Die Favoriten der Flandern-Rundfahrt 2026

Der Überflieger, sein großer Rivale und ein Herausforderer

Von Sebastian Lindner

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An Tadej Pogacar führt im Normalfall auch bei der Flandern-Rundfahrt kein Weg vorbei. | Foto: Cor Vos

03.04.2026  |  (rsn) – Immer dann, wenn die ganz großen Stars der Szene am Start sind, ist die Liste der Favoriten recht kompakt. So ist es auch zur 110. Flandern-Rundfahrt (1.UWT) am Ostersonntag. Beim zweiten Monument der Saison sind die Rollen klar verteilt. Es gibt den Top-Favoriten, dessen großen Rivalen und einen Herausforderer. Dazu kommen vielleicht noch zwei, drei Profis mit Außenseiterchancen.

In den vergangenen vier Jahren haben sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) in schöner Regelmäßigkeit die Siege untereinander aufgeteilt. Dem Gesetz der Serie folgend, wäre der Niederländer in diesem Jahr wieder dran, um seinen dann vierten Erfolg bei der “Ronde“ unter Dach und Fach zu bringen. 2020 hatte er das erstmal Mal zugeschlagen, im Jahr darauf hatte sich noch Kasper Asgreen in die Siegerliste eintragen können.

Neben van der Poel, Pogacar und Asgreen, der für EF Education – EasyPost an den Start geht, steht als weiterer Ex-Sieger noch Alberto Bettiol (XDS – Astana) auf der Startliste. Damit sind alle vier noch aktiven Gewinner des Rennens wieder im Feld. Echte Siegchancen bringen davon aber nur van der Poel und Pogacar mit. Und auch zwischen diesen beiden gibt es Unterschiede im Grad des Favoritenstatus. Denn ganz vorne rangiert Pogacar.

Bringt Spanien-Aufenthalt van der Poel die fehlenden-Prozente?

Das steht zwar konträr zur Flandern-Serie, aber nicht zu seiner eigenen. Pogacars bisherige Saisonbilanz mit zwei Siegen aus zwei Rennen ist makellos. Auch die größten Hindernisse wie der Sturz in der entscheidenden Phase vor der Cipressa bei seinem ersten Sanremo-Sieg bringen ihn weder aus der Fassung noch halten sie ihn auf. Wie gut Pogacars Form ist, lässt sich dabei zwei Renntagen nur vermuten, zumal eben auch das erste Monument des Jahres bereits wieder zwei Wochen zurückliegt.

Entscheidender ist aber auch viel mehr, wie gut die Form der Konkurrenten ist. Alle – auch van der Poel – müssen am absoluten Limit sein, um den Slowenen zu bändigen. Doch genau das scheint beim großen Rivalen des Top-Favoriten nicht der Fall zu sein. Die Tage nach Sanremo liefen nicht optimal für van der Poel. Die “kleine Flandern-Rundfahrt“, den E3 Preis, hat der 31-Jährige nur gewonnen, weil sich seine Verfolger selbst im Weg standen. Zwischen Middelkerke und Wevelgem zwei Tage später passierte dann das, was eigentlich schon in Harelbeke passieren hätte müssen: Van der Poels Ausreißversuch wurde vorzeitig beendet.

Dwars door Vlaanderen als Generalprobe für die “Ronde“ hat van der Poel ausgelassen, um sich im Südosten Spaniens in seiner Trainingsbasis bei Calpe gezielt auf die beiden anstehenden Monumente vorzubereiten, sich dort den letzten Schliff zu holen. Was für Roubaix eine Woche später nach einem guten Zeitplan klingt, scheint für Flandern aber auf den ersten Blick etwas zu kurzfristig, um die vermeintlichen Defizite noch ausräumen zu können.

X-Faktor Evenepoel?

Was aus dem Duell um die flämische Krone wird, bleibt also abzuwarten. Vielleicht verkommt es zu einer Solo-Anwärterschaft. Im besten Fall wird daraus aber sogar ein Dreikampf. Denn das Debüt von Remco Evenepoel bei der Flandern-Rundfahrt bringt einen neuen Faktor ins Spiel. Denn so, wie sich der 26-Jährige in dieser Saison präsentiert hat, wird er nicht darauf warten, irgendwelchen Hinterrädern zu folgen, sondern selbst ihn die Offensive gehen. 

Das könnte van der Poel und Pogacar möglicherweise in Zugzwang bringen. Dass Evenepoel dabei zum ersten Mal antritt, ist kein großer Minuspunkt für ihn. Dem Belgier muss niemand erklären, wie auf Kopfsteinpflaster gefahren werden muss. Und beim erwartbar offensiven Auftritt fährt er in den entscheidenden Momenten auch eher vor dem Feld als mittendrin, was auch die Positionierung nicht zum großen Hindernis werden lassen wird.

Wer kommt neben diesem Trio noch für eine Top-Platzierung in Frage? Wenn allzu großes Sturzpech ausbleibt, bleibt es bei wenigen Namen. Angeführt werden die von Wout van Aert (Visma – Lease a Bike). Auch wenn der Sieg noch fehlt, hat sich der zweite Belgier, dem etwas zuzutrauen ist, doch mit starken Beinen präsentiert. Ein Jammer für ihn, dass er nach einem ambitionierten Ausreißversuch bei Dwars door Vlaanderen noch von Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) abgefangen wurde. Der brachte sich mit seinem ersten Sieg bei einem belgischen Klassiker gleichermaßen in eine Rolle für den erweiterten Favoritenkreis.

Pedersens Formrückstand noch zu groß?

Doch größer wird der nicht. Mads Pedersen (Lidl – Trek) als Vorjahreszweiter wird zwar wieder einer der Aktivposten im Rennen sein, ein großer Name, der seinen Hut früh in den Ring wirft. Aber den Trainingsrückstand, den sich der Däne durch seinen Sturz mit Schlüsselbein- und Handgelenksbruch Anfang Februar einhandelte, scheint er noch nicht vollständig wettgemacht zu haben. 

Anders ist die die Situation bei Florian Vermeersch (UAE – Emirates – XRG). Theoretisch zwar als Pogacar-Helfer gelistet, wird er vermutlich nicht allzu viel Hilfestellung geben können oder müssen. Gut möglich, dass er sein eigenes Rennen fahren kann. Dass die Beine beim 27-Jährigen passen, steht dabei außer Frage. Nur scheint das taktische Gefühl noch nicht ausgereift genug für ein ganz großes Ergebnis.

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