RSNplusSechster des Giro-Zeitfahrens: “Mental extrem hart“

Walscheid zieht nach “absolutem Psychospiel“ durchwachsenes Fazit

Von Kevin Kempf

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Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) beim Gir0-Zeitfahren | Foto: Cor Vos

19.05.2026  |  (rsn) – Bereits als vierter Starter rollte Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) auf der 10. Etappe des Giro d’Italia von der Rampe. Sowohl Matteo Malucelli (XDS – Astana) und Erlend Blikra (Uno-X Mobility) als auch Frank van den Broek (Picnic – PostNL) holte der Deutsche ein und kam so folgerichtig nach 42 Kilometern als Erster ins Ziel in Massa. Auf dem Hot Seat durfte er rund 32 Minuten sitzen, bis der überraschend starke Niederländer Sjoerd Bax (Pinarello – Q36.5) ihn ablöste. Am Ende reichte es mit 2:17 Minuten Rückstand auf Filippo Ganna (Netcompany - Ineos) zu Platz sechs.

Die topfebene Strecke war etwas für den 1,99 Meter großen Hünen, könnte man meinen, doch sehr positiv äußerte Walscheid sich gegenüber RSN und Eurosport im Ziel nicht über den Parcours und die Bedingungen, die er noch vorfand. “Mental war das heute extrem hart. Die lange Gerade zum Ziel hat ewig gedauert und es war ein absolutes Psychospiel, da die ganze Zeit drauf zu bleiben“, erzählte Walscheid. 

Vom Start in Viareggio ging es zunächst 8,5 Kilometer in den Süden nach Marina di Torre, dann auf der Gegenfahrbahn zurück. Von dort aus führt der Kurs circa 21 Kilometer schnurgerade an der Küste entlang. Lenken verboten; links das Tyrrhenische Meer; rechts der Blick auf den Apennin.

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Und gerade auf solchen Abschnitten macht der Wind grundsätzlich nie das, was der Sportler will. “Beim Recon heute Morgen stand der Wind ein bisschen besser, da war ein Ticken mehr Rückenwind, jetzt ist er ein bisschen auf die Seite gedreht. Aber okay“, so Walscheid. 

Und so fiel das Resümee des Deutschen durchwachsen aus. “Ehrlich gesagt bin ich so mittel zufrieden. Ich habe schon meinen Pacing-Plan eingehalten, aber ich wollte eigentlich ein bisschen mehr fahren“, verriet Walscheid und fügte an: “Aber wollen ist das eine und können ist das andere."

Einen Teil der Giro-Strecke "testete" Walscheid schon beim Zeitfahren von Tirreno-Adriatico, das er in Lido di Camaiore als Dritter beendete. | Foto: Cor Vos

Ein wenig besser hätte das Ergebnis bei besseren Bedingungen durchaus noch ausfallen können. “Ich bin ja ziemlich dreckig. In den ersten Kurven, in der ersten Hälfte des Rennens war es ein Riesennachteil, dass ich früh gestartet und komplett im Nassen gefahren bin“, urteilte der Lidl-Fahrer. Die Straßen trockneten nach dem Beginn des Zeitfahrens schnell ab und als die TV-Übertragung begann, war von Nässe schon fast nichts mehr zu sehen.

Bei Walscheid aber war das noch anders. “In den Kurven werde ich da schon einiges an Zeit verloren haben. Ich habe so sehr drauf gehofft, dass es trocken ist, aber ich kann es nicht ändern. Aber als ich von der Rampe runtergerollt und in die erste Kurve gefahren bin, habe ich gesehen, es ist nass und da wusste ich, okay, nach hinten raus Richtung Wald wird es nur noch schlimmer“, sagte er mit Blick auf den ersten Teil des Parcours. “Es war sehr suboptimal, aber ich kann es nicht ändern“, bilanzierte er weiter.

Walscheid (links) wird ab sofort wieder im Zug von Jonathan Milan (rechts) zu bewundern sein. | Foto: Cor Vos

So schloss Walscheid den Kampf gegen die Uhr ohne das ganz große Erfolgserlebnis ab. Aus dem Zeitfahranzug schlüpft er direkt wieder in die Rolle des Sprintvorbereiters. Da er bisher über das, was er abgeliefert hatte, durchaus glücklich. “Ich bin mit meiner eigenen Leistung sehr zufrieden und es macht auch Spaß, mit ihm zu fahren. Vom ersten Rennen bei der UAE Tour bis zum letzten Sprint hier beim Giro war ich immer an der Position, an der ich sein sollte“, blickte er zurück.

Mit einem Etappensieg, von denen Topsprinter Jonathan Milan 2024 bei seinem letzten Giro-Einsatz gleich drei einfuhr, klappte es bislang trotzdem noch nicht. Platz vier in Burgas zum Auftakt und Rang zwei am dritten Tag in Sofia stehen auf der Haben-Seite, zuletzt in Neapel war der Italiener in den Sturz in der letzten Kurve verwickelt. 

Doch noch gibt es keinen Grund zur Panik bei Walscheid und Lidl – Trek: “Der erste Etappensieg kommt beim nächsten Sprint", kündigte er mit einem Lächeln an.

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