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22.04.2026 | (rsn) – Dass Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) aktuell der vielleicht beste Fahrer ist, wenn es bergauf geht, hat der Franzose zuletzt mehrfach nachgewiesen. Beim 90. Flèche Wallonne (1.UWT) kam der Franzose nun auch mit Besonnenheit um die Ecke. Vor zwei Wochen wäre er die Mur de Huy vielleicht noch mit Vollgas in den Schlussanstieg hinein geknallt. Nun wartete er bis 200 Meter vor dem Ziel mit seinem Sprint, mit dem er Konkurrenz aber ebenfalls abstellte. Mit seinen 19 Jahren ist Seixas der jüngste Sieger in der Geschichte des Wallonischen Pfeils.
Drei Sekunden hinter dem Jungstar, der nicht bis zur Ziellinie durchziehen musste, war der Kampf um Rang zwei spannender. Der Schweizer Meister Mauro Schmid (Jayco – AlUa) entschied ihn vor dem Briten Ben Tulett (Visma – Lease a Bike) und dem Franzosen Benoit Cosnefroy (UAE – Emirates – XRG) für sich. Der Däne Mattias Skjelmose wurde für Lidl – Trek Fünfter.
Der Australier Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) fuhr am Hinterrad seines Teamkollegen Jan Tratnik zwar vorne in die Mur hinein, wurde aber noch bis Rang 33 durchreicht. Die deutschen Profis spielten ebenfalls keine Rolle. Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) war vor dem finalen Anstieg noch für seinen Kapitän Lennert Van Eetvelt da, doch der Belgier schaffte es auch nicht in die Top 20.
Genau 200 Kilometer lang war der Flèche, der in diesem Jahr in Herstal startete. Seixas war das erste Mal dabei. “Es ist unglaublich. Früher habe ich dieses Rennen im Fernsehen verfolgt und jetzt gewinne ich hier“, sagte er im Siegerinterview. “Der lokale Parcours war ziemlich schwer. Ich habe versucht, so oft wie möglich am Hinterrad anderer zu fahren, um Energie zu sparen. Ich wusste, dass ich an der Mur ganz vorn fahren und das Tempo bestimmen muss. Ich habe ein hohes Tempo angeschlagen und mich ab und zu umgeguckt, um zu sehen, wie es dem Rest geht. Ich sah, dass sie am Limit waren. Ich weiß, dass ich stark bin, wenn es schwierig ist.“
Stark präsentierte sich auch der 26-jährige Schmid, der aber in der entscheidenden Phase wie alle anderen machtlos gegen Seixas war. “Decathlon hat das Rennen an den Anstiegen schwer gemacht, das kam Seixas natürlich entgegen. Mir liegt das aber ebenfalls, weil man nicht so um die Positionen kämpfen muss. Als er antrat, musste ich kurz warten und meine Beine wiederfinden. Letztendlich hatte ich aber noch ein paar Reserven, um gut bis ins Ziel zu kommen. Aber eine direkte Antwort hatte ich einfach nicht“, erkannte der Schweizer die Überlegenheit seines Kontrahenten im Ziel-Interview an.
Seixas tritt mit seinem Sieg an der Mur in die Fußspuren von Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG), der 2025 an der Mur gewonnen hatte. Am kommenden Sonntag kommt es bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (1. UWT) dann zum großen Duell zwischen den beiden aktuellen Überfliegern am Berg.
Sechs Fahrer, angeführt von Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), bildeten die Gruppe des Tages und machten sich unmittelbar nach dem Start auf ihren langen Weg. Lange Zeit lag ihr Vorsprung bei rund drei Minuten. Als bei Rennhälfte der drei Mal zu absolvierende Rundkurs erreicht wurde, waren davon noch zwei übrig.
Nach der ersten Überfahrt der Mur de Huy musste in Vincent Van Hemelen (Flanders – Baloise) der erste Ausreißer passen, das Feld war 1:20 Minuten später oben. Danach wurde es kurz hektisch, alles blieb letztlich aber beisammen und die Situation beruhigte sich schnell wieder.
Bevor es zum zweiten Mal die berühmte Mur hochging, stürzten mit Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und Finn Fisher-Black (Red Bull – BORA – hansgrohe) zwei Fahrer aus dem erweiterten Favoritenkreis. Nach viel Hin und Her schaffte es zumindest der Norweger nach der zweiten Überquerung der Mur wieder ins Feld. Die Spitzengruppe hatte sich dort zerlegt, Leknessund und Jardi Christiaan van der Lee (EF Education – EasyPost) verteidigten zunächst noch gut 40 Sekunden auf das Feld.
Das Streckenprofil des 90. Flèche Wallonne | Foto: Veranstalter
Zwar kamen Sjoerd Bax (Pinarello – Q36.5) und Jakob Otruba (Caja Rural – Seguros RGA) nochmal zurück, als es dann zum letzten Mal über die Cote d’Ereffe ging, fiel wieder alles auseinander. Leknessund war in der Folge mit 30 Sekunden Vorsprung aufs Feld letzter Ausreißer. Hinten stürzten weitere Fahrer, unter anderem Marc Hirschi (Tudor).
Leknessund schaffte es noch bis Kilometer sieben vor dem Ziel, ehe seine lange Flucht beendet war. Nun übernahm Red Bull mit Jan Tratnik und Jai Hindley nochmal das Kommando, war dann aber schnell wieder durchgereicht, als es Ernst wurde.
Seixas, Schmid und Tulett bildeten mitten in der Mur und 500 Meter vor dem Ziel die erste Reihe, alle Fahrer dahinter wirkten bereits geschlagen. Seixas erhöhte dann erneut das Tempo, was auch den Schweizer und den Briten an ihre Grenzen brachte. Seinen Sprint setzte der Topfavorit dann 200 Meter vor dem Ziel an. Seixas musste nicht bis zum Ende durchziehen, um souverän jubeln zu können.
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