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16.06.2026 | (rsn) – “Endlich zum ersten Mal wieder in den Teambus steigen und die Rennatmosphäre mitzumachen, das hat schon etwas mit mir gemacht!“ Thibau Nys (Lidl – Trek) kehrte am Sonntag beim GP Gippingen (1.1) ins Renngeschehen zurück. Seinen letzten Einsatz hatte er am 1. Februar bei der Cross-WM in Hulst, wo er Bronze gewann. Auf der Straße stand der Belgier Ende August 2025 letztmalig an der Startlinie. Knieprobleme verhinderten einen früheren Einsatz in diesem Jahr.
Die waren schwerwiegend, wie Nys in einer Pressekonferenz vor dem Start der 78. Tour de Suisse (2.UWT) erzählte. Vier Wochen hatte er nicht trainieren können. “Ich habe in der Zeit keine schönen Dinge unternommen. Ich war in der Zeit wie an den Stuhl gefesselt“, klagte er. Das ist etwas, was der Cross- und Straßenstar nicht gewohnt ist. Dementsprechend froh war Nys, als er den Stuhl wieder gegen den Rennradsattel tauschen durfte. “Ich habe gleich ziemlich hart trainiert – und das ging so bis letzte Woche ohne größere Probleme weiter“, berichtete er. ___STEADY_PAYWALL___
In Gippingen folgte der Saisoneinstand – und der gelang mit Platz vier als Schnellster unter den Verfolgern der dreiköpfigen Spitzengruppe um den zum Sieg stürzenden Liam Slock (Lotto – Intermarché) ausgezeichnet. “Ich bin nicht auf meinem Topniveau, aber mit der Zeit, die ich jetzt hatte, könnte ich nicht besser in Form sein“, bilanzierte der Flame, der zuversichtlich in die weitere Zukunft blickte.
“Sowohl Gippingen als die Tour de Suisse werden mir die nötige Rennhärte geben, um wieder eine Schippe draufzulegen. Bei der Belgische Meisterschaft will ich dann wieder etwas weiter besser sein und dann fahre ich ins Trainingslager, um im zweiten Teil der Saison noch besser zu sein“, verriet er.
Dass die Form bereits wieder so gut ist, kommt für Nys überraschend. “Die Muskeln im linken Bein rund ums Knie herum waren wie Schnee in der Sonne weggeschmolzen. Der Unterschied zu meinem rechten Bein war enorm. Man kann das nicht mit zwei oder drei Wochen Off-Season vergleichen. Das ging weiter“, gab er zu Protokoll. Inzwischen sei aber wieder alles beim Alten: “Manchmal wurde das Knie noch etwas steif, wenn ich es zu lange angespannt oder es zu wenig bewegt habe, aber das ist seit dieser Woche eigentlich auch verschwunden.“
Bei der Cross-WM in Hulst belegte Thibau Nys (Lidl – Trek,re.) | Foto: Cor Vos
So könnte Nys selbstbewusst auf die am Mittwoch beginnende Tour de Suisse (2.UWT) schauen. Doch überschwängliche Euphorie versprühte er trotz des starken Saisoneinstands nicht. “Mit diesem Teilnehmerfeld und bei diesem Profil müsste ich 100 Prozent in Ordnung sein, um um den Sieg mitfahren zu können. Ich konnte mir selbst noch nicht beweisen, dass das der Fall ist. Es könnte schon so sein, aber ich bin erst ein Rennen gefahren“, analysierte der 23-Jährige. Mit Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike), Kaden Groves (Alpecin – Premier Tech) und Corbin Strong (NSN) steht für sein Terrain tatsächlich starke Konkurrenz am Start der Schweiz-Rundfahrt.
So bleibt die Tour de Suisse nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu Größerem. Zunächst soll das die Belgische Meisterschaft sein, bevor es am 22. August in Monaco richtig ernst wird. “Die Vuelta ist das Hauptziel, das jetzt in meinem Programm steht. Da will ich wirklich in absoluter Topform am Start stehen, so dass ich probieren kann, Etappen zu gewinnen“, kündigte Nys an. “Darauf werde ich in den nächsten Wochen hintrainieren“, sagte er weiter. Starts in San Sebastian vor der Spanien-Rundfahrt oder bei der Straßen-WM in Kanada ließ er noch offen. “Das hängt davon ab, wie ich durch die Vuelta komme.“
Wie komplex die Saisonplanung für Nys ist, wurde deutlich, als er nach seinem Crosskalender 2026/27 gefragt wurde. “Ein Plan liegt auf dem Tisch. Ein paar Crossrennen sind für mich sehr wichtig und da müssen wir jetzt schon planen, denn alles, was ich jetzt mache, hat Folgen für meinen Winter und das hat dann Folgen für den nächsten Sommer“, so der Lidl-Profi, der aber doch seinen Fokus etwas mehr in Richtung Straße rücken möchte. “Ich will nächsten Winter etwas mehr Basis aufbauen als diesen – und dann werde ich vermutlich etwas mehr Zeit in Trainingslagern verbringen“, kündigte er an.
Nys (4.v.l.) bei der Teampräsentation zur Tour de Suisse | Foto: Cor Vos
Und so kam auch sein gut gefüllter Kalender zur Sprache. Der reicht mit minimaler Pause vom Sommer in den Winter und vice versa. Bis zur Knieverletzung, die ihn jetzt zu einer Auszeit gezwungen hat, die er vielleicht mal nötig hatte. “Irgendwie vielleicht schon. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich trotzdem zehn von zehnmal gesagt, dass ich es lieber anders gehabt hätte“, meinte Nys.
“Aber wir probieren immer, etwas Positives mitzunehmen. Und wenn es hier etwas Positives gibt, dann ist es, dass meinem Körper jetzt mal vier oder fünf Wochen Ruhe gegönnt habe. Vielleicht gibt mir das die nächsten Monate oder Jahre einen Boost“, sagte er.
Nys wurde dann auch noch gefragt, ob er etwas aus dieser Phase seiner Karriere gelernt habe. “Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht – aber ein Ding weiß ich vielleicht doch: Ich fahre nicht gern Rad, wenn ich nicht in Form bin!“, gab er zu. Und damit ist er sicher nicht allein.
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