RSNplusNarvaez verlängert UAE-Serie beim Giro

Wie von der Playstation aus kontrolliert

Von Tom Mustroph aus Chiavari

Foto zu dem Text "Wie von der Playstation aus kontrolliert"
Jhonatan Narvaez (UAE - Emirates – XRG) feiert in Chiavari seinen dritten Etappensieg bei diesem Giro. | Foto: Cor Vos

20.05.2026  |  (rsn) - Mauro Gianetti stand ganz entspannt vor den Monitoren, die für Presse und Betreuer im Zielbereich von Chiavari aufgebaut waren. Der Teamchef von UAE - Emirates – XRG guckte sich an, wie Jhonatan Narvaez das Ausreißerduell mit dem Spanier Enric Mas (Movistar) für sich entschied, und wirkte sichtlich zufrieden.

Auf die Frage von RSN, wie sein Team das nur hinbekommt, bei diesem Giro in den meisten der entscheidenden Fluchtgruppen nicht nur dabei zu sein, sondern regelmäßig um den Sieg zu kämpfen, meinte er nur lachend: “Wir haben die Fahrer dazu.“

Tatsächlich zeigt UAE - Emirates, dass es irgendwie egal ist, ob man im Peloton für den Chef Tadej Pogacar das Tempo machen und die Fluchtgruppe kontrollieren muss oder ob man auf der anderen Seite rudert, also das Feld auf Abstand halten und zum Fluchtgruppensieg kommen will. Der Rennstall hat eben die Fahrer dafür, gut eingekauft, gut bezahlt, aber auch eben gut gecoacht. ___STEADY_PAYWALL___

“Wir mussten gar nicht die Motivation wieder neu entzünden nach der 2. Etappe, sie war einfach immer da“, beschrieb Sportdirektor Matxin Fernandez die Binnenstimmung nach dem Ausfall von Kapitän Adam Yates und zweier Helfer. Wo andernorts Brandreden nötig sind, um matte Gemüter aufzumuntern, ist im Hause UAE das interne Motivationslevel offenbar hoch genug für Erfolgshunger auf allen Ebenen und in allen Lagen.

  Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG, vorn) und Enric Mas (Movistar) machten auf der 11. Giro-Etappe den Sieg unter sich aus. | Foto: Cor Vos

“Ich muss ja sagen, dass es schöner ist, mehrere Etappen mit mehreren Fahrern zu gewinnen als die gleiche Anzahl mit nur einem Fahrer“, sagte der Baske auch zu RSN. Dauersieger Pogacar wird das vielleicht gar nicht so gerne hören. Aber er ist ja nicht hier beim Giro. Und für die aktuelle Italien-Rundfahrt hat Fernandez als gar nicht mehr so heimliches Ziel erklärt, mit jedem der verbliebenen fünf Fahrer eine Etappe gewinnen zu wollen.

Kann sein, dass sie dafür den Ecuadorianer Narvaez mal an die teaminterne Leine nehmen müssen. Drei Etappen gewann er schon. Am Mittwoch raubte er dem dreimaligen Vuelta-Zweiten Mas den Etappensieg. Es sah unendlich leicht aus, wie er dessen Angriff konterte, wie von der Playstation aus kontrolliert. Ganz so leicht war nach der Aussage des nun insgesamt fünfmaligen Etappensiegers beim Giro die Sache dann aber doch nicht.

“Wir mussten ja von Kilometer Null arbeiten. Es dauerte auch, bis die Fluchtgruppe endlich stand. Wir mussten das ganze Team einsetzen, um mich richtig zu platzieren. Und am Ende durften wir nicht nachlassen, damit die Verfolger nicht noch aufschließen“, fasste er den Arbeitstag zusammen.

Im Ziel wurde der Ecuadorianer von Team-Manager Mauro Gianetti in die Arme genommen. | Foto: Cor Vos

Narvaez fügte noch hinzu, dass an Tagen wie diesen, an denen die Hitze unbarmherzig brennt und viel Unruhe im Rennen herrscht, gar nicht so sehr die Beine den Unterschied machten. “Du musst auch klar im Kopf sein, die guten Entscheidungen treffen“, meinte er. Das tat er dann wohl auch, wie es auch der Ergebnisbogen bestätigt.

Dass er schließlich im Spurt die Nase vorn hatte, hielt er gar nicht mehr für erwähnenswert. Seine Explosivität aus kleinen Gruppen heraus ist hinreichend bekannt. In dieser Disziplin ist der 29-Jährige vielleicht sogar der Beste in der gegenwärtigen Radsportelite. Die folgenden Tage wolle er eher ruhiger treten, nicht gleich in die Fluchtgruppe gehen, kündigte Narvaez an.

Ziehen Morgado, Christen und Bjerg nach?

Aufatmen für die Konkurrenz bedeutet das aber keineswegs. Antonio Morgado, Jan Christen und Mikkel Bjerg wollen die Gelegenheit schließlich auch nutzen, bei diesem Giro ohne eigenen Kapitän die individuellen Palmares aufzuhübschen, nachdem Igor Arrieta auf der 5. Etappe bereits gejubelt hatte. Sollte das Vorhaben gelingen, wäre es wahrscheinlich erneut ein Rekord: Grand-Tour-Etappensiege mit jedem einzelnen Fahrer eines Teams.

Für einen kleinen Spannungsmoment sorgte Narvaez noch am Ende des Tages. Auf die Frage nach seinem auslaufenden Vertrag und dem Team, in dem er seine nähere Zukunft sehe, meinte er nur: “Die Frage geht an meinen Manager. Ich weiß aber, er ist gerade viel beschäftigt.“

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