Blasi starke Zweite auf 6. Vuelta-Etappe

Van der Breggen triumphiert am “Mini-Angliru“ und erobert Rot

Von Matthias Seng

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Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) hat die 6. Etappe der Vuelta a Espana gewonnen. | Foto: Cor Vos

08.05.2026  |  (rsn) – Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) hat mit ihrem Sieg auf der 6. Etappe der 12. Vuelta Femenina (2.WWT) das Rote Trikot von ihrer Teamkollegin Lotte Kopecky übernommen und geht nun als Gesamtführende in das große Finale am Samstag, das am berühmtem Angliru endet.

Die 36-jährige Niederländerin setzte sich über 106 Kilometer von Gijon zur Bergankunft in Les Praeres mit einem beeindruckenden Auftritt am bis zu 20 Prozent steilen Schlussanstieg mit acht Sekunden Vorsprung auf die 13 Jahre jüngere Spanierin Paula Blasi (UAE – Team ADQ) durch und feierte ihren ersten Sieg seit fast genau einem Jahr. Damals hatte sie die 4. Etappe der Spanien-Rundfahrt für sich entscheiden können.

Mit 29 Sekunden Rückstand wurde die 21-jährige Französin Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) am "Mini-Angliru" starke Dritte vor ihrer Landsfrau Juliette Berthet (FDJ United – Suez / +0:36) und der Italienerin Monica Trinca Colonel (Liv – AlUla – Jayco / +0:36).

“Es war ein wirklich harter Tag. Einen Anstieg wie diesen – ich glaube, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen“, sagte van der Breggen im Ziel. “Die Mädels haben sich den ganzen Tag über um mich gekümmert. Zu Beginn des Rennens fühlte ich mich eigentlich gar nicht so gut, da ich den Sturz von gestern noch immer spürte; doch es lief stetig besser. So hatte ich am Ende das Vertrauen, dass ich wieder ganz normal würde fahren können. Es so zu beenden – darüber bin ich unglaublich glücklich.“

Der Schlussanstieg gab im strömenden Regen einen Vorgeschmack auf das, was die Vuelta-Starterinnen am Samstag am Angliru erwarten wird. Van der Breggen übernahm schon im unteren Teil die Spitze und gab sie nicht mehr her, auch wenn die nie aufsteckende Blasi zwischenzeitlich die Lücke wieder schließen zu können schien.

“Der Anstieg war etwas Besonderes. Er begann steil und er endete steil. Ich habe einfach versucht, ein gutes Tempo zu finden. Man muss sich die Kräfte gut einteilen, aber heute war der Anstieg auch nicht allzu lang – morgen wird er deutlich länger sein“, blickte van der Breggen schon auf die abschließende Königsetappe dieser Spanien-Rundfahrt voraus.

Niewiadoma-Phinney und Ferrand-Prévot chancenlos

Zu den Verliererinnen des Tages zählten die Tour-de-France-Siegerinnen der beiden vergangenen Jahre: Die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) wurde mit 1:09 Minuten Rückstand nur Zehnte, vor allem nüßte Bunels Teamkollegin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) Zeit ein. Sie wurde schon früh im knapp vier Kilometer langen aber im Schnitt 13 Prozent steilen Schlussanstieg abgehängt und kam erst 2:06 Minuten hinter van der Breggen ins Ziel.

Beste deutsche Fahrerin war Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek / +1:32) auf Rang 16, Liane Lippert (Movistar / +3:31) belegte den 30. Platz.

Im Gesamtklassement rückte van der Breggen vom fünften auf den ersten Platz vor und hat nun 18 Sekunden Vorsprung auf Blasi, die neun Positionen gut machte. Bunel (+0:41) machte einen Sprung vom 25. auf den dritten Rang, auf den weiteren Plätzen folgen die Französin Evita Muzic (FDJ United – Suez / +0:59) und Niewiadoma-Phinney (+1:25). Bauernfeind (+1:48) verbesserte sich auf Gesamtrang zehn.

Zwar musste Kopecky nach zwei Tagen das Rote Trikot abgeben, doch behauptete die Belgierin ihre Führung in der Punktewertung vor der Deutschen Meisterin Franziska Koch (FDJ United – Suez). Van der Breggen rückte auch an die Spitze der Bergwertung, Bunel übernahm die Spitzenposition in der Nachwuchswertung von der Belgierin Lore De Schepper (AG Insurance – Soudal).

So lief die 6. Etappe der Vuelta Femenina:

Nach fünf Tagen, an denen die schnellen Frauen zum Zuge kamen, stand die erste Bergetappe dieser Spanien-Rundfahrt an. Auf den nur 106 Kilometern ging es zunächst parallel zur Küste, ehe die Strecke über welliges Terrain ins Landesinnere zum nur 3,9 Kilometer langen, dafür im Schnitt aber fast 13 Prozent steilen Schlussanstieg führte.

Ohne Natalie Quinn (Mayenne Monbana My Pie) und die am Vortag gestürzte Marthe Goossens (AG Insurance - Soudal) begann die vorletzte Etappe dieser Spanien-Rundfahrt. Nach rund fünf Kilometern setzten sich Quinns Teamkollegin Allionne, Gaia Masetti (Picnic - PostNL), Sterre Vervloet (Lotto - Intermarché Ladies), und Elisa Valtulini (Vini Fantini - Bepink) ab und fuhren sich einen Maximalvorsprung von rund fünf Minuten heraus.

Aniek van Alphen (Fenix - Premier Tech) und Léa Rondel (Mayenne Monbana My Pie), mit 19 Jahren die jüngste Fahrerin der Vuelta 2026, versuchten vergeblich, die Lücke zum Spitzenquartett zu schließen. Dagegen reduzierte das Feld den Rückstand planmäßig.

Kurz vor dem Zwischensprint zog Koch mit der gestrigen Etappensiegerin Mischa Bredewold (SD Worx – Protime) davon und die schnappte sich 23 Kilometer vor dem Ziel als Fünfte noch zehn Punkte vor Koch, die leer ausging und deshalb in der Punktewertung ihren Rückstand gegenüber Bredewolds Teamkollegin Kopecky nicht reduzieren konnte. Kurz darauf waren die beiden wieder im Feld verschwunden, das wiederum nur noch eine Minute hinter der Spitze lag.

Das Streckenprofil der 6. Etappe der Vuelta Femenina | Foto: Veranstalter

Dort konnte nur Vervloet einer Attacke von Masetti folgen, doch elf Kilometer vor dem Ziel wurden auch die beiden letzten Ausreißerinnen gestellt, weil das Feld nun in der unmittelbaren Anfahrt auf den Schlussanstieg das Tempo massiv erhöhte. Bei einsetzendem Starkregen fiel es dann schon an einer Steigung vor dem “Mini-Angliru“ auseinander – auf der Strecke blieben unter anderem auch Kopecky und Koch.

Visma – Lease a Bike führte die nur noch rund 40-köpfige Kopfgruppe in den knapp vier Kilometer langen Berg hinein, wo Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) früh in die Offensive ging. Doch es war kurz darauf van der Breggen, die mit beständig hohem Tempo an der Spitze die Gruppe schnell ausdünnte. In den bis zu 20 Prozent steilen Passagen konnten letztlich nur noch Blasi, Bunel und Berthet der Vuelta-Vorjahresdritten folgen, wogegen Ferrand-Prévot und dann auch Niewiadoma-Phinney den Anschluss verloren. Eingangs der letzten 2,5 Kilometer schüttelte van der Breggen auch ihre letzten Begleiterinnen ab, nur Blasi konnte mit Abstand folgen. Den aber verkürzte die Amstel-Gold-Siegerin dann allmählich wieder und auch Bunel ließ sich nicht völlig abschütteln.

Blasi sah auf den letzten 1,5 Kilometern van der Breggen zwar ständig vor sich, ohne aber der Niederländerin noch gefährlich werden zu können. So erreichte van der Breggen acht Sekunden vor der Spanierin das Ziel und sicherte ihrem Team den dritten Tagessieg in Folge, mit dem sie zugleich das Rote Trikot von Kopecky übernahm.

Bunel wurde vor ihrer Landsfrau Berthet überraschende Dritte und stellte damit ihre Kapitänin Ferrand-Prévot deutlich in den Schatten.

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