Geschwächtes UAE-Team trumpft beim Giro weiter auf

Narvaez stürmt in Fermo zu seinem zweiten Etappensieg

Von Marc Zeiringer

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Jhonatan Narvaez (UAE - Emirates - XRG) holt sich in Fermo seinen zweiten Giro-Etappensieg. | Foto: Cor Vos

16.05.2026  |  (rsn) – Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) hat beim 109. Giro d’Italia (2.UWT) zum zweiten Mal jubeln können. Der 29 Jahre alte Ecuadorianer entschied die 8. Etappe über 156 Kilometer von Chieti nach Fermo aus einer dreiköpfigen Ausreißergruppe heraus für sich und bescherte seinem nach Stürzen aus nur noch fünf Fahrern bestehenden Team den bereits dritten Tagessieg bei dieser Italien-Rundfahrt.

Mit 32 Sekunden Rückstand erreichte Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) das am Ende eines kurzen Anstiegs in der Altstadt von Fermo liegende Ziel. Den Norweger hatte Narvaez eingangs der letzten zehn Kilometer abgeschüttelt, nachdem sein Teamkollege Mikkel Bjerg zuvor für das Tempo in der Spitzengruppe gesorgt hatte.

Weitere zehn Sekunden hinter Leknessund belegte dessen Landsmann und Teamkollege Martin Tjotta den dritten Platz vor dem Uruguayer Guillermo Thomas Silva (XDS –Astana) und dem Italiener Lorenzo Milesi (Movistar).

“Es war eine schöne Etappe für mich. Der erste Teil war schwer, aber ich denke, wir haben es als Team gut gespielt. Mikkel Bjerg war fantastisch. Er war heute für mich der Mann des Tages“, lobte Narvaez im Ziel-Interview nach seinem insgesamt vierten Giro-Etappensieg den selbstlosen Bjerg, der nach getaner Arbeit auf Rang 16 mit 1:12 Minuten Rückstand das Ziel erreichte.

Leknessund bleibt trotz großem Kampf nur Rang zwei

Einen großen Kampf lieferte auf dem hügeligen Terrain auch der 1,86 Meter große Leknessund, der bis zur Ziellinie alles gab, aber gegen den deutlich kleineren und leichteren Narvaez chancenlos war. “Wir haben gut zusammengearbeitet. Aber Narvaez war am Ende stärker, was ich schon irgendwie erwartet hatte“, sagte der Uno-X-Profi im Ziel nach einem weiteren zweiten Etappenplatz bei einem Giro: Auf der 4. Etappe der Ausgabe von 2023 musste er sich Aurelien Paret-Peintre geschlagen geben, wurde damals aber mit dem Rosa Trikot belohnt.

Das war diesmal in unerreichbarer Ferne – dennoch war Leknessund zufrieden. “Ich kann nicht enttäuscht sein. Ich kann nicht sagen, dass ich nah am Sieg dran war. Mehr konnte ich nicht machen“, so der 26-Jährige, der sich auch über seinen Teamkollegen Tjotta freuen konnte: “Er hat den dritten Platz geholt. Das ist fantastisch.“

Die Klassementkandidaten um Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) sparten am Tag vor der zweiten Bergankunft dieses Giro Kräfte. Eulalio Afonso (Bahrain Victorious) versuchte es im ansteigenden Finale mit einer Tempobeschleunigung, die aber erfolglos blieb. Der Mann in Rosa büßte auf der Zielpassage sogar noch zwei Sekunden ein, als Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Topfavorit Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike)kurz die Muskeln spielen ließen.

Im Gesamtklassement liegt der Portugiese nun 3:15 Minuten vor Vingegaard und 3:34 Minuten vor dem Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM). Als Tagessechster rückte der Italiener Christian Scaroni (XDS – Astana / +4:18) auf den vierten Platz vor, gefolgt vom Red-Bull-Duo Hindley (+4:23) und Giulio Pellizzari +4:28), die jeweils eine Position einbüßten.

Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) verteidigte die Spitzenposition in der Punktewertung, Vingegaard bleibt auch im Besitz des Bergtrikots und Afonso in dem des besten Nachwuchsfahrers. Red Bull – Bora – hansgrohe wiederum behauptete die Führung in der Teamwertung.

So lief die 8. Etappe des Giro d’Italia:

Unmittelbar nach dem offiziellen Start der Etappe bewahrheitet sich die Vermutung vieler Experten, dass viele Mannschaften in der Ausreißergruppe vertreten sein wollten. Unzählige Attacken wurden in den ersten Rennminuten auf leicht ansteigender Straße lanciert. Mit Alberto Bettiol (XDS – Astana) und Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) setzten sich nach etwa zehn Kilometern zwei Italiener vom Feld ab.

An der Adriaküste nach etwa 25 Kilometern angekommen, lag das Duo mit knapp 30 Sekunden Vorsprung in Führung, währenddessen dahinter weiter munter attackiert wurde. Auch Fabio Christen (Pinarello – Q36.5) wollte einen Platz in der Ausreißergruppe ergattern, stürzte dann allerdings unglücklich und musste mit einer Schulterverletzung die Italien-Rundfahrt nach etwa 35 Kilometern beenden.

Bettiol und Ganna lagen weiterhin wenige Sekunden vor dem Peloton, wurden nach 55 Kilometern aber wieder eingeholt. Der Kampf um die Gruppe war aber keinesfalls vorbei, sondern entbrannte erneut mit aller Heftigkeit. Mit über 50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit fuhren die Profis Richtung Norden, als der Regen kurz vor der Hälfte des Rennens das erste Mal einsetzte.

Das Streckenprofil der 8. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

Kurz danach zerfiel das Peloton rund 65 Kilometer vor dem Ziel plötzlich in zwei Teile. Nach einer Tempoverschärfung des UAE-Duos Mikkel Bjerg und Jhonatan Narvaez, die gemeinsam mit Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) eine dreiköpfige Spitzengruppe bildeten, setzen sich weitere Fahrer vom restlichen Peloton ab. Visma – Lease a Bike neutralisierte diese Aktion dann aber schnell. So konnte das Spitzentrio seinen Vorsprung bis zur Sprintwertung auf rund eine Minute ausbauen, ehe sich dahinter erneut eine etwa 30 Mann große Verfolgergruppe formierte.

Am ersten kategorisierten Anstieg dieser Etappe nahmen die Teams der Klassementfahrer etwas Tempo heraus, womit der Rückstand zum Spitzentrio am Montefiore dell’Aso auf zwei Minuten anwuchs. Am Weg zur nächsten Bergwertung in Monterubbiano versuchten einige Fahrer vergebens zur Spitzengruppe aufzuschließen, doch das Trio fuhr sehr harmonisch und verteidigte den Vorsprung von einer Minute auf Verfolgergruppe.

Das Peloton hatte bereits 3:30 Minuten Rückstand auf die Spitze. Da Scaroni (+5:23) als im Klassement bestplatzierten Fahrer der Verfolgergruppe dem Rosa Trikot deutlich näher gekommen war, übernahm Bahrain Victorious schließlich die Tempoarbeit im Peloton, das danach wieder näher herankam. Dennoch deutete 15 Kilometer vor dem Ziel alles darauf hin, dass die Ausreißer nicht mehr eingeholt werden würden.

Zwölf Kilometer vor dem Ziel macht Narvaez den Unterschied

Am Capodarco-Anstieg zwölf Kilometer vor dem Ziel machte Narvaez dann den Unterschied. Er attackierte und setzte sich damit von Leknessund ab. Bjerg hatte bis hierher alles für seinen Teamkollegen gegeben und damit seine Arbeit erledigt. Leknessund dagegen gab alles und hielt sich nur einige Sekunden hinter dem Ecuadorianer. Doch an der brutalen letzten, bis zu 22 Prozent steilen Steigung baute Narvaez den Vorsprung wieder aus und feierte schließlich seinen zweiten Etappensieg bei diesem Giro.

In der großen Verfolgergruppe machte am Ende Tjotta den besten Eindruck. Er fuhr beinahe noch an seinen Landsmann heran und wurde hinter Leknessund Dritter. Im Kampf um das Rosa Trikot versuchte zunächst Eulalio nochmals Sekunden herauszuholen. Im Ziel holten dann aber Hindley und Vingegaard noch jeweils zwei Sekunden auf die übrigen Favoriten heraus.

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