RSNplusDritter UAE-Etappensieg beim Giro d‘Italia

Bjerg wird zum Helden der UAE-Renaissance

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Bjerg wird zum Helden der UAE-Renaissance"
Mikkel Bjerg (UAE - Emirates - XRG) soorgt mit seinem Tempo für die entscheidende Gruppe | Foto: Cor Vos

16.05.2026  |  (rsn) – Die Blumen (und das überdimensionierte Aperitif-Glas) für den Sieger: Jhonatan Narvaez hat in Fermo seine zweite Etappe bei diesem Giro d’Italia (2.UWT) gewonnen. Sein Dank und der des gesamten Teams UAE – Emirates – XRG ging direkt an Mikkel Bjerg, der diesen Erfolg mit seiner Leistung überhaupt erst ermöglicht hatte. Und der damit symbolisch für die beeindruckende Renaissance der Equipt bei dieser 109. Italien-Rundfahrt steht.

Es ist schon der dritte Tageserfolg für die Mannschaft. Und das, nachdem drei ihrer besten Fahrer, darunter der Kapitän für das Gesamtklassement, Adam Yates, nach dem folgenreichen Sturz auf der 2. Etappe ausgeschieden waren. Die fünf verbliebenen Fahrer und die Sportliche Leitung änderten die Strategie, die ebenso simpel wie aktuell erfolgsversprechend ist: Feuer frei. ___STEADY_PAYWALL___

Das kann in einem Kollektiv von Weltklassefahrern aber nur funktionieren, wenn sich jemand für die Arbeit nicht zu schade ist. Das war Bjerg während dieser 8. Etappe und der Däne freute sich daher über den Sieg seines Teamkollegen wie über einen eigenen. “Es war eine perfekte Etappe“, sagte er im Ziel am Eurosport-Mikrofon – was wohl kaum ein anderer Fahrer angesichts von Gegenwind und Höchsttempo behaupten dürfte.

Bjerg: “Fühlt sich wie ein persönlicher Sieg an“

“Ich hatte die Möglichkeit, einen Unterschied für das Team auszumachen“, sagte er weiter. “Wenn Jhonny (Narvaez) dann solche Beine hat, ist es relativ einfach. Er musste an einem Berg kurz auf mich warten, aber dann hatte ich 14 Kilometer Einzelzeitfahren vor mir, um eine ausreichend große Lücke für das Finale herzustellen. Für mich persönlich fühlt sich das heute wie ein Sieg an. Ich bin sehr stolz auf mich und habe versucht, diesen Tag zu genießen.“

Bjerg musste einen allerdings extrem harten Tag "genießen", wobei das Happy End mit Sicherheit geholfen hat. Erst zur Etappenmitte konnte sich eine Fluchtgruppe entscheidend vom Peloton absetzen. Die Anfahrt zur Küste war mit zum Teil heftigem Gegenwind verbunden, der es Ausreißern zusätzlich erschwerte. Dem dreimaligen U23-Zeitfahrweltmeister gelang es schließlich, gemeinsam mit Narvaez und Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) die entscheidende Selektion herzustellen.

Jhonatan Narvaez verwandelte die Vorarbeit von Mikkel Bjerg perfekt | Foto: Cor Vos

Der Däne war es auch, der maßgeblich für die Sicherung des Abstandes zu einer größeren Verfolgergruppe sorgte. “Der erste Teil war schwer, aber ich denke, wir haben es als Team gut gespielt. Mikkel Bjerg war fantastisch“ , sagte Narvaez im Siegerinterview. “Er ist immer weiter gefahren. Man sieht ihn oft im TV und er tut einfach eine Menge für das Team. Er war heute für mich der Mann des Tages.“

Matxin: “Wir könnten nicht stolzer auf ihn sein“

50 Kilometer vor dem Ziel begannen die Anstiege im Landesinneren auf dem Weg nach Fermo. Auch über die meisten dieser Hügel zog Bjerg seine Begleiter, bevor er Narvaez nach einer langen Führung durch ein Flachstück elf Kilometer vor dem Ziel passieren ließ. Der Ecuadorianer bedankte sich mit der nötigen Frische im zum Teil extrem steilen Finale, ließ Leknessund keine Chance und konnte in der Altstadt von Fermo erneut jubeln.

Auch die Sportliche Leitung wussten, bei wem sie sich für den erneuten Sieg bedanken konnte: “Wir könnten nicht stolzer auf ihn sein“, sagte Matxin Fernandez über Bjerg. “Das Team hat so viel Charakter und Einstellung bewiesen mit drei Etappensiegen bei nur noch fünf Fahrern. Es war sehr schwer, heute in diese Gruppe zu gelangen. Es gab 80 Kilometer lang verrückte Kämpfe zwischen den Fahrern. Wir sind sehr stolz auf die Gruppe und das Resultat.“

Einen Sieg für jeden ausgeschiedenen Fahrer konnten die UAE-Profis bei diesem Giro bereits einfahren. Narvaez kündigte im Interview an, dass noch einige mehr folgen könnten. Eine kühne Ansage für ein dezimiertes Team, aber die vergangenen Tage geben ihm Recht. Die verbliebenen Fahrer machten aus dem Unglück der Kollegen das Beste und ergriffen ihre Chancen mit beiden Händen.

Fünf sind übrig: Das Team UAE - Emirates - XRG beim Giro d'Italia. | Foto: Cor Vos

Nach den Erfolgen des Ecuadorianers und jenem von Igor Arrieta auf der 5. Etappe scharrt vor allem Jan Christen mit den Hufen, um die UAE-Ausbeute weiter auszubauen. Der Schweizer war ebenfalls in der Fluchtgruppe des Tages, zeigte sich während der gesamten ersten Woche Topform und hatte den Willen, alles auf Sieg zu setzen.

Im besten Fall kann sich der Youngster mit Bjerg zusammentun. Dann scheinen weitere UAE-Heldentaten möglich.

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