Totale Dominanz mit 72-Kilometer-Solo

“Let’s go!“: Pogacar bei der Tour de Suisse nicht zu halten

Von Kevin Kempf

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Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 1. Etappe der Tour de Suisse gewonnen. | Foto: Cor Vos

17.06.2026  |  (rsn) - Wer nicht genug von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bekommen kann, kam beim Auftakt der 78. Tour de Suisse (2.UWT) voll auf seine Kosten. Der Weltmeister griff auf der mittelschweren 1. Etappe bereits 72 Kilometer vor dem Ziel an und lag in Sondrio 2:14 Minuten vor Richard Carapaz (EF Education – EasyPost). 

Dritter wurde Andrea Bagioli (Lidl – Trek), der für die 144 Kilometer 2:29 Minuten länger brauchte als der überlegene Sieger. Den vierten Platz belegte im Fünfersprint 4:02 Minuten nach Pogacar Ilan Van Wilder (Soudal – Quick-Step) vor Mathias Vacek (Lidl – Trek).

An seinem zwölften Renntag dieser Saison konnte Pogacar zum bereits zehnten Mal jubeln. Seit 2016, als Pieter Weening (Roompot) an einem Tag für die Ausreißer gewann, war der Vorsprung zwischen Sieger und Zweitplatzierten bei der Tour de Suisse nicht mehr größer gewesen als am Mittwoch. Trotzdem versicherte Pogacar, der zum Schluss im Trainingsmodus unterwegs zu sein schien und einige Sekunden auf seine Verfolger verlor, dass er einen schweren Tag hatte. “Es war hart. Es war wirklich hart“, stöhnte er im Ziel-Interview auf der Rolle.

“Der Start war leicht und wir hatten alles unter Kontrolle. Am ersten Berg des Tages wurde es schon sehr schwer. Wir haben am Zwischensprint die Bonussekunden geholt und da haben Brandon (McNulty) und ich uns angesehen und gesagt: ‘Let’s go!‘“, blickte der 27-Jährige zurück.

“Ich hatte da keinen Funk, ich wusste also nicht, was hinter mir passiert. Ich bin einfach schnell weitergefahren. Als mir das Schild gezeigt wurde und der Vorsprung ziemlich groß war, konnte ich meinen Rhythmus bis zum Ziel fahren, aber der Weg war noch superweit. Es war aber auch sehr technisch, deswegen war es sehr schön, allein zu sein“, analysierte Pogacar sein Rennen.

Die deutschen Fahrer konnten sich nicht in Szene setzen. Bester war Moritz Kretschy (NSN) auf Rang 54 mit 21:11 Minuten Rückstand. Eine Klatsche musste Pogacars Landsmann Primoz Roglic einstecken. Der Kapitän von Red Bull - Bora - hansgrohe kam 4:58 Minuten nach dem Etappengewinner auf Position 18 ins Ziel.

Pogacar übernahm mit seinem Parforceritt sowohl die Führung in der Gesamt- als auch die in der Berg- und Punktewertung der Generalprobe zur Tour de France. Als Gesamtzweiter hat Carapaz bereits 2:22 Minuten Rückstand, Bagioli (+2:39) folgt auf Rang drei. Bester Nachwuchsfahrer ist Vacek, UAE führt die Teamwertung mit 7:27 Minuten Vorsprung auf Decathlon an.

So lief die 1. Etappe der Tour de Suisse

Gleich die erste Attacke des Tages saß: Fredrik Dversnes (Uno-X Mobility) und Cedric Beullens (Lotto - Intermarché) setzten sich ab und fuhren gemeinsam einen Vorsprung von bis zu 3:30 Minuten heraus. Der Norweger und der Belgier erreichten zusammen auch den ersten Berg des Tages, den Anstieg nach Buglio in Monte, wo sich Giro-Etappensieger Dversnes sechs Punkte sicherte. Die verbliebenen Zähler gingen an Pogacars Helferriege, da UAE – Emirates – XRG das Rennen kontrollierte.

Schon bei der ersten Zwischensprintwertung zeigte Pogacar, wie ernst er es meint, erstmals die Tour de Suisse gewinnen zu wollen. Der Weltranglistenerste sicherte sich hinter dem inzwischen allein fahrenden Dversnes Platz zwei und damit zwei Bonussekunden. Anschließend bildete sich eine kleine vom Weltmeister und Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG) angeführte Gruppe, aus der heraus der Slowene 72 Kilometer vor dem Ziel davonfuhr, Dversnes einholte und abschüttelte.

Das Streckenprofil der 1. Etappe der Tour de Suisse | Foto: Veranstalter

Die überrumpelte Konkurrenz musste sich erst einmal sortieren. Ehe sich eine achtköpfige Verfolgergruppe mit Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe), Matthew Riccitello (Decathlon – CMA CGM) und Carapaz gebildet hatte, betrug der Rückstand zu Pogacar bereits 35 Sekunden. Der baute seinen Vorsprung sukzessive aus, während sich die Gruppe hinter ihm unter anderem durch Mikel Landa (Soudal - Quick Step) weiter auffüllte.

Gut 50 Kilometer vor dem Ziel fasste sich Carapaz ein Herz und setzte sich von den Verfolgern ab. Doch dieser Effort erwies sich zumindest als Mittel gegen Pogacar als zwecklos. Der wies bald zwei Minuten Vorsprung auf den Ecuadorianer und drei Minuten zu den nächsten Verfolgern auf. Unterwegs räumte Pogacar die verbliebenen drei Bergwertungen und einen weiteren Zwischenspurt ab.

Auf die letzten 15 Kilometern nahm der Weltmeister 4:40 Minuten Vorsprung auf die Gruppe mit Roglic und Landa mit. Carapaz lag zu dem Zeitpunkt 2:35 Minuten zurück. Hinter ihm lag mit 3:15 Minuten Abstand zu Pogacar der zwischenzeitlich enteilte Bagioli.

Der Italiener setzte Carapaz zunehmend unter Druck. Der EF-Kapitän wiederum versteuerte sich zweimal, konnte seinen Vorsprung aber dennoch konsolidieren. Pogacar fuhr einen ungefährdeten Sieg nach Hause und nahm sich auf der Zielgeraden Zeit, um ausgiebig, wenn auch nicht überschwänglich zu jubeln. Hinter Carapaz und Bagioli spurtete Van Wilder aus der kleiner gewordenen Verfolgergruppe auf den 4. Platz und verwies Vacek auf Rang fünf.

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