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05.04.2026 | (rsn) - Eine der großen Fragen vor der 110. Flandern-Rundfahrt (1.UWT) war die nach der Form von Mathieu van der Poel (Alpecin – Premiertech). Der Niederländer wurde nach seinem perfekten Saisoneinstieg beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) als Favorit bei Mailand-Sanremo (1.UWT) nur Achter und bei der E3 Saxo Classic (1.UWT) kurz vor dem Ziel fast eingeholt. Danach waren viele Fans vor einem möglichen Showdown mit Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) skeptisch, ob die Form beim dreimaligen Ronde-Sieger stimmen würde.
Van der Poels zweiter Platz in Oudenaarde deutliche 34 Sekunden hinter Sieger Pogacar liefert auf den ersten Blick keine eindeutige Antwort. Doch bei genauerem Hinsehen war der Weltmeister von 2023 wie letztes Jahr erneut der Einzige, der Pogacar bergauf mehrmals folgen konnte. Die Frage, ob van der Poel die bei Mailand-Sanremo vielleicht etwas fragliche Entscheidung, trotz Sturz danach mit Pogacar und Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) zu kooperieren, in Flandern wiederholen würde, kann nicht vollständig beantwortet werden. ___STEADY_PAYWALL___
Laut van der Poels Aussage im Ziel arbeitete Pogacar deutlich mehr als er selbst und setzte ihn dadurch bergauf auch immer wieder unter Druck. Wenn der Niederländer den Weltmeister im Wind dann mal ablöste, fuhr er nicht mit vollem Druck auf den Pedalen, um für die erwartete Attacke des Slowenen noch etwas in der Reserve zu haben.
Lange Zeit konnte Mathieu van der Poel bei der Flandern-Rundfahrt das Tempo von Tadej Pogacar mitgehen. | Foto: Cor Vos
Bei der letzten Überfahrt des Oude Kwaremont konnte er Pogacar dennoch nicht halten. Die Lücke war oben jedoch deutlich kleiner als letztes Jahr, van der Poel schien auch früher in eine Art Zeitfahrmodus überzugehen, um sich nicht komplett in den roten Bereich zu bringen. Pogacar absolvierte den Anstieg sechs Sekunden schneller, konnte auf den nächsten Kilometern und am Paterberg aber schnell eine Lücke von 20 später 40 Sekunden reißen.
Im letzten Jahr wurde der Niederländer am letzten Kwaremont nach ein paar hundert Metern von Wout van Aert (Visma – Lease a bike) und dem Lidl-Trek-Fahrer Mads Pedersen sowie Jasper Stuyven (Soudal - Quick-Step) wieder eingesammelt und im Zielsprint schließlich Dritter. Damals war van der Poel zuvor gestürzt und musste außerdem bei der zweiten Passage des entscheidenden Anstiegs aufgrund schlechter Positionierung eine große Lücke nach vorne zufahren.
Diesmal bestand die Gruppe der Favoriten zu diesem Zeitpunkt durch den sehr frühen Split am Molenberg aus nur noch ungefähr 20 Fahrern. “Ich habe direkt mit der Gruppe zusammengearbeitet, weil dann die Positionierung für den zweiten Kwaremont wegfällt, wenn die Gruppe kleiner ist. Leider wurde ich dann aber von ein paar Fahrern geblockt, obwohl ich in guter Position war“, so van der Poel nach dem Rennen.
Die entstandene Lücke nach vorne zu schließen, kostete ihn abermals viel Energie. “Es ist schwierig, zu sagen, was mich das am Ende gekostet hat. Er (Pogacar) war sehr stark, aber ich glaube nicht, dass mir beim letzten Kwaremont viel gefehlt hat“, so der Vorjahresdritte.
An der letzten Überquerung des Oude Kwaremont ging es van der Poel dann aber zu schnell | Foto: Cor Vos
Ob van der Poel selbst durch eine noch defensivere Taktik und vielleicht sogar ein Einstellen der Zusammenarbeit Pogacar an der letzten Kwaremont-Paterberg-Kombination hätte folgen und danach seine vermeintliche Überlegenheit in einem Sprint hätte umsetzen können, ist somit Spekulation.
Fest steht, dass der 31-Jährige in Zukunft entweder einen perfekten Tag ohne Fehler in jeglicher Situation oder einen nicht so guten Tag von Weltmeister Pogacar braucht, um sich den alleinigen Rekord für die meisten “Ronde“-Siege – nämlich vier - doch noch zu holen.
Offensichtlich ist jedoch, dass sein Team die Taktik im Vergleich zur letztjährigen Flandern-Rundfahrt geändert hat. Statt Nachführarbeit hinter der Ausreißergruppe zu leisten, nahm der Schweizer Silvan Dillier nicht - wie letztes Jahr - seine Position an der Spitze des Feldes ein, sondern sprang selbst mit in die Gruppe des Tages. Aufgrund der frühen Vorentscheidung des Rennens am Molenberg und dem danach konstant hohen Tempo in der Favoritengruppe konnte er nicht ganz die erhoffte Hilfe für Kapitän van der Poel sein.
Das Podium der 110. Flandern-Rundfahrt, v.l.: Mathieu van der Poel, Tadej Pogacar, Remco Evenepoel | Foto: Cor Vos
Da Pogacar offensichtlich auch von Alpecin – Premier Tech als Topfavorit gesehen wurde, trat man die gesamte Kontrollarbeit in der Anfangsphase sowie die Tempoarbeit in der Hügelzone später an dessen Mannschaft ab. In einer Woche beim ganz anderen Streckenprofil von Paris-Roubaix (1.UWT) wird das aber vielleicht schon wieder ganz anders aussehen.