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11.04.2026 | (rsn) – Es scheint beinahe so, als wäre es das letzte offene Rätsel der Saison. Und doch ist auch das zumindest gefühlt schon mehr oder weniger gelöst. Wer gewinnt das 123. Paris-Roubaix? Im Grunde kommen einmal mehr nur zwei Namen in Frage. Es sind die, die zusammen gerechnet 16 der letzten 18 Monumente für sich entschieden haben: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech). Jeder andere Sieger wäre fast schon eine Sensation, auch wenn die Namen noch so groß sind.
Der Saisonverlauf lässt sogar den Schluss zu, dass selbst ein Sieg des Niederländers schon leichten Überraschungscharakter hätte. Denn in den direkten Duellen, die sich van der Poel und Pogacar in diesem Jahr lieferten – Mailand-Sanremo und die Flandern-Rundfahrt – zog der 31-Jährige jedes Mal gegen den Weltmeister den Kürzeren. Und zwar deutlich.
Das Einzige, was gegen Pogacar spricht, ist dabei der Umstand, dass Roubaix im Grunde wie gemacht ist für seinen Widersacher. Keine Cipressa, kein Poggio, keine Hellingen, an denen sich die rund zehn Kilogramm Körpergewicht, die van der Poel schätzungsweise mehr auf die Waage bringt, negativ auswirken könnten. Stattdessen sorgen sie auf den teuflischen Kopfsteinpflaster-Sektoren für eine ruhigere Fahrweise und etwas mehr Komfort, helfen im Zweifel auch bei ungünstigen Windverhältnissen.
Van der Poel hat die letzten drei Auflagen der “Königin der Klassiker“ gewonnen. Mit vieren in Serie wäre er diesbezüglich alleiniger Rekordhalter, noch teilt er sich ihn mit Francesco Moser, der von 1978 bis 1980 nicht zu schlagen war. Bei vier Siegen steht gleichzeitig auch der Rekord für die meisten Erfolge in Roubaix, den sich aktuell noch Roger De Vlaeminck und Tom Boonen teilen.
Genauso rekordverdächtig wäre ein Sieg für Pogacar. Gewinnt er im Velodrom, würde er als erst vierter Fahrer in die Geschichte eingehen, der mindestens einmal bei jedem Monument jubeln durfte. Bisher gelang das nur den drei Belgiern Rik Van Looy, Eddy Merck und De Vlaeminck. Zugleich wäre er der Erste, der bei allen fünf Monumenten amtierender Sieger ist. Zudem hätte er weiterhin die Chance auf den ganz großen Wurf – alle diese Klassiker in einer Saison zu gewinnen, wobei die für ihn schwierigsten damit abgehakt wären.
Pogacar verspüre bei seinem Unterfangen große Motivation, aber kaum Druck, wie er sagte. Doch auch van der Poel gab sich optimistisch. “Ich weiß, dass meine Serie hier nicht für immer halten wird“, sagte er gegenüber Het Laatste Nieuws. “Aber Roubaix liegt mir und dem Team sehr gut. Ich hoffe, dass ich zurückschlagen kann. Es wird natürlich schwierig, Tadej abzuschütteln, aber das gilt andersrum genauso.“
Im letzten Jahr gelang das nur, weil Pogacar 38 Kilometer vor dem Ziel in Sektor 9, Pont-Thibault à Ennevelin, stürzte und später auch noch das Rad wechseln musste. Die entstandene Lücke war nicht mehr zu schließen. Im Recon war der Slowene am Donnerstag auch dort unterwegs. Seine Strava-Daten sprachen dort von persönlicher Bestzeit, auf anderen Pavés hat er gemeinsam mit Teamkollege Florian Vermeersch KOMs aufgestellt. Der Belgier, der ebenfalls in ausgezeichneter Form ist, wird Pogacars rechte Hand, je näher das Finale rückt. Nils Politt, der ebenfalls mit unterwegs war, dürfte bis zum Wald von Arenberg UAE-Leutnant sein.
Van der Poel hält sich mit öffentlichen Daten zurück, war auch erst am Freitag zur Streckenbesichtigung unterwegs. Mit Blick aufs Team steht er Pogacar aber in nichts nach. Mit Jasper Philipsen hat auch er einen Fahrer an seiner Seite, der in Roubaix schon Zweiter war – genau wie Politt und Vermeersch. Ohne ihre übermächtigen Kapitäne könnten alle drei selbst um den Sieg mitfahren.
Zudem wurde van der Poel mit Tibor del Grosso an seiner Seite gesichtet. Der Youngster hatte Roubaix ursprünglich nicht im Plan, kann aber ebenso eine große Verstärkung sein, auch wenn es seine erste Teilnahme wird.
Sollte Außergewöhnliches passieren und weder Pogacar noch van der Poel ganz vorne landen, hätten ihre Stellvertreter Vermeersch und Philipsen gute Karten, den Sieg abzustauben. Darüber hinaus gehören noch drei weitere Namen zum Kreis der Anwärter, die zuschlagen könnten, sollte beim Top-Duo irgendetwas schiefgehen. Es sind auch in diesem Fall die üblichen Verdächtigen.
Nach seiner Performance bei der Flandern-Rundfahrt ist da einerseits Mads Pedersen (Lidl – Trek), der gezeigt hat, dass es mit seiner Formkurve immer weiter bergauf geht und dass jeder Tag, jedes Rennen zurück zur Bestform nach Sturz führt. Genau wie Filippo Ganna (Ineos Grenadiers), der ein unglaubliches Dwars door Vlaanderen gefahren ist – und gewonnen hat - kommt ihm das Fehlen der Anstiege zu Gute, die in Flandern noch im Weg standen.
Und dann ist da noch Wout van Aert (Visma – Lease a Bike), der ebenfalls Form nachgewiesen hat und bereit für den großen Wurf wäre.
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