RSNplusVon Null auf Tour-de-France-Sieg 2028

Äthioperin Tsige Kiros Kahsay verblüfft mit Talent und Ambition

Von Tom Mustroph aus Orlova

Foto zu dem Text "Äthioperin Tsige Kiros Kahsay verblüfft mit Talent und Ambition"
Zumindest schon mal an der Spitze des Gracia-Pelotons: Tsige Kiros Kahsay | Foto: Gracia Orlova / J. Vaishar

03.05.2026  |  In den Ergebnislisten schlägt sich das Talent des Teenagers aus dem äthiopischen Hochland noch nicht so recht nieder. Platz 30 auf der Königsetappe der Rundfahrt Gracia Orlova in Tschechien mit knapp zwei Minuten Rückstand hinter Siegerin Emily Dixon war das bislang wertvollste Resultat. “Wir dürfen nicht vergessen, es ist ihr erstes Etappenrennen in einem Elitepeloton überhaupt“, ordnet ihre sportliche Leiterin Malgorzata Jasinka gegenüber RSN die Leistung ein. Und sie streicht heraus: “Auf der Etappe legte sie am letzten Berg ein sehr hohes Tempo vor. Das war eine sehr gute Arbeit für Emilys Sieg.“ Dixon, die Matadorin dieser Rundfahrt mit zwei Etappensiegen gleich zum Auftakt, und Tsige Kiros Kahsay sind Teamkolleginnen. ___STEADY_PAYWALL___

Dixon, die über ihren Erfolg bei der Zwift Academy 2024 in das Development Team von CANYON//SRAM zondacrypto kam, wuchs gewissermaßen mit Fahrradfahren in der Familie auf. “Meine Familie ging am Wochenende oft campen. Unsere Räder waren immer dabei. Ich muss zugeben, als Kind mochte ich das nicht immer. Es war definitiv eine Hass-Liebe-Beziehung am Anfang. Aber zurückblickend bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich immer dazu ermunterten. Und so verwandelte der anfängliche Frust sich in eine lebenslange Liebe“, beschrieb die Australierin auf der Plattform Medium ihren Werdegang. Über den Gesamtsieg in Tschechien konnte sie sich am Ende aber trotzdem nicht freuen. Die letzte Etappe musste sie im Trikot der Führenden mit Magenproblemen vorzeitig aufgeben.

Kahsay hingegen, die aus einer Bauernfamilie im Hochland von Tigray stammt, begann mit dem Radfahren auf Leihrädern, bevor sie von ihrem ersten Team erstmals ein eigenes bekam. Auf dem leistete sie dann Verblüffendes, gewann etwa vier von fünf Etappen der heimischen Tour Tigrai Women und wurde als jüngste Teilnehmerin der Tour de l’Avenir beachtliche Gesamt-22. Bei der WM in Ruanda sorgte sie mit Platz 7 im Juniorinnenrennen für das interessanteste Ergebnis von Sportlerinnen und Sportlern des Gastgeberkontinents.

Optimistisches Ziel gesetzt: 2028 soll der Sieg bei der Tour de France her

Durch den Vertrag mit Canyon – SRAM - zondacrypto Generation ist sie nach Leipzig gezogen. Dort hat sie drei Mal die Woche Englischunterricht, was die Kommunikation mit ihr definitiv vereinfacht, wie die sportliche Leiterin Jasinska RSN sagt. “Viel Zeit verbringt sie aber auch in Teamtrainingslagern in Girona“, erzählt die Polin. Kahsay selbst konstatiert mit leiser Stimme, dass das Training härter geworden sei und natürlich auch die Wettkämpfe. “Die Etappen sind länger, das Peloton ist größer“, nennt sie gegenüber RSN die wichtigsten Unterschiede. Sich gut positionieren lernen im Feld gehört daher zu den zentralen Lektionen in ihrem ersten kompletten Jahr auf Kontinental-Niveau.

Jasinska, in ihrer aktiven Karriere mehrfache polnische Meisterin und auch Gesamtsiegerin des Giro della Toscana Femminile, prognostiziert jedenfalls eine leuchtende Zukunft für ihren Schützling. “Ich bin sehr optmistisch, was ihren Werdegang angeht. Sie muss aber nicht jetzt schon der große Star sein, sondern erst in drei Jahren. Stetiges Wachstum ist wichtig“, sagt sie.

Schon jetzt aber ist sie vom Potenzial überzeugt. “Sie ist die beeindruckendste Fahrerin, die ich jemals sah. Ihre Leidenschaft für den Radsport ist enorm. Sie setzt sich hohe Ziele, denkt immer darüber nach, wie sie sich verbessern kann.“

Selbst fasst Kahsay ihre Ziele so zusammen: “In dieser Saison lernen, wie man sich gut und Kraft sparend im Peloton bewegt. Im nächsten Jahr selbst die ersten Rennen gewinnen. Und 2028 dann die Tour de France Femmes.“ Von diesem ihrem Traum erzählte sie RSN schon am Rande der WM in Ruanda Sie erntete ungläubiges Staunen. Über das Gesicht der sportlichen Leiterin Jasinska huscht ein Lächeln, als Kahsay das erneut ausspricht. Sie sagt aber auch: “Ich denke, es ist gut, sich hohe Ziele zu setzen und an sich selbst zu glauben. Sie hat jedenfalls die Mentalität, das zu erreichen.“ Und der Kopf, das wissen inzwischen auch die Letzten im Beinsport auf Karbongeräten, spielt eine beträchtliche Rolle, wenn es um Leistungen und Resultate geht.

Die Reise von Tsige Kiros Kahsay hat gerade erst angefangen. Sie hat sie nach Leipzig und Girona geführt, zu Rennen nach Italien, Belgien und Tschechien. All diese Erfahrungen müssen verdaut und verarbeitet werden, neben den Trainingsumfängen, dem sich Bewegen in einer anderen Sprache und im Austausch mit neuen Kulturen. In dem allerdings gibt es eine Konstante: das Rad. Und damit weiß diese junge Frau bereits extrem gut umzugehen.

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