Die Setups von Pogacar, van der Poel & Co

Womit bei Paris - Roubaix im Materialbereich zu rechnen ist

Von Christoph Matt

Foto zu dem Text "Womit bei Paris - Roubaix im Materialbereich zu rechnen ist"
Bei keinem Rennen ist das Material so wichtig wie bei Paris - Roubaix| Foto: Cor Vos

08.04.2026  |  (rsn) - Das richtige Material ist bei jedem Radrennen ein nicht zu unterschätzender Faktor. Es gibt aber wohl nur eines, für das Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) sogar mehrmals extra anreist, um das optimale Setup zu finden. 

Allein in diesem Jahr war der Slowene bereits viermal auf den Kopfsteinpflaster-Abschnitten von Paris-Roubaix unterwegs. Neben Streckenbesichtigungen standen im Norden Frankreichs vor allem Materialtests auf dem Programm, wie Colnago gegenüber cyclingnews.com erklärte.

In der Vergangenheit war die "Königin der Klassiker" immer wieder eine Spielwiese für Materialexperimente. Von gefederten Rennrädern über Gravel- und Cyclocross-Rahmen bis hin zu elektrischen Reifendruckregelsystemen wurde vieles ausprobiert. In den vergangenen Jahren hat diese Experimentierfreude jedoch etwas nachgelassen. Breitere Reifen und die dafür ausgelegten Rahmen haben viele frühere Ansätze obsolet gemacht.

Pogacars Besuche im Norden Frankreichs zeigen dennoch, wie ernst die Materialfrage weiterhin genommen wird. Es stellt sich also auch dieses Jahr die Frage, was materialtechnisch zu erwarten ist.

Was wir sehen werden

Andere Räder für die Topfavoriten: Anscheinend wird Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) nach seinem Paris-Roubaix-Hattrick auf dem Canyon Aeroad dieses Jahr auf dem noch unveröffentlichtem Endurace an den Start gehen. Der Niederländer gewann mit dem neuen Rad im Frühjahr schon die E3 Saxo Classic (1.UWT) und scheint sich auf dem Rad wohlzufühlen. 

Optisch unterscheidet sich das neue Rad nur wenig vom Aeroard, van der Poel dürfte sich aber mehr Komfort erhoffen. Pogacar wird dagegen das Bergrad V5RS gegen das aerodynamischere Y1RS tauschen. Nach den ausführlichen Test fiel die Wahl für das windschnittigere Modell, bei der letztjährigen Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 47 km/h eigentlich nicht verwunderlich.

Schmale Reifen, dafür Federung: In den 90er schickte Bianchi mehrmals vollgefederte Rennräder nach Paris-Roubaix. | Foto: Cor Vos

Noch breitere Reifen: Andere Fahrer, etwa Taco van der Hoorn (Lotto - Intermarche), waren schon letztes Jahr auf 35mm breiten Reifen unterwegs. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Continental brachte pünktlich für die Kopfsteinpflaster Rennen den Straßenreifen GP 5000 S TR in 35mm auf den Markt und man darf davon ausgehen, diesen auch im Renneinsatz zu sehen. Im Bildmaterial von Pogacars Materialtests sieht es schon danach aus, als hätte er zumindest testweise die nominelle Reifenfreiheit des Y1RS von 32mm deutlich überschritten.

Shimano 1-fach Kettenblatt: An den Teambikes von Visma - Lease a bike und Lidl - Trek, die beide SRAM-gesponsert sind, sieht man das Setup mit nur einem Kettenblatt schon seit mehreren Jahren. Im Straßeneinsatz von Shimano-Teams ist ein 1-fach Kettenblatt aber sehr selten, auch weil der Hersteller das offiziell nicht anbietet. 

Dennoch gewann Pogacar Mailand-Sanremo ohne Umwerfer, mit einem 1-fach Kettenblatt von Carbon-Ti und einer Kettenführung. Bei Paris - Roubaix, das auf vollkommen flacher Strecke verläuft ist, dürfte der Umwerfer deshalb bei den wenigsten Fahrern zum Einsatz kommen. Wer ihn weglässt, spart Gewicht und Luftwiderstand, dies dürfte also für viele eine attraktive Option sein.

Was wir nicht sehen werden

Elektrische Reifendrucksysteme: Wie groß ihr Anteil am letztjährigen Paris-Roubaix-Sieg von Pauline Ferrand-Prévot (Visma - Lease a bike) war, lässt sich schwer sagen. Sicher ist nur, dass der Spruch "Win on Sunday, sell on Monday“ diesmal nicht funktioniert hat. Das niederländische Unternehmen Gravaa musste Anfang des Jahres Konkurs anmelden.

Durch Strom aus der Nabe kann mit dem System von Gravaa während der Fahrt der Luftdruck angepasst werden. | Foto: Cor Vos

Visma – Lease a Bike könnte das System zwar weiterfahren, im bisherigen Frühjahr war davon aber nichts zu sehen. Das System war wohl im Handling auch nicht ohne Kompromisse. So lässt es sich nicht mit Inserts kombinieren. Die Schaumstoffeinsätze, die den Reifen stabilisieren und die Felge bei niedrigem Druck vor Durchschlägen schützen, sind bei dem Kopfsteinpflasterklassiker eine beliebte Wahl. Visma - Lease a bike klebte stattdessen die Tubelessreifen auf die Felge, um das System pannensicherer zu machen.

Federungselemente: Die erste Ausgabe von Paris-Roubaix Femmes gewann Lizzie Deignan auf einem Trek Domane. Zwar liegt das erst fünf Jahre zurück, trotzdem war das Setup mit 1-Fach-Kettenblatt und 30mm Tubeless-Reifen für die damalige Zeit bereits recht fortschrittlich. 

Die Federungselemente des Domane, mit denen sie 2021 über das Pflaster fuhr, dürften heute jedoch weitgehend aus dem Peloton verschwunden sein. Breite Reifen und immer mehr Aerobikes haben dafür gesorgt, dass die verschiedenen Federungslösungen praktisch ausgestorben sind.

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