Gesamtsechster im Windschatten von Lipowitz

Red-Bull-Talent Tuckwell überzeugt bei Romandie-Premiere

Von Christoph Matt

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Luke Tuckwell fuhr bei der Tour de Romandie zum ersten Mal in die Top 10 der World Tour. | Foto: Cor Vos

04.05.2026  |  (rsn) – "Was ist wichtiger: Top 5 oder vor Luke Plapp (Jayco - AlUla) zu sein?", wurde Luke Tuckwell (Red Bull - Bora - hansgrohe) vor der Schlussetappe der Tour de Romandie (2.UWT) von CyclingPro.net gefragt. Lachend zog der australische Youngster die Top 5 dem Sieg gegen seinen Landsmann vor. Vergönnt war ihm beim Finale der sechstägigen Rundfahrt aber beides nicht. Zeitgleich fuhren die beiden Australier ins Ziel und damit hielt sich Plapp eine Sekunde vor dem 21-Jährigen auf dem fünften Gesamtrang. Große Enttäuschung dürfte bei Tuckwell über den sechsten Platz trotzdem nicht geherrscht haben.

Immerhin bestreitet er nach seinem Wechsel aus der hauseigenen Nachwuchsschmiede Red Bull - Bora - hansgrohe Rookies in diesem Jahr seine erste Saison in der obersten Liga des Radsports. In der Schweiz gelang ihm nun bereits zum ersten Mal ein Top-10-Ergebnis bei einer WorldTour-Rundfahrt.

“Es ist richtig cool, so eine neue Erfahrung. Ich habe diese Jungs so viele Jahre im Fernsehen gesehen. Jetzt tatsächlich mit ihnen Rennen zu fahren und nicht nur dabei zu sein, sondern vorne mitzumischen, das ist schon ziemlich cool”, wurde Tuckwell anschließend auf den Social-Media-Kanälen seiner Mannschaft zitiert.

Gerade die Tatsache, dass er bis zum letzten Tag vorne mitfahren konnte, ist mindestens bemerkenswert, wenn nicht überraschend. Die Tour de Romandie (2.UWT) zeigte sich in diesem Jahr mit einem durchaus anspruchsvollen Parcours. Tuckwell präsentierte sich über die fünf Etappen plus Prolog nicht nur konstant, er zeigte auch Kletterstärke, die er bereits im Vorjahr mit Rang zwei im Gesamtklassement des Giro Next Gen angedeutet hatte.

Auch als er auf der vorletzten Etappe kurz abgehängt wurde, geriet der Jungprofi nicht in Panik: “Gestern war ein harter Tag, ich habe im Anstieg wirklich zu kämpfen gehabt, bin aber mein Tempo gefahren. Am Schluss habe ich nur 20 Sekunden verloren und bin in der Abfahrt wieder zurückgekommen”, resümierte er mit Blick auf den wohl schwersten Tag der Woche, an dem es drei Mal aus allen möglichen Richtungen über den steilen Jaunpass ging.

Obwohl er als Helfer eingeplant war, konnte Tuckwell ziemlich frei auf eigene Rechnung fahren. “Florian Lipowitz ist offenbar recht nahe an Pogacar dran. Aber wenn er attackiert, kann ich Lipo nicht besonders viel helfen. Es ist also eine gute Situation, in der ich auch selbst fahren kann. Wenn Lipo jedoch meine Hilfe braucht, bin ich natürlich bereit. Wenn nicht, fahre ich um die Top 5”, erklärte er am Start der letzten Etappe seine Rolle.

Dass für ihn am Ende nur eine Sekunde zu den Top 5 fehlte, hieß gleichzeitig also auch, dass Lipowitz vorne nicht ins Straucheln kam. Der Deutsche wurde Zweiter und so konnte auch der Australier bis zum Schluss auf eigene Kappe fahren. Und so gab es für Red Bull – Bora - hansgrohe einen weiteren Beleg dafür, dass die eigene Nachwuchsarbeit funktioniert.

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