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04.07.2026 | (rsn) – Jeder Radsportfan kennt die Wertungstrikots und weiß meist auch, was sie symbolisieren. Das Gelbe Trikot geht an den Zeitschnellsten, das Grüne an den Punktbesten, das Gepunktete an den Fahrer mit den meisten Zählern an Bergwertungen und das Weiße Trikot an den besten Jungprofi unter 25 Jahren.
Aber wann gibt es wofür wie viele Punkte? Wo gibt es Bonussekunden? Und wann überschreitet ein Fahrer das Zeitlimit und muss aus dem Rennen genommen werden? Diese Systeme werden regelmäßig zumindest in Details überarbeitet und sind für die Dynamik des Rennens wichtig und potenziell entscheidend. Zudem ist manchmal wichtig, was bei Punkt- oder Zeitgleichheit passiert.
Deshalb lohnt sich vor jeder Frankreich-Rundfahrt der genaue Blick ins Reglement.
So funktioniert die Tour der France 2026:
Die Tour führt derjenige an, der in Addition aller Etappen die niedrigste Gesamtzeit gefahren ist. Liegen zwei Fahrer nach Sekunden gleichauf, so werden die Zehntelsekunden aus dem Einzelzeitfahren (16. Etappe) – und zwar nur aus dem, nicht aus dem Teamzeitfahren in Barcelona - herangezogen. Macht auch das keinen Unterschied und bis zum Zeitfahren ist die Addition der Etappenplatzierungen der Fahrer ausschlaggebend: Die niedrigere Summe gewinnt. Liegen zwei Mann trotzdem noch gleichauf, so entscheidet die bessere Position auf der jeweils letzten Etappe.
Die Nachwuchswertung funktioniert nach demselben Prinzip wie die Gesamtwertung. Allerdings werden hier nur Fahrer berücksichtigt, die am oder nach dem 1. Januar 2001 geboren wurden.
Im Ziel jeder Etappe und bei täglich einem Zwischensprint gibt es Punkte für den Kampf um Grün. Diese Wertung soll die Sprinter bevorzugen, so dass die Etappen in Kategorien eingeteilt und unterschiedlich viele Punkte vergeben werden. Für die 113. Frankreich-Rundfahrt wurde das in diesem Jahr sogar noch verschärft und die reinen Flachetappen sowie auch die Zwischensprints sind nun noch wertvoller, als ohnehin schon.
Bei Gleichstand führt derjenige, der mehr Etappen gewonnen hat, danach entscheidet die Zahl der gewonnenen Zwischensprints und schließlich die Platzierung in der Gesamtwertung. Nur wer die alle 21 Tour-Etappen auch beendet, kann das Grüne Trikot gewinnen – wer ausscheidet wird aus dem Ranking gestrichen, egal wie viele Punkte er hatte.
Das Punkteschema
Einzelzeitfahren (16. Etappe) und Bergetappen (19. und 20.):
20, 17, 15, 13, 11, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 Punkte für die Top 15
Mittelschwere Etappen (2., 3., 9. und 18.)
30-25-22-19-17-15-13-11-9-7-6-5-4-3-2 Punkte für die Top 15
Leichte Etappen (4., 13., 17. und 21.)
50-30-20-18-16-14-12-10-8-7-6-5- 4-3-2 Punkte für die Top 15
Flachetappen (5., 7., 8., 11. und 12.):
70-50-40-35-30-26-24-22-20-18-16-14-12-10-8-6-4-2 Punkte für die Top 18
Zwischensprints
25-20-16-14-12-10-8-7-6-5-4-3-2-1 Punkte für die Top 15
An insgesamt 70 Anstiegen werden bei dieser Tour Punkte für das weiße Trikot mit den roten Punkten vergeben, das Bergtrikot. Die Gipfel sind dabei in fünf Kategorien eingeteilt, wobei HC (Hors Catégorie) die anspruchsvollsten Berge auszeichnet.
Bei Gleichstand im Kletter-Klassement entscheidet, wer am meisten HC-Berge als Erster erklommen hat, danach die Siege an Bergpreisen der 1. Kategorie und so weiter bis zur 4. Kategorie. Ist auch dann kein Unterschied auszumachen, ist die Position in der Gesamtwertung ausschlaggebend. Wie in der Punktewertung taucht auch in der Bergewertung am Ende in Paris nur auf, wer auch die komplette Rundfahrt zu Ende gefahren ist.
Das Punkteschema:
Hors Categorie (HC / 6 Berge: 20, 15, 12, 10, 8, 6, 4, 2 Punkte für die Top 8
1. Kategorie (10 Berge): 10, 8, 6, 4, 2, 1 Punkte für die Top 6
2. Kategorie (11 Berge): 5, 3, 2, 1 Punkte für die Top 4
3. Kategorie (18 Berge): 2, 1 Punkte für die Top 2
4. Kategorie (27 Berge): 1 Punkt für den Ersten
Eine Verdopplung der Bergpunkte bei Bergankünften oder auch am Dach der Tour, das in diesem Jahr auf dem Col du Galibier liegt, gibt es 2026 nicht.
Führt ein Fahrer in mehreren Wertungen und ist daher im Besitz mehrerer Trikots, so trägt er immer das höherwertige Trikot. Priorität hat Gelb, dann Grün, dann Gepunktet und dann Weiß. Das andere Jersey trägt in Vertretung der jeweils Zweitplatzierte der jeweiligen Sonderwertung.
Hat ein Fahrer beispielsweise nach der 1. Etappe Gelb, Grün und Weiß, so trägt er Gelb, der Zweite in der Punktewertung Grün und der Zweite in der Nachwuchswertung Weiß. Ist der Zweite in Punkte- und Nachwuchswertung auch gleich, so trägt der Dritte der Nachwuchswertung Weiß.
Das gilt dann, wenn der Zweitplatzierte nicht auch Träger des Weltmeistertrikots oder ein Kontinentaler oder Nationaler Meister ist und ein entsprechendes Jersey trägt. Das wäre in der Gewichtung höher als die Stellvertreterrolle im Wertungstrikot und der Drittplatzierte würde dann das Wertungstrikot überstreifen.
Nach Zeit sortiert sich neben der Gesamt- und der Nachwuchswertung auch das Team-Klassement der Tour. Jeden Tag werden die Zeiten der drei Bestplatzierten jeder Mannschaft addiert, so dass es auch einen Team-Tagessieger gibt. Bei Zeitgleichheit entscheidet hier die Addition der Etappenplätze der drei besten Fahrer, wobei die niedrigere Summe gewinnt. In der Gesamt-Teamwertung entscheidet bei gleicher Zeit die Zahl der Tagessiege im Mannschaftsklassement, danach die zweiten Plätze und so weiter.
Eine Jury unter Vorsitz des Renndirektors wählt jeden Tag den kämpferischsten Fahrer der Etappe. Er bekommt für den Folgetag eine goldene Rückennummer. Am Tour-Ende wird außerdem der kämpferischste Fahrer der gesamten Rundfahrt gekürt. Auch er wird von der Jury gewählt, ist also nicht automatisch ein Fahrer, der mehrmals kämpferischster Fahrer einer Etappe war. Bis 2022 war diese Rückennummer übrigens Rot, durch den neuen Sponsor Century 21 wurde das aber geändert.
Neben dem kämpferischsten Fahrer wählt die Jury unter dem Vorsitz des Renndirektors auch am Ende jeder Tour-Woche den "besten Teamkollegen" der vergangenen Etappen. Außerdem wird am Ende der Tour der "Super Teammate", der beste Teamkollege der gesamten Frankreich-Rundfahrt, gekürt.
Im Ziel aller Etappen, abgesehen von den Zeitfahren, bekommen die Top 3 des Teilstücks 10, 6 und 4 Sekunden für die Gesamt- und Nachwuchswertung gutgeschrieben. Weitere Bonussekunden wird es in diesem Jahr nicht geben.
Gemessen wird für jede Etappe nur auf die Sekunde und es wird immer abgerundet. Zehntel- oder Hundertstelsekunden sind – abgesehen vom Zeitfahren - nur für die jeweilige Etappenplatzierung relevant. Erreichen Fahrer gemeinsam in einer Gruppe das Ziel, bekommen sie alle die Zeit des Ersten der Gruppe. Bei Etappen mit erwarteten Massensprints (4., 5., 7., 8., 11., 12., 17., und 21. Etappe) darf eine Lücke in der Gruppe bis zu drei Sekunden betragen, bevor sie auch als Lücke gewertet wird. Bei allen anderen Etappen zählt jede Lücke ab einer Sekunde zwischen dem letzten Fahrer einer Gruppe und dem ersten Fahrer der nächsten Gruppe.
Wird ein Fahrer durch einen Sturz oder Defekt auf den letzten 3.000 Metern einer Etappe aufgehalten, bekommt er trotzdem die Zeit derjenigen Gruppe berechnet, in der er sich zu diesem Zeitpunkt aufgehalten hat. Bei erwarteten Sprintankünften kann die Jury die Regel auf vier oder fünf Kilometer vor dem Ziel ausweiten. Das gilt nicht bei den ansteigenden Zielankünften der Etappen 1, 3, 6, 14, 15, 18, 19 und 20. sowie natürlich auch nicht in den Zeitfahren.
Jeden Tag bleibt nur im Rennen, wer innerhalb einer Maximalzeit das Ziel erreicht. Wie groß diese Karenzzeit bemessen ist, richtet sich nach der Zeit des jeweiligen Etappensiegers und dessen Durchschnittsgeschwindigkeit sowie dem Schwierigkeitsgrad der Etappe – dabei sind die Etappen in sieben Koeffizienten eingeteilt. Grob gilt: Je schwerer die Etappe und je schneller der Sieger, desto größer darf der Rückstand eines Fahrers im prozentualen Verhältnis zur Siegerzeit sein.
Koeffizient 1 (5., 7., 8., 11., 12. Etappe):
Maximaler Rückstand zwischen 5% der Siegerzeit bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 38 km/h und 12% bei über 50km/h. Dazwischen kommt bei zwei km/h Geschwindigkeitszuwachs je ein Prozentpunkt drauf.
Koeffizient 2 (4., 13., 17. und 21. Etappe):
Maximaler Rückstand zwischen 8% der Siegerzeit bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 37 km/h und 18% bei über 46km/h. Dazwischen kommt bei jedem Kilometer pro Stunde Geschwindigkeitszuwachs ein Prozentpunkt drauf.
Koeffizient 3 (2., 3., 9. und 18. Etappe):
Maximaler Rückstand zwischen 11% der Siegerzeit bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 36km/h und 20% bei über 44km/h. Dazwischen kommt bei jedem km/h Geschwindigkeitszuwachs ein Prozentpunkt drauf.
Koeffizient 4 (6., 10., 14. und 15. Etappe):
Maximaler Rückstand zwischen 9% der Siegerzeit bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 31km/h und 19% bei über 40km/h. Dazwischen kommt bei jedem km/h Geschwindigkeitszuwachs ein Prozentpunkt drauf.
Koeffizient 5 (19. und 20. Etappe):
Maximaler Rückstand zwischen 11% der Siegerzeit bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 29km/h und 19% bei über 36km/h. Dazwischen kommt bei jedem km/h Geschwindigkeitszuwachs ein Prozentpunkt drauf.
Koeffizient 6 und 7 (1. und 16. Etappe):
Im Einzelzeitfahren der 16. Etappe und auch im Teamzeitfharen der 1. Etappe beträgt der maximale Rückstand pauschal 30% zur Siegerzeit, egal wie schnell oder langsam diese ist.
Der Rennjury ist vorbehalten, in Einzelfällen einzelne Fahrer oder auch Gruppen im Rennen zu behalten, obwohl sie die Karenzzeit überschritten haben. Mögliche Gründe dafür können extreme Wetterbedigungen, besonderes Pech oder auch äußere Einflüsse wie Straßensperren sein.