RSNplusMangel an Kooperation “schleierhaft“

Reusser und Lippert betreiben “Schadensbegrenzung“ in Sondrio

Von Felix Mattis

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Marlen Reusser (Movistar) beim Auftakt der Tour de Suisse Women | Foto: Cor Vos

17.06.2026  |  (rsn) – Unter dem Begriff "Schadensbegrenzung" hat Titelverteidigerin Marlen Reusser den ersten Tag der Tour de Suisse Women (2.WWT) rund um Sondrio im norditalienischen Veltliner-Tal zusammengefasst.

Die Top-Favoritin aus der Schweiz büßte nach 109,3 Kilometern bei 30 Grad 38 Sekunden auf die Niederländerin Femke De Vries (Visma – Lease a Bike) und die Britin Lauren Dickson (FDJ United – Suez) ein. Das Duo hatte sich aus einer am ersten Anstieg entstandenen Spitzengruppe heraus abgesetzt und den Etappensieg und das erste Gelbe Trikot schließlich unter sich ausgemacht.

Reusser kam in einem Sextett mit Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) und Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) als Etappenachte in Sondrio an und bilanzierte danach: "Dass De Vries und Dickson jetzt mit 38 Sekunden ins Ziel gekommen sind, ist nicht so günstig für uns – entsprechend war es kein super erster Tag, eher Schadensbegrenzung." ___STEADY_PAYWALL___

Mit noch vier Etappen vor der Brust, darunter ein 23 Kilometer langes und überwiegend flaches Einzelzeitfahren am Samstag in Aarburg sowie eine sehr schwere Bergetappe rund um Villars-sur-Ollon zum Abschluss am Sonntag, ist mit den Abständen vom Auftakt noch längst keine Vorentscheidung gefallen. Doch Reusser warnte: "Man muss schon sagen, mit der Bonifikation sind es 48 Sekunden Vorsprung, das ist bei so starken Fahrerinnen unvorteilhaft."

Lippert in der Spitzengruppe

Im Verlauf der 1. Etappe schien für das Movistar-Team um Reusser und Liane Lippert zunächst alles nach Plan zu laufen. Denn die Deutsche schaffte am ersten Berg des Tages, der steilen Rampe von Buglio in Monte nach etwas mehr als der halben Renndistanz, den Sprung in die zwölfköpfige Gruppe des Tages. Dort holte Lippert am Bonuskilometer nach 70 Kilometern in Pedemonte zwei Mal zwei Sekunden Zeitgutschrift.

Zu Etappenbeginn lief für Movistar alles nach Plan: Liane Lippert - rechts neben Franziska Koch (FDJ United – Suez) – mischte in der Gruppe des Tages mit. | Foto: Cor Vos

"Das Ziel war für uns, mit Liane auf Etappensieg zu fahren und dass ich mich auf die wichtigen Gesamtwertungsfahrerinnen konzentriere – wobei wir Longo Borghini und Niewiadoma vorangestellt haben", erklärte Reusser die Movistar-Strategie.

Doch als dann am 4,2 Kilometer langen und 7,2 Prozent steilen Kategorie-2-Anstieg von Triangia Urska Zigart (AG Insurance – Soudal) das Tempo in der Spitzengruppe anzog, konnten nur De Vries und Dickson der Slowenin noch folgen, die dann ihrerseits in der folgenden Abfahrt zurückfiel und das später erfolgreiche Duo ziehen lassen musste.

Lippert spannt sich für Reusser ein

Lippert wartete nun auf das arg zusammengeschrumpfte Verfolgerinnenfeld um die Favoritinnen, wurde 20 Kilometer vor Schluss eingeholt und spannte sich sofort in die Führungsarbeit ein – bei 1:40 Minuten Rückstand auf das Spitzenduo.

Auch EF Education – Oatly und UAE Team ADQ trugen zwischenzeitlich zur Verfolgung bei. Gemeinsam brachte man den Rückstand bis zur rund fünf Kilometer vor Schluss beginnenden letzten steilen Rampe auf unter eine Minute hinunter – wobei die meiste Verfolgungsarbeit Movistar mit Lippert und Francesca Barale zu leisten schien.

In der Verfolgung des Spitzenduos erhielt Movistar im Finale kaum Unterstützung der anderen Teams. | Foto: Cor Vos

In der 1.100 Meter langen und zwölf Prozent steilen Steigung von Bordighi attackierte Niewiadoma und der Vorsprung der Spitzenreiterinnen schrumpfte bis auf 25 Sekunden. Reusser führte die nächste Gruppe über die Kuppe und holte auch Niewiadoma zurück – bis dann aber Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) in der Abfahrt davonflog und bis ins Ziel noch neun Sekunden herausholte.

Reusser: "Verstehe nicht, dass sie nicht mit mir fahren"

Hinter ihr überließen die Kontrahentinnen Reusser die Nachführarbeit und schließlich wuchs auch der Rückstand nach ganz vorne wieder an, was die Schweizerin frustrierte. "Was ich nicht ganz so verstehe ist, dass meine großen Top-Favoritinnen-Kolleginnen nicht mit mir fahren, sondern mich eher anschauen, und auch ihre Teams nicht übernehmen", meinte die Schweizerin.

"Wir sind im Finale auf 20 Sekunden dran gewesen, aber vor dem letzten Berg ist niemand mehr gefahren und auch nach dem Berg fahre ich alles von vorne. Das ist mir etwas schleierhaft, weil sie sicher im Zeitfahren weniger auf die Beiden (De Vries und Dickson, Anm. d. Red.) gutmachen werden, als ich. Also sollten sie umso mehr ein Interesse haben, zusammen zu fahren", fügte die 34-Jährige an.

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