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05.07.2026 | (rsn) – Mit dem Etappensieg hat es auch beim zweiten Besuch des Olympiastadions von Barcelona innerhalb von zwei Tagen für Red Bull – Bora – hansgrohe nicht gereicht. Trübsal blasen musste beim deutschen Rennstall um Florian Lipowitz und Remco Evenepoel am Sonntagabend nach Etappe 2 der Tour de France aber trotzdem niemand:
Der deutsche Tour-Dritte von 2025 verlor zwar zehn Sekunden auf die Besten des Tages und der belgische Tour-Dritte von 2024 schrammte als Dritter knapp am Sieg vorbei. Doch der Realismus gebot Demut.
"Klar: Am Ende geht die Lücke auf und ich verliere ein paar Sekunden. Aber grundsätzlich kann ich, glaube ich, zufrieden sein. Ich hatte mir schon etwas Sorgen wegen heute gemacht, weil der Rundkurs vom Fahrertyp her mir nicht liegt. Aber so kann ich ganz happy sein", sagte Lipowitz am Mannschaftsbus nach dem Ausfahren auf der Rolle der ARD und Evenepoel ordnete gegenüber Sporza ein: "Ich bin vor zwei Jahren auch ein paar Mal Zweiter geworden. Da muss man sich nicht schämen." ___STEADY_PAYWALL___
Florian Lipowitz schaffte es am Ende der Favoritengruppe über die steile letzte Rampe am Montjuic. | Foto: Cor Vos
Der Olympiasieger musste anerkennen, dass das UAE-Duo Isaac Del Toro und Tadej Pogacar das Finale sehr stark gefahren war. "Es war großartig, wie sie das gemacht haben und es war ein wohlverdienter Sieg für sie. Ich konnte es aus der ersten Reihe beobachten, anstatt aus 50 Metern Entfernung. Das ist positiv."
Angesichts der kurzen, steilen Rampen am Montjuic brauchte es für ein Top-Ergebnis auf der 2. Etappe Spritzigkeit, über die Lipowitz weniger verfügt als Co-Leader Evenepoel. Deshalb war der Belgier derjenige, auf den das Red-Bull-Team in Barcelona setzte. Und der kam immerhin auch auf den dritten Platz.
"Wir haben einen sehr starken Remco gesehen, der einen hervorragenden dritten Platz belegt hat. Lipowitz kam in der Gruppe der Favoriten ins Ziel – das ist gut", meinte der Sportliche Leiter Klaas Lodewyck bei Sporza und Teamchef Ralph Denk analysierte gegenüber radsport-news.com: "Wenn man sich das genau anschaut: In der Zielkurve war doch schon ein großer Abstand, aus Remcos Sicht zu groß. Er kam mit einem guten Speed, aber die Zielgerade war zu kurz. Die es am cleversten gemacht haben heute und die auch sehr, sehr gut waren, die haben gewonnen."
Das Team Red Bull – Bora – hansgrohe im Teamzeitfahren am Samstag, an dessen Ende Evenepoel (vorne) als Erster ins Ziel kam. | Foto: Cor Vos
Tatsächlich kam Evenepoel mit einer kleinen Lücke bereits um die letzte Kurve aus der Abfahrt in die rund 700 Meter lange Schlussrampe hinein und schloss oben am Zielstrich noch deutlich auf. Von der reinen Fahrzeit her für die letzten 700 Meter dürfte er der Schnellste gewesen sein. Allerdings darf man nicht vergessen: Pogacar zog nicht voll durch, schaute sich auf den letzten Metern immer wieder um, ließ Del Toro vor sich und hätte aber wohl auch noch mal beschleunigen können, wenn ein Konkurrent wirklich gefährlich geworden wäre.
“Meine Taktik war, in der letzten Kurve eine kleine Lücke zu lassen, in der Hoffnung, dass sie danach etwas an Geschwindigkeit verlieren würden und ich von hinten mit Schwung vorbeifahren kann", erklärte Evenepoel selbst, dass er quasi ein Sprinterloch gelassen hatte, für den Fall, dass vor ihm angesichts des recht langen Weges noch leicht verzögert würde. Doch das wurde es nicht, Del Toro gab von unten weg Vollgas bis oben zum Ziel.
"Das machte es zu einem einminütigen Effort. Schade, dass ich es nur geschafft habe, bis an die Hinterräder heranzukommen. Das war ein Risiko, das ich eingegangen bin - leider hat es sich heute nicht ausgezahlt", meinte der 26-Jährige und spekulierte: "Wenn sie Tempo rausgenommen hätten, hätte ich von hinten springen und vielleicht gewinnen können. Und wenn ich die Lücke nicht gelassen hätte, hätte ich vielleicht gewonnen."
Die Red-Bull-Doppelspitze bei der Pressekonferenz vor dem Tour-Start in Barcelona. | Foto: Cor Vos
Gewinnen, das ist dem Selbstverständnis des deutschen Spitzenteams nach natürlich inzwischen der Maßstab. Das bestätigte auch Teamchef Denk nun in Barcelona noch einmal: "Wir machen keinen Hehl, dass wir heute oder auch gestern gerne gewonnen hätten. Beides hat nicht geklappt, schade", sagte er, ordnete aber auch ein: "Aber es ist jetzt auch kein Weltuntergang. Wir sehen das jetzt viel, viel positiver. Beide sind auf Augenhöhe und haben super Form! Das kann man schon jetzt mal sagen – und wir reden hier ja nur über ein paar Sekunden hin oder her."
Für den Kampf um die Gesamtwertung und das Podium in Paris ist, da sind sich wohl alle Experten einig, bislang noch nichts gewonnen oder verloren. Nach zwei Etappen liegt Evenepoel 15 Sekunden hinter dem Gelben Trikot von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und neun Sekunden hinter Titelverteidiger Pogacar auf Gesamtrang drei, Lipowitz ist 45 Sekunden hinter der Spitze Gesamtachter.