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14.04.2026 | (rsn) - Nepomuk Roth vom deutschen Gravelteam Rose Racing Circle und der Tour-de-France-Dritte Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) haben eines gemeinsam: Sie sind gleichalt und haben spät mit dem Radsport begonnen. Und die 25-Jährigen weisen noch eine Gemeinsamkeit auf: Ihr Karriereweg ließ sie im Jahr 2022 im Kontinental-Team Tirol KTM Seite an Seite Rennen fahren.
Ist Red-Bull-Profi Lipowitz mittlerweile in der World-Tour eine feste Größe, hat Roth einen anderen Weg eingeschlagen. In unserer Serie “Die deutsche Gravel-Elite“ stellen wir den Regensburger im Porträt vor.
“Schon in den Konti-Teams hat es mir nicht gepasst, dass immer jemand über einen entscheidet, wann man welche Rennen zu fahren hat. Man hat wenig Mitspracherecht und wird oft zu irgendwelchen Rennen geschickt, nur um den Kader aufzufüllen“, kam Roth im Gespräch mit RSN schnell zu dem Punkt, dass ihm als Straßenradprofi ohnehin die eigene Freiheit gefehlt hätte.
So richtig los ging es mit dem Radsport für Roth, der davor weder familiär noch eigenmotiviert Kontakt mit dem Leistungssport hatte, erst im zweiten U19-Jahr. “Im Jahr davor hatte ich überhaupt zum ersten Mal auf einem Rennrad gesessen, ein alter Stahlrahmen mit Rahmenschaltung war das noch“, erinnerte er sich an seine Anfänge, in denen aber schon eine große Portion Ehrgeiz in ihm steckte. Rückblickend habe der damals 17-Jährige schon bei ersten Group-Rides versucht, andere am Berg abzuhängen und sehr schnell festgestellt, dass Rennradfahren “sein Ding ist“. ___STEADY_PAYWALL___
Zu dieser Zeit gab es Kontakt zu Henri Uhlig, heutiger Profi bei Alpecin – Premier Tech, der ebenfalls wie Roth in Regensburg aufwuchs. “Wenn Henris Vater nicht so sehr in den Rennsport involviert gewesen wäre, hätte ich vielleicht gar nicht mit Radrennen begonnen“, umriss er seine Anfangszeit. Die begann im Heimatverein Veloclub Ratisbona, von dem aus er bereits nach nur drei Rennen vom Team Auto Eder gescoutet wurde – der Talentschmiede von ehemals Team Bora – hansgrohe.
Nepomuk Roth (re.) beim Rad am Ring – Gravel Race 2025, bei dem er Dritter wurde. | Foto: Moritz Sauer
“In meinem ersten Junioren-Rennen wurde ich direkt Dritter. Als ich zu Auto Eder kam, haben die mir direkt ein Tarmac SL6 hingestellt. Da dachte ich: wow, innerhalb weniger Monate von einem Stahlrad zu dem damals besten Rad der Welt. Wenn das so weitergeht, bin ich in zwei Jahren Profi.“ Entsprechend verbissen trainierte Roth in den folgenden Monaten - mit der Konsequenz, dass er innerhalb kürzester Zeit extrem an Gewicht verlor. “Ich wog dann nur noch 57 Kilogramm (bei 1,78 Meter Körpergröße) und war bei meinem Einritt in die U23-Klasse erstmal ein Vierteljahr krank.“
Zunächst ein herber Rückschlag, wie er meinte, denn sein Ziel sei zumindest gewesen, auf Kontinental-Niveau zu fahren. “Ich hatte jetzt nicht das feste Ziel, Profi zu werden, wollte aber ausloten, wofür es für mich im Radsport reichen könnte“, schloss er 2018 noch nicht aus, dass es für ihn eventuell auch in die oberste Liga des Sports gehen könnte.
Immer noch im Hinterkopf, mehr aus seinem Potential herausholen zu können, zog er 2021 zwecks besserer Trainingsmöglichkeiten nach Innsbruck. In der Zwischenzeit war er wieder für Veloclub Ratisbona an den Start gegangen. “Obwohl ich bis dato keine wirklichen Ergebnisse in meiner Rad-Vita vorzuweisen hatte, klopfte ich dann bei Union Raiffeisen Tirol an, die in Innsbruck ansässig waren und 2021 KT-Staus hatten“, beschrieb er den Versuch, doch noch im professionellen Radsport Fuß zu fassen. Lediglich acht Renntage, bei denen er nur zweimal das Ziel erreichte, waren jedoch nicht die beste Visitenkarte, als es nach nur einem Jahr bei Raiffeisen für ihn nicht weiterging.
“Das war für mich der Moment als ich merkte, ich werde auf jeden Fall kein Radprofi“, hatte Roth diesen Zeitpunkt als immer noch richtungsweisend im Kopf. “Wenn ich schon in einem Konti-Team aus der zweiten Reihe keinen Vertrag mehr bekomme, muss ich mir jetzt wirklich überlegen, wie es mit mir weitergehen soll“, dachte sich der damals erst 21-Jährige. Die Vorbereitung auf einen Aufnahmetest für ein Medizinstudium brachte ihn auf andere Gedanken – mit dem positiven Nebeneffekt, dass seine Leistung auf dem Rad stetig anstieg.
Zielorientiert, aber dennoch entspannt – in Roth stecken beide Seiten. | Foto: Moritz Sauer
“Ich bin dann als Einzelstarter mit dem Tirol KTM Team zu Rennen gereist und habe dort aufgrund meiner guten Resultate Mitte der Saison 2022 noch einen Vertrag erhalten.“ Zu dieser Zeit fuhren Lipowitz und Felix Engelhardt (heute Jayco - AlUla) schon bei diesem Team. Laut Roth sei es bei Engelhardt offensichtlicher als bei Lipowitz gewesen, den Schritt in den Profiradsport schaffen zu können.
“Engel war schon als Junior richtig gut und hat auch in der U23 immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Lipo hingegen hat ja erst in der U23 und dann direkt im Konti-Bereich mit Rennen angefangen. Von seiner eigentlichen Stärke hat man damals in den Rennen gar nicht so viel mitbekommen. Der war auch noch viel schüchterner als heute“, so Roths Erinnerungen an das kurze Zusammensein mit dem heutigen Weltklasse-Rundfahrer.
Zum Saisonende aus der U23 herausgewachsen (Anm.: Tirol KTM ist ein reines U23-Team) stand Roth, wie schon so oft in der Vergangenheit, vor der Entscheidung, wie es auf dem Rad für ihn weitergehen soll. Eine Bewerbung bei professionellen Teams war keine Option mehr. Also fuhr er wieder mit viel Freude als Einzelstarter Rennen, bis Bastian Marks mit der Idee um die Ecke kam, dass Rose ein eigenes Team auf die Beine stellen wolle. Rose Racing Circle gab es damals schon als Mini-Team mit drei Mountainbikern. Die Idee war nun, das Team um zehn Straßenfahrer zu erweitern, die als hoffnungsvolle Talente aus dem U23-Bereich galten.
Roth schloss zunächst einen Sponsorenvertrag mit Rose ab, hatte zu dem Zeitpunkt aber keinerlei Off-Road Erfahrungen. “Aus der Mischung aus MTB- und Straßenfahrern wurde dann RRC automatisch mehr und mehr schleichend zu einem Gravelteam“, skizzierte er die weitere Entwicklung.
“Was mich am Gravel aktuell am meisten reizt, ist die Tatsache, dass man mit einem Amateurstatus, den viele von uns ja noch haben, trotzdem die größten Rennen dieser Welt fahren kann“, versuchte er seine Motivation für den Wechsel auf den Schotter zu beschreiben.
Eines ist wichtig für den Medizinstudenten: eine gute Zeit mit seinem Team zu haben. | Foto: Pierre Barton
Roth hat zwar mit RRC einen Vertrag, erhält aber kein monatliches Gehalt und würde sich deshalb in seiner momentanen Situation auch nicht als Profi bezeichnen. “Und das ist auch gut so!“, betonte er nochmals. “Denn in dem Moment, in dem ich Geld erhalte, werde ich gezwungen Rennen zu fahren. Aber ich möchte nur dort fahren, wo es mir Spaß macht – und diese Struktur gibt mir RRC zurzeit noch.“
Auch wenn die Top-Resultate noch ausbleiben, hat sich Roth für dieses Jahr einiges vorgenommen. “Ich peile einen Top-Ten Platz bei einem UCI-Rennen an und möchte meinen vierten Platz bei den Deutschen Meisterschaften aus dem Vorjahr verbessern“, formulierte er abschließend noch recht bescheiden seine Saisonziele.