Brite in Topform auf Sanremo-Podium

Enttäuschung und Stolz: Pidcock Zweiter hinter “Motorrad“ Pogacar

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Enttäuschung und Stolz: Pidcock Zweiter hinter “Motorrad“ Pogacar"
Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5) gratuliert dem Sanremo-Sieger Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) | Foto: Cor Vos

21.03.2026  |  (rsn) – Am Ende fehlte eine Laufradbreite zum ersten Sieg bei Mailand-Sanremo. “Mir wurde gesagt, es waren vier Zentimeter und das tut ziemlich weh, so nah dran zu sein“, sagte Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) nach der Siegerehrung. Die Enttäuschung überwog beim Briten, der so knapp vom besten Radfahrer der Gegenwart besiegt worden war. Ein schwacher Trost, dass es Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) war, der seinerseits seinen ersten Sanremo-Triumph feiern konnte.

“Ich habe gegen Tadej verloren, er ist der beste Radfahrer überhaupt, also kann ich eigentlich nicht enttäuscht sein, aber ich kann nichts dagegen machen“, fügte Pidcock an. Es wird vielleicht eine Weile dauern, aber der 26-Jährige kann auf seine Leistung bei “La Primavera“ mit Stolz zurückblicken. 

Als Pogacar nach seinem Sturz an der Cipressa zurückkehrte und sein UAE-Team das Tempo anzog, war er vorne mit dabei. Als der Weltmeister schließlich attackierte, war der Brite direkt an seinem Hinterrad, nur Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) konnte zunächst noch folgen.

“ich habe mich heute großartig gefühlt“, sagte Pidcock. "Letztes Jahr war ich extrem enttäuscht, weil ich an der Cipressa gestürzt war, aber ich wusste, dass ich vorne hätte dabei sein können. Es ist schön, dieses Jahr zu beweisen, dass ich die Beine dafür habe. Es war so knapp an einem Monument-Sieg. Aber ich muss das aus einer größeren Perspektive sehen. Was ich gemacht habe, war ziemlich beeindruckend, darauf bin ich schon stolz.“ 

Am Poggio musste van der Poel, der ebenfalls in den "Pogacar-Sturz" verwickelt war, die beiden ziehen lassen. Dann konnte Pidcock die Qualitäten seines Gegners aus nächste Nähe bestaunen.

“Am Poggio war Tadej nahe dran, mich abzuhängen“, schilderte der Pinarello-Kapitän. “Die Art, wie er gefahren ist, wie er 30 Sekunden attackiert hat, dann wieder rausgenommen hat und dann wieder angezogen hat, das hat mir eigentlich ganz gut gelegen. Das hat mir erlaubt, mich ein bisschen zu erholen. Es ging einfach darum, an seinem Hinterrad zu bleiben, ähnlich wie beim Motorpacing."

“Hinter welchem Motorrad soll ich jetzt herfahren?“

Wenig später war Pidcock schon wieder zu Scherzen aufgelegt, dabei könnte er dank Pogacars Ankündigung, mit Mailand-Sanremo seinen endgültigen Frieden geschlossen zu haben, dem ersehnten Monument-Erfolg ein Stück näher gekommen sein. “Tadej hat zu mir gesagt, dass er jetzt, wo er gewonnen hat, nicht mehr zurückkommen wird, also hinter welchem Motorrad soll ich dann fahren?“, fragte er. Dabei unterstrich Pidcock in dieser Woche eine beeindruckende Frühjahrsform. Mailand-Turin (2.Pro) gewann er mit einer souveränen Vorstellung und einer entscheidenden Attacke auf dem letzten Kilometer.

Im Sprint auf der Via Roma wartete Pidcock am Hinterrad des Slowenen lange, kam aber nicht mehr ganz am zweimaligen Weltmeister vorbei. Mit seinen jüngsten Ergebnissen im Rücken, kann er auch die am Montag beginnende Katalonien-Rundfahrt (2.UWT) voller Selbstvertrauen angehen. Dort wartet dann zwar nicht Pogacar als Konkurrent auf Pidcock, mit Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) aber andere hochkarätige Fahrer. Hinter denen muss er sich in dieser Form nicht verstecken.

Zu dieser Erkenntnis gelangte Pidcock zum Ende des Interviews dann trotz aller Enttäuschung: “Wir sind extrem schnell gefahren, wenn am Ende bei so einem Monument nur noch ich und Tadej übrig sind, dann muss das eine gute Leistung gewesen sein. Ich werde mir später meine Zahlen anschauen, aber es war ganz sicher einer meiner besten Tage." 

Wenn einem am Ende eines seiner besten Tage nur wenige Zentimeter zum besten Radprofi der Welt fehlen, kann man mit seiner Leistung bei einem der fünf Monumente durchaus zufrieden sein.

Mehr Informationen zu diesem Thema

24.03.2026Pogacar fuhr nach San-Remo-Sturz mit gebrochenem Rahmen

(rsn) - Bei all dem Spektakel, das Mailand–Sanremo am Samstag geliefert hat, gehörte eine eher unbeachtete Szene zu den wahrscheinlich überraschendsten. Dass Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) a

24.03.2026Fingerwunde behindert nicht: Van der Poel trainiert wieder

(rsn) – Offensichtlich hat die blutende Fingerwunde, die sich Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) beim 117. Mailand-Sanremo (1.UWT) zugezogen hat, keine weiteren negativen Folgen. Der Ni

24.03.2026Silvestri wird noch beatmet: “Genesung verläuft aber positiv“

(rsn) – Drei Tage nach ihrem schweren Sturz beim Sanremo Women (1.WWT) hat Debora Silvestri (Laboral - Kutxa Fundacion Euskadi) das Krankenhaus noch nicht verlassen können. Die Italienerin hatte si

22.03.2026Jan Christen muss nach Sanremo-Sturz um Giro bangen

(rsn) – Es mussten Samstag bei Mailand-Sanremo (1.UWT) noch 242 Kilometer zurückgelegt werden, als Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) den ersten Rückschlag erlitt. Sein Edelhelfer Jan Christ

22.03.2026Kwiatkowski kommt bei Sanremo-Sturz ohne Brüche davon

(rsn) – Die Polen hatten es am Samstag auf dem Weg nach Sanremo nicht leicht. Nicht nur Kasia Niewiadoma–Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) war schwer zu Boden gegangen, auch den Mailand-Sa

22.03.2026Sanremo? Abgehakt! Pogacar: “Kehre nur zum Focacciaessen zurück“

(rsn) – Endlich hat es geklappt: Nach einem zwölften, einem fünften, einem vierten und zwei dritten Plätzen ist Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in Sanremo der große Coup gelungen. Der S

22.03.2026Van der Poel konnte seinen “Lenker nicht gut festhalten“

(rsn) – Als Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) kurz vor der Cipressa am Boden lag, Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) mit seinem Teamkollegen Matteo Jorgenson daneben stand und mit Biniam

21.03.2026Pedersen: Gemischte Gefühle in Sanremo, aber bereit für Klassiker

(rsn) – Um ein Haar hätte das Überraschungs-Comeback von Lidl-Trek-Kapitän Mads Pedersen bei Mailand-Sanremo (1.UWT) auf dem Podium geendet. Der Däne war im Sprint des Verfolgerfeldes hinter den

21.03.2026Van Aert: Starke Aufholjagd im Schatten des Überfliegers

(rsn) - Nach zweijähriger Pause kehrte Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) zu Mailand-Sanremo (1.UWT) zurück. Zwei dritte Plätze und ein Sieg (2020) standen in seiner bisherigen "Primavera"-Bilanz

21.03.2026Niewiadoma erleidet bei Sanremo-Sturz Schnitt- und Schürfwunden

(rsn) – Kasia Niewiadoma hat sich nach Angabe ihres Teams Canyon – SRAM – zondacrypto bei einem Sturz 18 Kilometer vor dem Ziel von Sanremo Women (1.WWT) weniger schlimm verletzt als zunächst b

21.03.2026McNulty: “Pogacar ist der größte Fahrer aller Zeiten“

(rsn) – Trotz eines Sturzes in der Anfahrt auf die Cipressa hat Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) seinen großen Traum wahrgemacht und im sechsten Anlauf erstmals Mailand-Sanremo gewonnen. Na

21.03.2026Highlight-Video des 117. Mailand-Sanremo

(rsn) – Mit einer weiteren denkwürdigen Vorstellung hat Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) erstmals in seiner Karriere auch den Klassiker Mailand-Sanremo gewonnen. Der Weltmeister setzte sich

Weitere Radsportnachrichten

19.09.2026Evenepoel: “Ganna ist neben mir Topfavorit“

(rsn) – Am Freitag besichtigte auch Top-Favorit Remco Evenepoel die WM-Zeitfahrstrecke von Montréal. Der Belgier zeigte sich nicht ganz zufrieden mit dem 39,2-Kilometer langen Kurs und erwartet ein

19.09.2026Corsus schlägt Heizomat-Neuzugang van Lierop

(rsn) – Yordi Corsus (Pauwels Sauzen - Altez Industriebouw) hat für Heizomat – Cube einen Saisoneinstand nach Maß verhindert. Der Belgier kam zwölf Sekunden vor dem niederländischen Neuzugang

19.09.2026Betsema gewinnt Cross-Saisonauftakt in Bad Salzdetfurth

(rsn) – Denise Betsema (De Ceuster Bouwkranen) hat im niedersächsischen Bad Salzdetfurth (C2) den europäischen Querfeldein-Auftakt für sich entschieden. Die Niederländerin überquerte die Zielli

19.09.2026Piganzoli legt los wie die Feuerwehr und rettet drei Sekunden

(rsn) – Nach seinem zweiten Platz vom Vortag und der Übernahme des gelb-blauen Führungstrikots machte es Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) auf der 4. Etappe der Tour de Luxembourg (2. Pro)

19.09.2026Miguel Angel López muss seine vierjährige Sperre absitzen

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

19.09.2026Henrik Pedersen wechselt die Seite und gewinnt Flandrien Classic

(rsn) – Henrik Pedersen (Uno-X Mobility) hat bei der Flandrien 0.0 Classic (1.Pro) seinen ersten Sieg bei den Profis eingefahren. Der 21-jährige Däne setzte sich bei der 16. Ausgabe des belgischen

19.09.2026Godon wird beim GP del Lazio Valverdes Nachfolger

(rsn) – Nachdem er beim Giro d’Abruzzo (2.1) sich mit zweiten Plätzen hatte begnügen müssen, hat Dorian Godon (Netcompany – Ineos) in Italien doch noch zugeschlagen. Der 30-jährige Franzose

19.09.2026Viertes WM-Gold in Serie? Evenepoel kann Geschichte schreiben

(rsn) – Seit 2020 dominieren Filippo Ganna und Remco Evenepoel – mit Ausnahme von 2022, als Tobias Foss überraschend das Regenbogentrikot holte – die WM-Zeitfahren. Der Italiener gewann 2020 un

19.09.2026Krönt Reusser ihren Geburtstag mit zweiter Goldmedaille?

(rsn) – Wenn am Sonntag die Straßen-Weltmeisterschaften von Montréal mit dem Zeitfahren der Frauen eröffnet werden, geht Titelverteidigerin Marlen Reusser als Top-Favoritin an den Start. Der mit

19.09.2026Die WM-Aufgebote aller Nationen für die Elite-Kategorien

(rsn) – Die Weltmeisterschaften im kanadischen Montréal vom 20. bis 27. September umfassen 13 Wettkämpfe – je sechs Einzelzeitfahren und Straßenrennen für männliche wie weibliche U19 und U23

19.09.2026Canyon-Leak beim spanischen Nationalteam

(rsn) - Das zweite Zeitfahren der Vuelta a España (2.UWT) absolvierte Enric Mas (Movistar) noch auf dem "alten“ Canyon Speedmax und bewies eindrucksvoll, dass das aktuelle Material durchaus noch ko

19.09.2026Straßen-WM im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Die UCI Straßen-Weltmeisterschaften zählen zu den Highlights des Rennkalenders. Juniorinnen und Junioren, männliche und weibliche U23 sowie die Männer und Frauen kämpfen in ihren jeweil

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour de Slovaquie (2.1, SVK)
  • Tour de Serbie (2.2, SRB)
  • Gran Premio del Lazio (1.1, ITA)
  • Milano-Rapallo Cronometro a (1.2, ITA)
  • Tour of Poyang Lake (2.2, CHN)
  • Tour of Huangshan (2.1, CHN)
  • Skoda Tour de Luxembourg (2.Pro, LUX)
  • Super 8 Classic (1.Pro, BEL)