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13.05.2026 | (rsn) - “Es ist fantastisch. Für uns ist das Rosa unglaublich gut.“ Aart Vierhouten, Sportlicher Leiter bei Bahrain Victorious, strahlte nach der 5. Etappe des Giro d’Italia. Dabei hatte sein Fahrer Afonso Eulalio im Finale des Rennens gleich zweimal wie der sichere Sieger ausgesehen, um letztendlich mit Rang zwei hinter Igor Arrieta (UAE - Emirates - XRG) zufrieden sein zu müssen.
Doch für den Portugiesen ist das Rosa Trikot auch ohne Tagessieg der größte Erfolg seiner Karriere, die nach fünf Jahren im KT-Bereich erst 2025 bei den Berufsradfahrern begann. Bereits da war er als Neoprofi beim Giro dabei, auf der 17. Etappe erreichte der Kletterer aus einer Gruppe heraus den zehnten Platz, das Ziel in Rom sah Eulalio nicht. Seine persönliche Grand-Tour-Bestleistung verbesserte der 24-Jährige schon am Dienstag. ___STEADY_PAYWALL___
“Gestern ist Afonso in eine neue Dimension vorgestoßen, als er herausgefunden hat, dass er Sechster einer 40-köpfigen Gruppe werden kann. Er hat angefangen zu glauben, was wir schon vorher wussten“, blickte Vierhouten auf die schwere 4. Etappe zurück. “Die Etappe heute hatten wir schon vor der gestern für ihn angekreuzt. Es war kein Zufall, dass er vorn dabei war“, fügte der ehemalige Rabobank-, Lotto- und Skil-Profi an.
Und so war Eulalio schon auf den ersten Metern äußerst aktiv, dem schlechten Wetter zum Trotz. “Letztendlich ist die Gruppe da schon weggefahren und so wurde es eine höllische Etappe – für die vorn, aber auch für die hinten. Es war kalt, es hat geregnet und zwischendurch sogar große Körner gehagelt“, erzählte Vierhouten.
Von der schweren Etappe gezeichnet: Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) im Ziel der 5. Giro-Etappe | Foto: Cor Vos
Sein Schützling hielt mit zwölf Begleitern dem Druck von Lidl-Trek stand, das deutsche Team wollte das Rosa Trikot von Giulio Ciccone verteidigen. Als die Helfer des Italieners verbraucht waren, probierte mit Red Bull – Bora – hansgrohe die zweite deutsche Mannschaft, den Ausreißern einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Auch dieses Unternehmen schweiterte und so konnten die Ausreißer an den Tagessieg denken. Arrieta attackierte zuerst, Eulalio holte den Spanier ein. Und was dann geschah, darf man durchaus als “Wahnsinn“ bezeichnen. “Es ist fantastisch, was im Finale passiert ist. Der arme Kerl ist gestürzt und wir dachten ‘Oh nein!‘“, meinte Vierhouten mit Blick auf den Crash der UAE-Fahrers. “Wir konnten aber nicht anhalten, wir mussten weiterfahren und haben das mit Vollgas gemacht."
Eulalio schien dem Sieg entgegenzufahren; er lag mehr als 30 Sekunden vor seinem ersten Verfolger, der nach seinem Sturz auf den spiegelglatten Straßen zunächst unsicher wirkte. Dann aber berappelte Arrieta sich und startete seine Aufholjagd, die durch den Sturz des Spitzenreiters begünstigt wurde. “In der letzten Kurve der Abfahrt ist auch Afonso weggerutscht. Es war so glatt in den Kurven…mama mia!“, ärgerte sich Vierhouten.
Im Ziel gratulierte der Portugiese Etappensieger Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG), der auf den letzten Metern noch an ihm vorbeigezogen war. | Foto: Cor Vos
“Im Finale wäre es ohne Crash natürlich besser gelaufen. Es war superhart, das Wetter, die Anstiege. Ich habe mich zeitweise schon sehr mies gefühlt, ich denke, es wird aber heute allen so gegangen sein“, sagte Eulalio selbst im Flash-Interview. Wie sein Sportlicher Leiter war auch er überglücklich – nachdem er wieder aufgewärmt worden war.
Wie mies es ihm im Finale ging, wurde deutlich, als Arrieta sich 2100 Meter vor dem Ziel versteuerte. Er schätzte eine Kurve falsch ein, bog in die verkehrte Straße ein, musste umdrehen, zurückfahren und wieder neu Geschwindigkeit aufnehmen. Bei dem Versuch, das zu tun, rutschte ihm bergauf sein Hinterrad weg und hadernd machte er sich auf die Verfolgung des erneut enteilten Eulalio. Und obwohl auch Arrieta am Ende seiner Kräfte war und es auf den letzten Metern nur leicht bergauf ging, holte er seinen Gegner 150 Meter vor dem Ziel ein – und nahm ihm dann sogar noch zwei Sekunden ab.
“Auf einer 205 Kilometer langen Etappe mit diesen Bedingungen kann man tausend Tode sterben. Und das ist dann auch passiert. Aber wir haben heute zwei tolle Sieger. Wir werden heute mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen und morgen den Rosa Traum leben“, gab sich Vierhouten aber versöhnlich.
Eulalio ist auch im Besitz des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers dieses Giro. | Foto: Cor Vos
Und dann wurde er noch emotional, als das Gespräch auf Gino Mäder kam. Der Schweizer, der bei der Tour de Suisse am 15. Juni 2023 tödlich verunglückte, hatte vor genau fünf Jahren im Trikot von Bahrain Victorious eine Giro-Etappe gewonnen.
“Ich war damals nicht einmal Mitglied des Teams, nur der Radsportfamilie. Manche Sachen passieren nicht ohne Grund. Ich hatte meinen Glücksstein heute in der Tasche“, sagte Vierhouten in Potenza gebrochener Stimme, als er seinen Glücksbringer zeigte: “Es ist schön. Es gibt keinen Tag, an dem das Team nicht an Gino denkt. Er ist jeden Tag bei uns. Das Rosa Trikot ist für viele Menschen – und ganz besonders für Gino.“