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06.07.2026 | (rsn) – Jetzt hat er es hinter sich. Arnaud De Lie (Lotto – Intermarché) ist im Finale der 3. Etappe der Tour de France 2026 vom Rad gestiegen. Beim Giro d’Italia hatte er auf der 4. Etappe bereits das gleiche getan – aus gleichem Grund. Der Belgier war kurz vor beiden Grand Tours erkrankt.
Am Freitag bei der Mannschaftspräsentation fehlte der Wallone bereits. Am Samstag bei der Kursbesichtigung des Teamzeitfahrens mit seinen Kollegen stieg er vorzeitig ins Auto. Als es ernst wurde, sah der 24-Jährige vor dem Start aus, als würde er jeden Moment auf die Startrampe brechen. Das Rennen beendete er mit 2:33 Minuten Rückstand auf den Sieger – umgeben von vier Teamkollegen.
___STEADY_PAYWALL___Auf Besserung wurde gehofft. Besserung trat nicht ein. Auf der 2. Etappe war De Lie der Erste, der in Probleme geriet – und der Letzte, der das Ziel erreichte. Mit seinem für ihn abgestellten Teamkollegen Baptiste Veistroffer kämpfte er weit hinter dem Feld ums sportliche Überleben. Diese Schlacht wurde gewonnen. Das Lotto-Duo benötigte für die vermutlich längsten 168 Kilometer ihrer Karriere 18:25 Minuten länger als die Favoriten um Sieger Isaac Del Toro (UAE – Emirates - XRG.
Doch nach der Schlacht vom Montjuic sollte die folgende für De Lie auch die letzte werden. Profil und Wetter sprachen gegen den Sprinter. “Es war ein weiterer schneller Start mit einem Anstieg. Arnaud geriet schnell in Schwierigkeiten, aber ein Teamkollege und andere Fahrer waren noch bei ihm. Es war noch nicht direkt eine Katastrophe“, blickte Pieter Vanspeybroeck, Sportlicher Leiter bei Lotto – Intermarché, am Sporza-Mikrofon zurück.
De Lie und Veistroffer waren schon vor dem Rennen unzertrennlich. | Foto: Cor Vos
Wieder wurde Veistroffer abgestellt. Dieses Mal gesellten sich – unfreiwillig – aber auch Arvid de Kleijn (Tudor) und Robbe D’Hondt (Picnic – PostNL) zu den Lotto-Profis. Und zumindest der Belgier litt mit seinem Landsmann mit. Schon beim Giro schwappte De Lie eine Welle der Solidarität aus dem Feld entgegen. Vor allem Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) fiel in Italien auf.
Nun trat D’Hondt nach dem Rennen bei Sporza zum Gespräch an und er zeigte Mitgefühl für den leidenden Kontrahenten. “Wir haben es kommen sehen. Arnaud hatte einen wirklich, wirklich schlechten Tag. Wenn wir noch länger gewartet hätten, hätten wir die Zeit nicht geschafft. Wir haben alles gegeben, um den härtesten Anstieg zu bewältigen, um das Gruppetto zu erreichen. Wenn wir das nicht rechtzeitig geschafft hätten, hätten wir es selbst nicht geschafft“, entschuldigte er sich dafür, De Lie im Verlauf der Etappe zurückgelassen zu haben.
“Ich habe versucht, Arnaud zu ermutigen. Wir brauchten einander und wir haben versucht, ihn anzufeuern und ihm Wasser zu geben, aber es hat nicht geholfen. Man kann anderen helfen, aber ich musste auch an mich selbst denken. Ich hatte auch nicht meinen besten Tag“, so der Grand-Tour-Debütant, der das Ziel 38 Minuten nach dem Sieger und 10 vor dem Ablaufen des Zeitlimits erreichte. De Kleijn brauchte drei Minuten länger als der 22-Jährige. Veistroffer fuhr allein noch aufs Gruppetto auf und führte dies mit 36:27 Minuten Rückstand ins Ziel.
Bei De Lie dahingegen gingen die Lichter aus. Schon früh musste man sich Sorgen um ihn machen. Eine Zeit lang konnte seine Gruppe den Rückstand auf das Gruppetto auf zwei Minuten beschränken, dann ging die Lücke aber sukzessive auf. Links oben tauchte sein Name immer wieder in der Ecke des TV-Geräts auf: +15:00, +20:00, +30:00 – als die Besten das Ziel erreichten, lag der Letzte im Rennen 40 Minuten zurück, das Zeitlimit wurde da auf ungefähr 50 Minuten gerechnet, 48 :29 sollten es exakt werden.
De Lie hat die Rückseite von Veistroffer gut studiert. | Foto: Cor Vos
“Da wir wussten, dass es extrem schwierig werden würde, das Zeitlimit einzuhalten, hatten wir Veistroffer schon 50 oder 60 Kilometer vor dem Ziel vorausgeschickt; wir wollten dieses Risiko nicht eingehen“, erklärte der Sportliche Leiter Kurt Van De Wouwer gegenüber Wielerflits. Von da ab musste De Lie seinen Kampf gegen seinen Körper allein kämpfen. Und der war aussichtslos. “Arnaud gab das Rennen schließlich an der letzten Verpflegungszone auf, als noch etwas mehr als 20 Kilometer zu fahren waren. Wenn man das Pech hat, drei Tage vor dem Start krank zu werden, ist einem natürlich klar, dass es ein Kampf ums Überleben wird. Leider hat er es nicht geschafft“, so Van De Wouwer.
Vanspeybroeck zog derweil ausdrücklich den Hut vor seinem Schützling: “Arnaud ist noch stark gefahren, aber man konnte sehen, dass er sich nicht normal erholte. Er wollte weitermachen, aber wir behielten den Zeitabstand im Auge. Wir sagten ihm: ‘Ein großes Lob dafür, dass du so gekämpft hast.‘ Ich fand ihn ganz ruhig und konnte mit ihm darüber reden. Er war mit den Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, einverstanden. Ich fand ihn mental sehr stark. Er hat immer Druck gemacht und wollte kämpfen. Wir haben ihn die ganze Zeit dabei unterstützt.“
Letztendlich trat auch De Lie noch vor einige Belgische Medienvertreter. "Es ist natürlich eine enorme Enttäuschung. Ich habe Monate auf die Tour de France hingearbeitet und träumte davon, um Sprintsiege zu kämpfen“, erzählte er. “Leider hat mich diese Mageninfektion sehr geschwächt. Ich habe auf den ersten beiden Etappen alles gegeben, aber heute hatte ich einfach nicht mehr die Beine, um noch weiter zu fahren“, gab er zu. Jetzt hat er es hinter sich.
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