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15.06.2026 | (rsn) - Während sich im heutigen Radsport die Topstars in der Regel in Höhentrainingslagern auf ihre Höhenflüge vorbereiten, ging ausgerechnet ein Neo-Profi einen ganz anderen Weg: Luke Tuckwell (Red Bull – Bora - hansgrohe) zieht den "Stallgeruch“ der dünnen Höhenluft vor. Wenigstens bei der Tour-Avergne-Rhone-Alpes (2.UWT) gab ihm das ungewöhnliche Vorgehen recht. Dort belegte er hinter Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) überraschend den zweiten Platz in der Gesamtwertung belegte, nachdem er vorher zwei Tage das Gelbe Trikot des Spitzenreiters getragen hatte.
"Ich verbessere mich jedes Rennen immer weiter, ohne dass ich irgendwas Außergewöhnliches mache“, meinte der Australier, um dann genau das Gegenteil zu erklären: "Ich genieße einfach meine Zeit zu Hause. Kein Höhentrainingslager. Einfach zu Hause zu sein in einem guten Mindset. Ich glaube, das macht den Unterschied aus.“
Umso erstaunlicher ist seine Leistung der letzten drei Tage, als er Freitag mit seinem Team an der ersten der drei aufeinanderfolgenden Bergankünfte die taktischen Fehler der auf den Gesamtsieg favorisierten Mannschaft Decathlon - CMA CGM und UAE nutzte, um die Führung der Rundfahrt zu übernehmen, während sein Teamkollege Maxim Van Gils die Etappe gewann.
Tuckwell konnte zwar nicht mit den besten Kletterern mithalten, als es um Etappensiege und den Gewinn der Gesamtwertung ging, aber erstaunlich abgeklärt für einen 21-Jährigen im ersten Profijahr arbeitete er stoisch seine Möglichkeiten ab. Schon bei der zweiten der drei Bergankünfte ließ er sich nicht im Überschwang des ersten Gelben Trikots seiner Profikarriere zu unbedachten Reaktionen hinreißen. Stattdessen fuhr er wie ein alter Hase: in seinem Leistungsbereich, ohne in den Roten Bereich zu gehen, hielt den Zeitverlust in Grenzen und verteidigte so die Führung der Rundfahrt.
Auch im Finale der dritten Bergankunft einen Tag später verteidigte er nicht kopflos seine Führung. Er fuhr sein Tempo und rettete so den im Vorfeld nie erwarteten zweiten Platz auf dem Podium. Allerdings war wieder Maxim Van Gils beteiligt. “Ich wusste, welches Tempo ich von unten an fahren musste. Maxim hat mich gerettet. Ohne ihn hätte ich mehr Probleme bekommen. Es ist einfach eine geschlossene Teamleistung“, lobte Tuckwell seinen Teamkollegen, der ihn den Berg hinaufgezogen hatte.
Im Ziel schien Tuckwell dann nicht mehr so abgeklärt. "Ich kann es nicht beschreiben. Ich kann es noch nicht realisieren. Überhaupt nicht. Das wird einige Zeit dauern“, konnte er seinen Überraschungserfolg selbst kaum fassen. Tuckwell hat einen weiteren Schritt aus der Anonymität des Pelotons hinaus ins Rampenlicht gemacht. Kann er seinen Höhenflug ohne Höhentrainingslager fortsetzen?