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19.05.2026 | (rsn) – Bei Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat nach dem Einzelzeitfahren auf der 10. Etappe des Giro d’Italia (2.UWT) vor allem ein Gefühl überwogen: Erleichterung. "Ich wusste, dass ich heute leiden muss", erklärte der 22-jährige Italiener, der zwei Tage zuvor noch bei der Bergankunft am Corno alle Scale mit Magenproblemen zu kämpfen hatte. Nun sollen sich er und sein Co-Kapitän Jai Hindley Schritt für Schritt an die Spitze heranpirschen.
Der Kraftakt über 42 Kilometer zwischen Viareggio und Massa stellte Red Bull vor eine knifflige Herausforderung: Zum einen sind Pellizzari und Hindley keine ausgewiesenen Experten auf dem Zeitfahrrad. Zum anderen ging das Duo trotz des ersten Ruhetages im Rücken angeschlagen in die neue Woche. Pellizzari musste am Corno alle Scale im entscheidenden Moment abreißen lassen, auch der einstige Giro-Sieger Hindley wusste der direkten Konkurrenz nichts entgegenzusetzen. ___STEADY_PAYWALL___
Die Devise war damit klar: "So wenig Zeit wie möglich auf die anderen Klassementfahrer verlieren", rief Christian Pömer, Sportlicher Leiter bei Red Bull – Bora – hansgrohe, vor dem Start der Etappe im exklusiven Interview mit RSN als Ziel aus. "Oder vielleicht auf den einen oder anderen ein bisschen Zeit rauszuholen.
Beide Szenarien sind eingetreten. Auf Afonso Eulálio (Bahrain Victorious) im Rosa Trikot sowie Felix Gall (Decathlon - CMA CGM Team) vermochten Pellizzari und Hindley Zeit gutzumachen, Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) entfernte sich derweil um eine knappe halbe Minute. In einer idealen Welt – also mit einem fitten Pellizzari – wäre aber wohl deutlich mehr drin gewesen.
Jay Hindley war im Zeitfahren nur unwesentlich langsamer als Teamkollege Pellizzari. | Foto: Cor Vos
"Ich konnte 25 Watt weniger treten als normal", ordnete er seine Leistung ein. "Ich denke, dass ich trotzdem recht schnell war." Pellizzari war die Erleichterung darüber anzumerken, die knapp 50-minütige Qual auf dem Zeitfahrrad hinter sich gebracht zu haben. Mittlerweile fühle er sich "besser. Sonntag war wirklich schwer für mich, psychisch und physisch. Aber ich habe mich jetzt erholt."
Der Fokus rückt nun auf die kommenden Tage – doch wie sieht die Ausgangssituation für Pellizzari und Hindley aus? Der Australier rutschte im Gesamtklassement auf Rang sechs (+3:06 Minuten) ab, sein Landsmann Ben O’Connor (Jayco - AlUla / 5. / +2:48/) und der Niederländer Thymen Arensman (Netcompany - Ineos / 3. / +1:57) gesellten sich zum 30-jährigen Australier und Gall (4./+2:24).
30 Sekunden dahinter folgt Pellizzari weiterhin auf Platz neun. Die Top 10 rückten durch das Zeitfahren ordentlich zusammen – doch viele Möglichkeiten für Attacken im Kampf um das Podest bieten sich an den kommenden Tagen nicht. "Ich weiß nicht, ob die vor uns liegende Woche optimal dafür ist, um anzugreifen", zweifelte Pömer gegenüber RSN.
Gegenüber Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hielten die beiden Red-Bull-Kapitäne die Verluste in Grenzen. | Foto: Cor Vos
Die 11. Etappe am Mittwoch zwischen Porcari und Chiavari gilt als Verschnaufpause für die Klassementfahrer. An den beiden darauffolgenden Tagen stehen Puncheure und Sprinter im Fokus. "Aber vielleicht gegen Etappe 14 hin könnte vielleicht was möglich sein", führte Pömer weiter aus.
Dann wird dem Feld auf der ersten Hochgebirgsetappe in den Alpen auf 133 Kilometern und mit 4.300 Höhenmetern alles abverlangt. Bis dahin mobilisieren Pellizzari und Hindley noch ihre Kräfte – um dieses Mal im entscheidenden Moment bereit zu sein.