürften die Sportlichen Leiter und die Fahrer deshalb
die ganze Woche vor dem Rennen den Wetterbericht für diese Region
gecheckt haben. Eine gute Nachricht: Regen wird für den 21. März nicht
gerechnet, mit bis zu 15 Grad erwarten die Fahrer ausgesprochen
angenehme Bedingungen. Vor allem Pogacar dürfte beim Wetter auf einen
anderen Wetteraspekt achten – den Wind.
Im vergangenen Jahr herrschte an der Cipressa undauf dem Flachstück in Richtung Poggio Rückenwind. Dies begünstigt Attacken, weil der Windschatten eine geringere Rolle spielt als bei Gegenwind. Trotz aller Bemühungen des UAE-Teams und idealen Verhältnissen für die Durchsetzung ihres Plans blieben van der Poel und Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) an der Cipressa am Slowenen dran.
Das Vorhaben wird in diesem Jahr nicht leichter umzusetzen sein. Nachdem die Woche über Rückenwind in Aussicht gestellt wurde, sieht es aktuell nach – wenn auch leichtem – Gegen- oder Seitenwind am anspruchsvollsten Anstieg des Tages aus. Ex-Profi Karsten Kroon sagte im Interview mit Wielerflits sogar, dass es im Falle von Gegenwind für Pogacar “völlig unwahrscheinlich“ sei, als Solist das Ziel zu erreichen. Auch Eurosport-Experte Rolf Aldag sieht in diesem Fall einen klaren Vorteil für van der Poel.
Der Wind ist ein Faktor, an der Cipressa ist allerdings die Positionierund im Feld ebenso entscheidend. Wenn UAE an dieser Stelle erwartungsgemäß “Ernst“ macht, wird das Team sich in voller Stärke vor den Kapitän spannen und schon in den Anstieg mit Vollgas hineinfahren.
Wer an dieser Stelle nicht unter den ersten 25 bis 30 Fahrern im Peloton ist, hat seine Siegchance verspielt, das zeigt die Geschichte des Rennens – obwohl es vom höchsten Punkt der Cipressa noch rund 22 Kilometer bis ins Ziel sind. Das Tempo lässt in der Folge kaum mehr nach.
Im folgenden Flachstück und am Poggio gilt: dranbleiben. Der Anstieg ist verhältnismäßig flach, bisher ist es dort Pogacar nicht gelungen, eine nachhaltige Attacke zu setzen, auch bergfestere Sprinter sind dort in der Lage, vorne mitzuhalten. Van der Poel setzte bei seinem ersten Sieg 2023 seinen Angriff über die Kuppe hinweg. Das zeigt: Wichtiger als der Anstieg ist oft die folgende sechs Kilometer lange Abfahrt nach San Remo hinein.
An dieser Stelle konnten unter anderem Vincenzo Nibali (2018), Matej Mohoric (2022) oder eben van der Poel den entscheidenden Vorsprung herausfahren. Die Abfahrt ist im oberen Abschnitt technisch anspruchsvoll und später enorm schnell – die erwähnten Namen zeigen, dass sich hier exzellente Abfahrer einen Vorteil verschaffen können. Es könnte eine Stelle sein, die sich etwa Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) rot im Roadbook angestrichen hat.
Das Finale auf der Via Roma lädt zu taktischen Spielen ein. Die Straße ist breit, die Abfahrt vom Poggio endet rund zwei Kilometer vor dem Ziel. Wenn eine Gruppe ankommt, beginnt an dieser Stelle ein Katz-und-Maus-Spiel. Das konnte 2021 Jasper Stuyven (damals Trek – Segafredo) für sich nutzen und den Topfavoriten mit einer einzelnen Attacke entkommen.
Auf der Zielgerade verlor im Jahr 2017 der eigentlich stärkere Sprinter Peter Sagan aufgrund eines taktischen Fehlers den Sprint gegen Michal Kwiatkowski – und Julian Alaphilippe kochte eine kleinere Gruppe im Jahr 2019 zum Sieg ab. Nach 298 Kilometern kann auf der Via Roma das Glück und die notwendige Coolness entscheidend sein – nicht nur die stärksten Beine.