Reusser und Niewiadoma in Locarno falsch abgebogen

Longo Borghini fühlt sich “ganz okay“ und hängt alle ab

Von Matthias Seng und Kevin Kempf

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Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ) hat die 2. Etappe der Tour de Suisse Women (2.WWT) gewonnen. | Foto: Cor Vos

18.06.2026  |  (rsn) – Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ) hat die 2. Etappe der Tour de Suisse Women (2.WWT) gewonnen und mit ihrem fünften Saisonsieg auch das Gelbe Trikot der Gesamtführenden erobert. Die Italienische Meisterin setzte sich im Tessin über 105,6 Kilometer rund um Locarno als Solistin mit 30 Sekunden Vorsprung auf die Kanadierin Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike) durch.

Im Sprint der ersten Verfolgerinnen sicherte sich mit 47 Sekunden Rückstand die Schweizerin Steffi Häberlin (SD Worx – Protime) den dritten Platz vor ihrer Landsfrau Marlen Reusser (Movistar) und der Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM). Das Duo war kurz vor dem Ziel falsch abgebogen, wogegen van Dam auf der Strecke blieb und so ungefährdet Zweite wurde. “Das Finale war ziemlich kurvig. Ich hatte mir das vor dem Start im letzten Moment angesehen und hatte die Situation im Rennen zum Glück rechtzeitig bemerkt. Mir tut es aber leid für die Zwei“, sagte die Kanadierin am Eurosport-Mikrofon.

Ihre niederländische Teamkollegin Femke de Vries verlor im schweren Finale den Anschluss und kam mit 2:15 Minuten Rückstand ins Ziel. Als beste deutsche Fahrerin belegte Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek / +2:04) den 17. Platz.

Longo Borghini kam beim Giro d’Italia Women mit Platz vier und einem Tageserfolg erfolgreich aus einer fast zweimonatigen Pause zurück. In der Schweiz war sie die Beste des Feldes. “Ich habe mich ganz okay gefühlt. Ich habe nicht verstanden, warum Kasia nicht mit mir mitgefahren ist“, begann Longo Borghini das Ziel-Interview. “Dann habe ich gesehen, dass sie leidet. Deswegen wollte ich etwas probieren. Ich bekam die Lücke und bin einfach Vollgas in Richtung Ziel gefahren“, berichtete sie nach ihrem zweiten Sieg an ihren letzten drei Renntagen.

“Ich freue mich enorm, hier gewonnen zu haben, denn ich wohne nicht weit von hier entfernt. Es ist immer schön, nahe der Heimat zu gewinnen. Meine Familie hat heute an der Strecke zugesehen. Ich bin ziemlich stolz auf meinen Sieg heute“, freute sie sich.

Im Gesamtklassement führt die Italienische Meisterin nun mit 27 Sekunden Vorsprung vor der Britin Lauren Dickson (FDJ United – Suez) und 34 Sekunden vor van Dam, die die Beste in der Nachwuchswertung ist. Titelverteidigerin Reusser ist mit 57 Sekunden Rückstand Fünfte hinter Häberlin (+0:53). De Vries verteidigte sowohl das Berg- als auch das Punktetrikot.

So lief die 2. Etappe der Tour de Suisse Women:

Wie schon zum Auftakt, so konnten sich auch am zweiten Tag der Schweiz-Rundfahrt lange Zeit keine Ausreißerinnen vor dem Feld behaupten. Für kurzzeitige Aufregung sorgte ein Sturz von de Vries rund 60 Kilometer vor dem Ziel. Die Trägerin des Gelben Trikots konnte sich aber schnell wieder auf ihr Rad schwingen und ohne sichtbare Verletzungen das Rennen fortsetzen.

Zeitgleich setzten sich mit Carlotta Cipressi (Human Powered Health) und Margot Vanpachtenbeke (Lidl – Trek) doch noch zwei Fahrerinnen ab und erarbeiteten sich auf welligem Terrain einen Vorsprung von mehr als zwei Minuten. Mit den Bonussprints nahm das Rennen dann an Fahrt auf. Während sich Vanpachtenbeke an den beiden Wertungen kampflos die maximal möglichen sechs Bonussekunden sicherte, holte sich knapp zwei Minuten dahinter nach perfekter Vorbereitung ihrer Teamkollegin Franziska Koch die Gesamtzweite Dickson jeweils eine Sekunde und halbierte damit ihren Rückstand im Klassement gegenüber de Vries.

Das Streckenprofil der 2. Etappe der Tour de Suisse Women | Foto: Veranstalter

Danach versuchte Josie Talbot (Liv - AlUla – Jayco) solo, die Lücke zum Spitzenduo zu schließen, doch die Australierin wurde 25 Kilometer vor dem Ziel und damit noch vor den beiden Bergwertungen des Tages wieder eingefangen. Und auch der Rückstand zu den beiden Ausreißerinnen war kurz vor dem sieben Prozent steilen Anstieg nach Fanghi (3. Kat.) auf wenige Sekunden geschrumpft, ehe das Duo 19 Kilometer vor dem Ziel gestellt war.

An der 3,5 Kilometer langen Steigung dünnte das Feld schnell aus. Reusser kontrollierte an der Spitze, der schließlich nur noch rund 20 Fahrerinnen angehörten. Wie schon zum Auftakt attackierte Niewiadoma als erste der Favoritinnen und sprengte damit die Gruppe. De Vries, deren Teamkollegin Sarah van Dam, Longo Borghini und Reusser konnten folgen, wogegen Dickson und Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) den Anschluss verloren. Mit Verzögerung schaffte es auch die Schweizer Meisterin Steffi Häberlin (SD Worx – ProTime) kurz hinter dem Bergpreis, den sich Niewiadoma holte, nach vorn und ging prompt in die Offensive.

Reusser und Niewiadoma verfahren sich

Niewiadoma und Longo Borghini konterten in der Abfahrt und konnten sich von Reusser, Häberlin und van Dam lösen. Dagegen fiel de Vries noch hinter dieses Trio zurück. An der kurz darauf folgenden Via Consiglio Mezzano (3. Kat.), einer 1,5 Kilometer langen, rund neun Prozent steilen Rampe, wuchs der Rückstand der Niederländerin weiter an.

Longo Borghini schüttelte am letzten Anstieg des Tages neun Kilometer vor dem Ziel Niewiadoma ab und erreichte die Bergwertung rund 15 Sekunden vor Reusser, Niewiadoma und van Dam. Den Vorsprung verteidigte sie in der Abfahrt, um ihn auf den letzten fünf Kilometern sogar noch gegen die von Zeitfahrweltmeisterin Reusser angeführten Verfolgerinnen auszubauen.

Die Schweizerin bog dann drei Kilometer vor dem Ziel mit Niewiadoma im Schlepptau falsch ab, während van Dam auf der Strecke blieb und sich so gut eine halbe Minute hinter der souveränen Longo Borghini, die auch Gelb übernahm, den zweiten Platz belegte. Im Sprint der Verfolgerinnen sicherte sich Häberlin, die wieder zu Reusser und Niewiadoma aufgeschlossen hatte, den dritten Platz.

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