RSNplusZweifel an der Form von Pogacars Rivalen

Van der Poels taktische Möglichkeiten in der Tiefenanalyse

Von Paul Grosch

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Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) | Foto: Cor Vos

04.04.2026  |  (rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) war in den vergangenen drei Jahren der einzige Profi, den Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) wirklich fürchten musste, wenn die Kopfsteinpflaster-Monumente auf dem Programm standen. Der Niederländer war es, der die Spannung hochhielt, der dafür sorgte, dass die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix nicht zu einer One-Man-Show verkommen und lediglich Füllmaterial für die langen Palmarès des Slowenen werden.

Doch zuletzt nährten sich die Zweifel daran, ob van der Poel in Flandern wirklich dazu in der Lage sein kann, Pogacar ernsthaft zu gefährden oder sogar Einhalt zu gebieten.

Van der Poel startete seine Straßensaison mit einem dominanten Sieg beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) und zwei beeindruckenden Etappensiegen bei Tirreno-Adriatico (1.UWT). Die Zuversicht unter den Fans und auch van der Poel selbst auf ein enges Duell bei Mailand-Sanremo und bei der “Ronde“ war da, erhielt nach der “Primavera“ jedoch ein paar Dämpfer.

Form nach Sturz bei Milano-Sanremo unklar

Nach einem Sturz zehn Kilometer vor der Cipressa, bei dem er sich eine Fingerverletzung an der linken Hand zugezogen hatte, konnte van der Poel anfangs zwar Pogacars erster Attacke folgen. Am letzten Anstieg des Tages, dem Pogigo, fiel er aus dem Trio mit Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5) sowie dem Weltmeister heraus wurde im Sprint des Feldes schließlich Achter. Beim E3 Saxo Classic (1.UWT) sechs Tage später machte er zwar seinen Hattrick perfekt, wurde im Gegensatz zu den Jahren davor nach einem langen Solo auf dem letzten Kilometer fast eingeholt und gewann nur aufgrund schlechter taktischer Entscheidungen in der Gruppe dahinter. ___STEADY_PAYWALL___

Nicht gänzlich unberechtigt also die Frage, ob der Niederländer in Flandern dieses Jahr überhaupt ansatzweise den Attacken Pogacars folgen kann, wo er doch letztes Jahr trotz dominanter Siege in Sanremo und vor allem beim E3 Preis bei der “Ronde“ bei der letzten Überquerung des Oude Kwaremont schließlich chancenlos war. Doch so einfach ist es nicht.

In den Sturz bei Sanremo war auch Pogacar verwickelt, jedoch liegt es dem Fahrerprofil des Slowenen deutlich mehr, dass der Kraftaufwand unter Volllast an der Cipressa für beide durch das Wiederranfahren an das Feld von neun Minuten auf etwa 25 Minuten verlängert wurde. Als GC-Fahrer verkraftet Pogacar diese langen Anstrengungen deutlich besser als van der Poel, der auch bedingt durch seinen Hintergrund als Cross-Fahrer kürzere explosive Antritte mit Erholungsphasen dazwischen bevorzugt.

Taktische Fehlentscheidungen in Sanremo und beim E3?

Trotz seines Sturzes kooperierte van der Poel auf dem Flachstück zwischen Cipressa und Poggio weiterhin mit Pogacar und Pidcock. Auch die Verletzung am Finger spielte laut ihm selbst eine Rolle, da er den Lenker nicht mehr gut greifen konnte. Ein Faktor, die ihm möglicherweise auch bei E3 noch etwas behindert hat. In diesem Rennen war jedoch vor allem der Gegenwind entscheidend. Zunächst als er 68 Kilometer vor dem Ziel das erste Mal attackierte und anschließend auf einer Passage allein gegen den Wind die Lücke nach ganz vorne zur Ausreißergruppe schließen musste. Das andere Mal auf den letzten gut 35 Kilometern, in denen er sich weiterhin im Solo einer Vierergruppe bestehend aus extrem tempoharten Fahrern erwehren musste.

Mathieu van der Poel wird am Poggio di Sanremo früh abgehängt | Foto: Cor Vos

Ändert van der Poel seine offensive Taktik?

Vor der Flandern-Rundfahrt ist es nun nicht sicher, ob diese Umstände seine eigentliche Topform versteckt haben oder der 31-Jährige vielleicht sogar langsam altersbedingt abbaut. Unabhängig von seiner Form sollte der Niederländer jedoch seine Taktik der “Ronde“ des Vorjahres umstellen. Damals konnte er bei den ersten Attacken fünf Attacken von Pogacar mitgehen. Erst am letzten Kwaremont ging nach ein paar hundert Metern die Lücke auf und der Niederländer sah seinen Rivalen erst nach der Ziellinie wieder. Davor war van der Poel der einzige Fahrer, der durchgehend mit Pogacar kooperierte. Am Ende bekam er ähnliche Probleme wie in Sanremo, als er sich von den explosiven Beschleunigungen nicht erholte und viele kleine Anstrengungen zu einer längeren wurden.

Es wäre zu überdenken, ob van der Poel seine bisherige Vorgehensweise in Duellen mit Pogacar überdenkt und eine Zusammenarbeit mit diesem bis nach dem letzten Anstieg verweigert. Pogacar würde in so einer Situation höchstwahrscheinlich das Tempo rausnehmen und möglicherweise auf seinen im Frühjahr bisher so starken Teamkollegen Florian Vermeersch warten. Auch durch ein Abtreten der Verantwortung an Pogacar, mögliche Attacken von Fahrern wie Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) allein zu neutralisieren, sowie durch das Unterlassen eigener Tempoverschärfungen, könnte der Niederländer mit seiner Energie besser haushalten und dem Weltmeister möglicherweise bei der letzten Passage der Kwaremont-Paterberg-Kombination folgen.

In einem Sprint der zwei oder einer kleinen Gruppe ist van der Poel vor allem bei einer geringen Startgeschwindigkeit Favorit. Das einzige Risiko besteht darin, dass Pogacar ohne Beteiligung an der Führungsarbeit seitens des Niederländers das Tempo so weit drosselt, dass eine größere Gruppe entsteht, in der van der Poel möglicherweise vom Podium verdrängt wird. Dennoch ist es eine Überlegung wert, ob er dieses Risiko für die Erhöhung seiner Siegchancen nicht eingehen sollte.

Van der Poel und Pogacar sorgten für die Tempoarbeit in der Spitzengruppe bei der "Ronde" letztes Jahr | Foto: Cor Vos

Alpecin-Premiertech nach Milano-Sanremo unzufrieden mit UAE

Darüber hinaus könnten auch die Aussagen aus van der Poels Alpecin-Team in Bezug auf den Verlauf von Sanremo relevant für die Teamtaktik in Flandern sein. Nach dem Rennen äußerte man sich kritisch über die Entscheidung von Pogacars UAE-Team trotz dessen Favoriten-Status keinen einzigen Helfer für die frühe Kontrolle der Ausreißergruppe auf der längsten Strecke im Kalender abzustellen, wodurch der Schweizer Silvan Dillier rund 200 Kilometer lang für das Tempo im Hauptfeld sorgen musste. Möglicherweise dreht das niederländische Team am Sonntag den Spieß um und zwingt UAE, das Feld allein zu kontrollieren und früher als geplant Fahrer zu verbrauchen.

Evenepoel als Verbündeter für van der Poel?

Auch Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) könnte für van der Poel ein Verbündeter werden. Der Belgier ist auch am Ende von harten, hügeligen Rennen ein extrem tempoharter Zeitfahrer, der letztes Jahr der einzige Fahrer war, der bei einem Eintagesrennen, dem Amstel Gold Race, mit ein wenig Unterstützung von Matthias Skjelmose (Lidl - Trek) Pogacar auf einer Solofahrt wieder einfangen konnte. Hilfreich war in dieser Situation jedoch auch der starke Gegenwind, gegen den Pogacar auf einem exponierten Plateau auf den Schlussrunden allein ankämpfen musste.

Die Wettervorhersage für den Sonntag verspricht Rückenwind für die letzten zwölf flachen Kilometer zurück nach Oudenaarde. Somit könnte eine kooperierende Gruppe hinter einem Pogacar im Alleingang nicht ganz so effektiv sein. Doch auch der Dominator dürfte vor einer solchen Konstellation im Finale gewarnt sein.

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