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26.06.2026 | (rsn) - Kleinste Kleinigkeiten können über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wenn alle Sieganwärter nicht unbehelligt oder ohne Patzer durchkommen, gleicht sich das wieder aus. So passiert bei den Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren über 41 Kilometer in Streufdorf. Die Winzigkeit von weniger als drei Sekunden entschied über die Verteilung der Plätze zwischen Titelträger Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) in, dem Zweitplatzierten Maximilian Walscheid (+1,8 Sek./Lidl – Trek) und dem Dritten Jasha Sütterlin (+2,16/Jayco – AlUla).
"Es war extrem knapp zwischen Jasha, mir und Max“, sagte Politt bei der Pressekonferenz noch sichtlich geschafft von der extremen Hitze bis zu 36 Grad im Schatten. "Ich bin gut ins Zeitfahren reingekommen. Mir war klar, dass sich das Rennen hinten raus entscheiden würde, vor allem an den letzten zwei oder drei Wellen. Dort habe ich dann wirklich alles rausgehauen, was ich noch hatte. Über diese Wellen bin ich dann auch extrem gut gefahren“, verriet er seine letztlich entscheidende Taktik.
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Siegerküsschen gab es für Nils Politt (UAE - Emirates - XRG) schon vor der Podiumszeremonie. | Foto: Christian Heilwagen
Fast wäre es kurz vor Schluss noch schiefgegangen. "Leider ist mir dann 1,5 Kilometer vor dem Ziel in der letzten Kurve die Kette heruntergesprungen. Das hat vielleicht noch ein bisschen Geschwindigkeit gekostet, bis ich sie wieder draufhatte. Aber trotzdem - zwei Sekunden Vorsprung. Ich bin natürlich superfroh, jetzt im Meistertrikot hier zu stehen“, schilderte der Hürther seinen Schreckmoment, der ihn vielleicht sogar noch extra motivierte: "Ich glaube, das gab noch mal einen kleinen Schub."
Auch der Mann auf dem Silberrang erlebte so einen Schreckmoment "Es war extrem hart. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, wie ich im Rennen stehe, aber nichtsdestotrotz habe ich dort am letzten Anstieg wirklich absolut alles gegeben“, meinte Walscheid. "Leider habe ich oben den einzigen Fehler im Rennen gemacht: Ich war so dermaßen am Limit, dass ich kurz in den Graben geraten bin. Das war natürlich bitter – aber in diesem Moment dachte ich mir: Bei einem so langen Zeitfahren wird das schon nicht den Ausschlag geben“, hoffte der Lidl-Profi zu diesem Zeitpunkt.
Auf Nachfragen beschrieb er, was genau geschehen war: "Ich bin in der Aeroposition über die Kuppe des Berges gefahren und habe dabei einen Schlenker gemacht, weil ich so nah an den Straßenrand herangefahren war, um die Ideallinie zu halten, dass ich ins Gras abgekommen bin. Ich habe mich erschrocken und die Hände vom Aerolenker genommen, konnte dann aber wieder auf die Straße zurücksteuern. Es war kein absolutes Drama, aber es zeigt, wie fordernd dieses Zeitfahren war. Die Hitze hat natürlich auch ihren Teil dazu beigetragen – ich glaube, wirklich jeder war vollkommen am Limit oder darüber.“
Auch Sütterlin hatte seinen Schreckmoment in der Schlussphase. "Bei mir war es die letzte Abfahrt und dann die Linkskurve auf die Hauptstraße. Da war das Begleit-Motorrad der Polizei vor mir. Der Fahrer hatte mich nicht kommen sehen, weil ich so schnell war. Ich musste kurz abbremsen, und erst dann hat er gemerkt: 'Oh, der ist da!' – und dann Gas gegeben. Aber da hatte ich schon gebremst“, erzählte Sütterlin, der dem Polizisten aber nichts nachtrug.
Maximilian Walscheid (Lidl - Trek) erreicht das Ziel. | Foto: Christian Heilwagen
"Letztlich hatte jeder irgendwo eine Kleinigkeit, durch die er ein paar Sekunden verloren hat“, unterstrich er noch mal. "Am Ende war es, wie die anderen auch gesagt haben, ein ehrliches Zeitfahren!“
Das hatte auch Walscheid schon festgestellt: "Ich glaube, es war insgesamt ein wirklich außergewöhnlich ehrliches Zeitfahren auf einem extrem vielseitigen Kurs. Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse, dann war das heute definitiv die Deutsche Meisterschaft, die den vielseitigsten Zeitfahrer gefordert hat. Ich glaube, fast jeder Fahrertyp konnte hier performen – niemand wurde ausgeschlossen. Es war anspruchsvoll, aber für jeden auf seine Weise bewältigbar!“ Und am Ende für alle gleich!