Lipowitz Siebter am dritten Tourtag

UAE-Königsduo dominiert Schlussanstieg - Pogacar vollendet

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "UAE-Königsduo dominiert Schlussanstieg - Pogacar vollendet"
Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) unterstreicht seine Vormachtstellung bei der Tour de France | Foto: Cor Vos

06.07.2026  |  (rsn) - Auf der 3. Etappe der Tour de France 2026 hat das Königsduo von UAE – Emirates – XRG erneut zugeschlagen. Vortagessieger Isaac Del Toro zog im Schlussanstieg nach Les Angles den Hügelsprint für Tadej Pogacar an – der hatte auf den letzten 200 Metern keine Mühe mit der Konkurrenz, gewann das Rennen und holte sich das Gelbe und Grüne Trikot.

Nach 196 Kilometern erreichte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) das Ziel mit zwei Sekunden Rückstand als Zweiter vor den zeitgleichen Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) und Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Dahinter ging eine weitere Lücke auf. Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) war als Fünfter Schnellster von sechs Fahrern, zu denen auch Florian Lipowitz und Remco Evenepoel (beide Red Bull – Bora – hansgrohe) gehörten.

Pogacar und Del Toro scheinen bei dieser Tour ein perfektes Duo zu sein, wie schon die Freude des Slowenien über den Tageserfolg seines Helfers in Barcelona nahelegte. Auch nach seinem eigenen Sieg dachte er zuerst an den Mexikaner. "Es ist wegen ihm: Isaac hat mir heute Extra-Power gegeben im Finale. Er hat sich im Schlussanstieg mehr als zu 100 Prozent eingesetzt“, lobte er den Tagesneunten.

Ein Kraftakt, um den Etappensieg zu holen, sei eigentlich nicht geplant gewesen. Da sich aber lange keine Gruppe bildete und die letztendlich doch entstandene von Visma – Lease a Bike an der kurzen Leine gehalten wurde, änderte man die Taktik. “Wir haben zur Rennmitte entschieden, dass es möglich ist, auf Sieg zu fahren und ich bin wirklich happy, dass wir die Tour so beginnen konnten. Es war ein unglaubliches Finish heute", freute sich Pogacar im Ziel-Interview.

Die Bonussekunden im Ziel führten auch dazu, dass Pogacar seinem ewigen Konkurrenten Vingegaard die Führung abnahm. "Das Gelbe Trikot zu übernehmen ist der Traum jedes Fahrers, jeden Alters. Für mich ist es jetzt das ich weiß nicht wievielte Mal. Aber jedes Mal, wenn ich es überstreifen kann, fühlt es sich besonders an. Ich weiß nicht, wie lange es jetzt bei mir bleibt, aber ich werde wieder jeden Moment genießen", versprach er.

Die deutschen Fahrer konnten sich in der belebten Anfangsphase am dritten Tag der Tour de France nicht in Szene setzen. Lediglich Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) zeigte sich in einem der zahlreichen Ausreißversuche. Im Finale war es wie erwartet Lipowitz, der sich am stärksten präsentiert. Er musste zwar 300 Meter vor seinem Co-Kapitän das Hinterrad der Vordermänner loslassen, erreichte das Ziel letztendlich aber vor dem Belgier. Das Red-Bull-Duo beendete das Rennen auf den Plätzen sieben und acht.

“Es war ein superharter Tag. Der Start war schon superschnell. Ich habe auch ein bisschen mit der Hitze zu kämpfen gehabt“, gab Lipowitz bei der ARD zu. “Aber das Team hat einen super Job gemacht, mich mit Eis und Wasser zu kühlen. Dann hieß es hier am letzten Anstieg so lange wie möglich dranzubleiben. Ich bin ganz happy mit heute und ganz zuversichtlich. Aber ich freue mich, dass es für zwei Tage ein bisschen flacher wird und dann geht es hoch zum Tourmalet“, blickte der Deutsche voraus.

Im Klassement führt Pogacar vor dem zeitgleichen Vingegaard. Dritter ist Evenepoel mit 23 Sekunden Rückstand. Auch in der Punktewertung ist der Weltranglistenerste nun vorn. Ausreißer Alex Baudin (EF Education – EasyPost) übernahm das Bergtrikot. Bester Nachwuchsfahrer ist der Gesamtvierte Del Toro.

So lief die 3. Etappe der Tour de France:

Trotz ausgiebiger Versuche schafften es die ausreißwilligen Fahrer nicht, sich in der Anfangsphase längerfristig vom Peloton abzusetzen. So gewann Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) nach 17 Kilometern an der Côte de Saint Feliu de Codines (3.Kat.) 2 Bergpunkte vor Javier Romo (Movistar). Das Feld ging zwar wenige Meter dahinter leer aus, holte die Ausreißer kurz danach aber ein. Bei einem Massensturz wurde in dieser Phase Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) behindert. Der Riss im Peloton konnte aber schnell wieder gekittet werden.

In der nächsten Rennstunde jagte ein Angriff den nächsten, so wie die Fahrer einander unentwegt jagten. Erst 125 Kilometer vor dem Ziel gönnte sich das Feld eine Pinkelpause, als alle mit der entstandenen Situation zufrieden waren. Kurz davor hatten sich – in mehreren Scheiben – 19 Fahrer gelöst. Bestplatzierter war Baudin auf 1:07 Minuten von Vingegaard. Auch Egan Bernal (Netcompany – Ineos), Mads Pedersen (Lidl – Trek), Mauro Schmid, Luke Plapp (beide Jayco – AlUla) sowie Magnus Cort (Uno-X Mobility) waren im Gegensatz zu deutschen Fahrer dabei.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Bernal hatte kurz danach einen Platten. Er verlor 40 Sekunden und den Anschluss an die Autokarawane. Allein im Wind hatte er keine Chance gegen die anderen 18. Pedersen holte sich in Campdevànol die 25 Punkte bei der Sprintwertung. Da betrug der Abstand zwischen Ausreißer und dem von Visma und UAE angeführten Feld 2:50 Minuten.

Als die Straße bergauf führte, ging es mit dem Vorsprung allerdings schnell bergab. Eingangs der letzten 80 Kilometer war die Meute schon wieder auf 1:30 Minuten dran. Das führte vorn zu Uneinigkeit und so fasste sich Raul Garcia Pierna (Movistar) 78 Kilometer vor dem Ziel ein Herz und zog anfangs des Anstieg zum Col de Toses (1.Kat.) davon. Es dauerte sieben Kilometer, bis der Spanier von Vlad Van Mechelen (Bahrain Victorious) und Matteo Vercher (TotalEnergies) Gesellschaft bekam.

Eingangs der letzten 70 Kilometer stießen auch Baudin, Nicolas Prodhomme (Decathlon – CMA CGM) und George Bennett (NSN) zur Spitze vor, zwei Kilometer später bekam Baudin die 10 Bergpunkte recht kampflos überreicht. 36 Kilometer später bedankte er sich dafür im nächsten Anstieg, dem Col du Calvaire (3.Kat.), mit einer Attacke, der nur Prodhomme folgen konnte.

Am Wertungsstrich durfte Baudin 22 Kilometer vor dem Ziel wieder die Punkteaufsammeln und in der Abfahrt hatte Prodhomme dann keine Lust mehr, seinem Landsmann zu folgen. Der musste mit 45 Sekunden Vorsprung auf die Meute allein weiter. Mit noch 11,4 zu fahrenden Kilometern war es dann aber auch um den letzten Ausreißer geschehen. UAE führte das dezimierte Peloton in den Schlussanstieg.

Dort machte Isaac Del Toro Tempo für Pogacar. Lipowitz konnte 600 Meter vor dem Ziel nicht mehr mitgehen, Evenepoel passte 300 Meter später. Da hatte der Mexikanische Meister nur noch vier Fahrer am Hinterrad. Als er mit noch 200 zu fahrenden Meter ausscherte, trat Pogacar an. Dem konnte niemand im Ansatz folgen und er gewann die Etappe mit großem Vorsprung.

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