--> -->

03.06.2026 | (rsn) – Gestern hatte sich Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) die Berge herbeigewünscht. Heute zeigte sie, wieso. Auf der 5. Etappe des Giro d’Italia Women stellte die 23-Jährige Deutsche eindrucksvoll unter Beweis, dass sie mit den besten Frauen der Welt bergauf mithalten kann. Scheinbar sogar recht problemlos. Den Tag beendete sie als Dritte im Sprint hinter Tagessiegerin Demi Vollering (FDJ United - Suez) und Anna van der Breggen (SD Worx – Protime).
Während Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ) und Marlen Reusser (Movistar) am Berg immer wieder Probleme bekamen, immer wieder den Kontakt zu Vollering und Co. verloren und letztlich auch mehr oder weniger viel Zeit kassierten, war Niedermaier immer wieder sofort am Hinterrad, wenn die 29-Jährige zur Attacke blies. Das gelang nicht mal der Gesamtführenden van der Breggen, wobei es generell der Fahrstil der Frau in Rosa ist, auf schnelle Tempowechsel zu verzichten und Löcher in ihrem Tempo zu schließen.
“Endlich konnte ich zeigen, dass ich gute Beine habe und in guter Form bin, daher bin ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden“, sagte Niedermaier zur Bestätigung des Gesehenen dann auch in einer Mitteilung ihres Teams. “Natürlich habe ich versucht, bei Demi und van der Breggen zu bleiben. Demi hat versucht anzugreifen, aber am Ende sind wir zusammengeblieben und zu viert ins Ziel gefahren.“ Mit dabei war noch Isabella Holmgren (Lidl – Trek), die sich anschickt, der aus dem Weißen Trikot herausgewachsenen Niedermaier als beste Nachwuchsfahrerin des Giros zu folgen.
Action machte Vollering vor allem am zwei Mal zu fahrenden Costa-Anstieg (3. Kategorie). “Ehrlich gesagt, hatte ich erwartet, dass die ersten beiden Anstiege (jeweils 1. Kategorie) härter werden würden, aber da die Ausreißergruppe bereits vorne lag, haben wir es uns von hinten ziemlich leicht gemacht“, so Niedermaier. Lediglich Reusser hatte es dort mit einer frühen Attacke versucht, im Rückblick wohl in der Hoffnung, dort ein Polster herauszufahren, dass es ihr ermöglichen könnte, in die weiteren Anstiege mit einem Vorsprung zu gehen, um so am Ende vielleicht näher an den Favoritinnen bleiben zu können.
Der Plan ging nicht auf, die Schweizerin fing sich letztlich eine knappe Minute Rückstand ein. Und das reichte Niedermaier, um an ihr vorbei auf Rang drei im Klassement zu springen. “Ich war eigentlich ziemlich überrascht, dass ich in der Gesamtwertung aufsteigen konnte, da ich nach dem gestrigen Zeitfahren bereits gut platziert war und eher dachte: Warten wir einfach ab, was heute passiert.“
Warten wollte Niedermaier vor allem am Ende aber nicht mehr. Als sich die Vierergruppe an der Spitze auf den letzten Kilometern so sehr beäugte, dass der Vorsprung auf die erste Verfolgerin Longo Borghini wie Butter in der Sonne dahinschmolz, war es die Bayerin, die durch einen Angriff wieder Dampf in die Formation brachte und damit zumindest ein paar Sekunden auf die Vorjahressiegerin rettete. Insgesamt aber, das ließ sie auch durchklingen, war Niedermaier auf der Etappe wahrscheinlich nicht am Limit, zumal die aus ihrer Sicht entscheidenden Tage noch kommen. “Ich habe auch versucht, nicht zu viel Energie zu verschwenden, da noch einige harte Etappen bevorstehen.“