“Konnte mich hier um einiges verbessern“

Lipowitz unterstreicht Status als Zweitbester in der Romandie

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Lipowitz unterstreicht Status als Zweitbester in der Romandie "
Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) überzeugt auch bei der Tour de Romandie. | Foto: Cor Vos

02.05.2026  |  (rsn) – Einen Kilometer vor dem Gipfel des Jaunpasses war dann Schluss. Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte dem Tempo von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) nicht mehr folgen. Der Weltmeister und Gesamtführende der Romandie-Rundfahrt ließ seinen Konkurrenten in gewohnter Art fast spielerisch stehen.

Für den Deutschen bot die  4. Etappe der Tour de Romandie (2.UWT) dennoch viel Positives: Die Erkenntnis verfestigte sich, dass Lipowitz der klar zweitstärkste Fahrer dieser Rundfahrt ist. Der Beste vom Rest – hinter dem “Außerirdischen“. Und der Abstand nach hinten war deutlich größer als der nach vorne. Bis zur Passhöhe und in der folgenden Abfahrt zum Ziel nach Charmey betrug der Abstand nie mehr als 25 Sekunden. Im Ziel waren es sogar nur 14 – zum drittplatzierten Pablo Castrillo (Movistar) betrug der Vorsprung von Lipowitz aber satte 1:28 Minuten.

Auch Pogacar sah den Deutschen als echten Konkurrenten auf dieser Königsetappe der Romandie-Rundfahrt: “Die Gegner waren heute sehr stark. Es war sehr schwer, Florian am Ende abzuhängen“, sagte der Slowene im Sieger-Interview. “Er war sehr stark. In der Abfahrt hat er es mir nicht leicht gemacht, denn der Abstand blieb immer konstant. Es war heute definitiv nicht einfach.“

Lipowitz: “Habe mich von Rennen zu Rennen gesteigert“

Der so Gelobte war als einziger Fahrer in der Lage gewesen, Pogacar für seinen dritten Etappensieg bei dieser Rundfahrt wirklich arbeiten zu lassen. Das wird am Ende nicht mit einer Medaille und Blumen auf dem Podium belohnt, dürfte aber für die Zukunft sehr viel Selbstvertrauen geben.

“Ich habe mich den ganzen Tag über gut gefühlt“, sagte Lipowitz am Eurosport-Mikrofon. “Der Plan war, so lange wie möglich an Pogi dranzubleiben. Am letzten Kilometer im Anstieg war ich dann völlig am Limit. Ich konnte nicht mehr tiefer gehen und habe versucht, für mich ein Tempo zu finden. Ich denke, er (Pogacar) weiß, dass ich nicht der explosivste Fahrer bin. Ich bevorzuge ein konstantes Tempo. Er hat am letzten Kilometer versucht, mich abzuhängen, und das hat für ihn gut funktioniert. Aber wie ich schon gesagt habe, bin ich sehr glücklich mit dem heutigen Tag", kommentierte er seinen zweiten Platz.

In der Gesamtwertung ist Lipowitz nun auf dem besten Weg – auch wenn noch eine sehr schwere Bergetappe nach Leysin ansteht – seine Topserie bei einwöchigen Rundfahrten fortzusetzen. Genau vor zwei Jahren ging in Leysin sein Stern als Rundfahrer mit dem zweiten Platz hinter Richard Carapaz auf. 

Am Ende wurde Lipowitz Dritter in der Gesamtwertung. 2025 folgten Platz zwei bei Paris-Nizza, Rang vier bei der Baskenland-Rundfahrt und Platz drei bei der Dauphiné-Rundfahrt. In dieser Saison lautet die Rundfahrt-Bilanz: Dritter bei der Katalonien- und Zweiter bei der Baskenland-Rundfahrt.

“Ich habe mich in diesem Jahr von Rennen zu Rennen gesteigert“, sagte Lipowitz. “Die Vorbereitung auf Catalunya war nicht perfekt. Mit den Rennen konnte ich mich um einiges verbessern. Ich freue mich aber auch schon auf eine Rennpause nach der Tour de Romandie", blickte der 25-Jährige voraus.

Lipowitz verbessert seine Position im eigenen Team

In diesem Frühjahr konnte Lipowitz auch innerhalb des eigenen Teams  Werbung für sich  machen. Der Tour-Dritte von 2025 galt zu Beginn der Saison als Teil eines dreiköpfigen Leader-Teams um Neuzugang Remco Evenepoel und Primoz Roglic. Mit beiden bestritt der Deutsche Rundfahrten, in Katalonien war er klar stärker als der Belgier - gleiches galt im Vergleich zu Roglic im Baskenland und nun in der Romandie.

Für einen Fingerzeig in Richtung Kapitänsrolle bei der Tour de France im Juli ist es Anfang Mai noch zu früh, auch Teamchef Ralph Denk schob im RSN-Interview diese Frage weit von sich. Aber die bisherigen Ergebnisse werden in der Bewertung natürlich eine Rolle spielen, zumal sie zeigen: Lipowitz hat seine Hausaufgaben gemacht – und die hochdekorierten Stars Roglic und Evenepoel in die Rollen als Edelhelfer verdrängt.

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