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09.07.2026 | (rsn) – Auch die 6. Etappe der Tour de France 2026 wurde zu einer Machtdemonstration von Tadej Pogacar und UAE – Emirates – XRG. Der Weltmeister schüttelte am Tourmalet nach einer Tempoverschärfung seines Edelhelfers Isaac Del Toro alle Kontrahenten ab. Der Mexikanischer Meister musste wenig später ebenfalls die Segel streichen und sein Kapitän zog die letzten 42 Kilometer als Solist einsam seine Kreise.
Das Ziel in Gavarnie-Gèdre erreichte Pogacar nach 186 Kilometern genau 2:38 Minuten vor Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), der chancenlos war und sich mit Rang zwei begnügen musste. 19 Sekunden hinter dem Dänen machten acht Verfolger den dritten Platz unter sich aus. Den sicherte sich Del Toro vor den zeitgleichen Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe), Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe).
Tour-Etappensieg Nummer 23 war einer der beeindruckendsten, die Pogacar bei seinen bisherigen sieben Teilnahmen errungen hat. “Ich glaube, der ist in den Top 5 meiner Siege bei der Tour. Ich hatte ein paar Flashbacks zur 6. Etappe bei der Tour de France 2023, als es auch über den Tourmalet ging. Es war damals ein ähnliches Ziel. Es ist ein unglaublicher Sieg, mit Sicherheit einer der Süßesten“, jubelte der Slowene im Ziel-Interview.
Der Plan für die entscheidende Attacke entstand nach der Sprintankunft in Pau. “Als wir gestern nach der Etappe mit dem Bus zurückgefahren sind, war der Hype bei den Jungs sehr groß. Alle haben da bereits über die heutige Etappe gesprochen. Ich bin heute schon um 7 Uhr aufgewacht. Mein Kopf hat da schon verrückt gespielt. Ich wusste, dass die Jungs supermotiviert sind und es somit ein guter Tag werden würde“, erzählte der Weltranglistenerste.
Dass er neben dem Tagessieg auch das Gelbe Trikot erringen würde, kam für Pogacar allerdings überraschend. Er profitierte dabei allerdings von einem Sturz des Trägers des Gelben Trikots. “Ich habe gerade gehört, dass Torstein Traeen auf der Abfahrt vom Tourmalet schlimm gestürzt ist. Es ist eine ziemlich schlechte Abfahrt. Vor allem, wenn man eine Kurve verpasst. Ich hoffe, dass er okay ist. Ich hätte es lieber gehabt, dass er das Gelbe Trikot noch behält“, sagte Pogacar.
Der 30-jährige Traeen, der nach einem Fahrfehler das Hinterrad eines Teamkollegen touchiert hatte und hart auf dem Asphalt aufgeschlagen war, konnte nach längerer Behandlungspause an der Strecke weiterfahren und erreichte das Ziel auf Rang 51 mit 29:55 Minuten Rückstand.
Vingegaard fuhr die letzten Meter nicht mehr voll und wirkte zum Ziel resigniert. “Es war ein sehr harter Tag. Es war natürlich nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber so ist das manchmal. Ich glaube nicht, dass ich auf meinem höchsten Level war. Es war nicht mein bester Tag. Aber so ist das eben. Natürlich bin ich enttäuscht. Das muss auch so sein“, sagte der Giro-Gesamtsieger gegenüber Eurosport, um dann aber doch noch nach vorn zu schauen. “Ich glaube immer noch an mich. Ich glaube immer noch, dass meine Beine im Laufe des Rennens besser werden. Der Kampf ist noch nicht vorbei“, kündigte er an
Lipowitz fehlten am Tourmalet rund zehn Meter zum rettenden Hinterrad von Vingegaard, das er im Moment der Attacke von Pogacar verloren hatte. Doch dann ging die Lücke wieder auf. “Am Tourmalet haben die Beine nicht ganz gereicht. Danach fahre ich vorne natürlich nicht mit, wenn ich Remco hinten habe. Und dann kommt die Gruppe zurück“, erzählte der 25-Jährige bei der ARD. Die Zusammenarbeit in der Gruppe klappte dann aber nicht gut genug. “Es wollte auch keiner superhart fahren. Dann haben wir es nicht ganz geschafft, Jonas zurückzuholen. Aber ich denke, die Teamvorstellung war top“, fügte Lipowitz an.
Pogacar führt nach seiner Machtdemonstration im Klassement nun 2:42 Minuten vor Vingegaard und scheint unaufhaltsam seinem fünften Gesamtsieg entgegenzustreben. Del Toro (+3:27) rückte vom achten auf den dritten Platz vor, gefolgt von Evenepoel (+3:34), Juan Ayuso (Lidl – Trek / +3:34), Seixas (+3:55) und Lipowitz, dessen Rückstand auf Pogacar genau vier Minuten beträgt.
.Auch das Bergtrikot holte sich der Überflieger zurück. Mads Pedersen (Lidl – Trek) sicherte sich als früher Ausreißer den Zwischensprint und baute seine Führung im Punkteklassement aus. Del Toro wiederum ist zurück im Weißen Trikot zurück. Keine Veränderungen gab es an der Spitze der Teamwertung, die Lidl – Trek deutlich vor Red Bull – Bora – hansgrohe anführt.
Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) jagte direkt nach dem Startsignal aus dem Feld davon. Huub Artz (Lotto – Intermarché) und Pedersen kamen später an den Belgier ran, weitere Versuche aus dem Feld, zum Trio aufzuschließen, scheiterten jedoch. Die Ausreißer setzten sich bis auf 1:30 Minuten ab, ehe Artz sich mit noch 150 zu fahrenden Kilometern zurückfallen ließ. Zuvor wurde von der Jury aus dem Begleitwagen heraus seine Position auf dem Rad bemängelt. Das hatte den Belgier so frustriert, dass er die Beine hochnahm.
An der Bergwertung zur Côte de Loucrup (4.Kat.) nach 50 Kilometern explodierte das Feld kurzzeitig. Rund 20 Fahrer setzten sich nach einer Tempoverschärfung von Netcompany – Ineos ab, dazu gehörte auch Pogacar. Der Versuch blieb erfolglos, aber einige Sprinter und auch Evenepoel, der kurz zuvor eine Pinkelpause eingelegt hatte, gerieten ins Hintertreffen. Pedersen holte sich den Bergpunkt und lag mit seinem Begleiter noch 30 Sekunden vor dem Feld.
Die verteidigte das Duo auch bis zum Zwischensprint in Pouzac zehn Kilometer später. Dort holte sich der Däne die von ihm anvisierten 25 Zähler. Im Feld war erneut Max Kanter (XDS – Astana) der Schnellste und konnte sich 16 Zähler gutschreiben lassen. Eingangs der letzten 120 Kilometer wurden die Ausreißer gestellt, Evenepoel kehrte mit dem zweiten Teil des Feldes fünf Kilometer später zur Spitze des Rennens zurück.
Das Streckenprofil der 6. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
An der Côte de Mauvezin (3.Kat.) lösten sich Mikel Azparren (Pinarello - Q36.5) und Ben O'Connor (Jayco – AlUla) aus dem Feld. Der Australier sicherte sich 108 Kilometer vor dem Ziel die zwei Bergpunkte vor dem Spanier, das inzwischen dezimierte Feld folgte 22 Sekunden dahinter. Kurz danach musste O’Connor ohne den Spanier weiterziehen, während UAE im Feld das Kommando übernahm. Mit Uno-X, dem Team des Gelben Trikots, führten sie das Feld 50 Sekunden nach O’Connor und 80 Kilometer vor dem Ziel in den Col d’Aspin (1. Kat.) hinein.
Mit noch 73 zu fahrenden Kilometern war es dann auch um den Jayco-Kapitän geschehen. Zunächst Nils Politt und anschließend Tim Wellens sorgten als Pogacar-Helfer für ein Tempo, dem der Ausreißer nichts entgegensetzen konnte. Zwei Kilometer vor dem Wertungsstrich griff Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) an. Sein Vorsprung blieb klein und 400 Meter vor der Kuppe kam Lenny Martinez (Bahrain Victorious) hinzu. Im Zweiersprint mit noch 67 zu fahrenden Kilometern war Martinez einige Millimeter dann schneller als sein Landsmann.
Nach der Abfahrt ging es direkt weiter mit dem Tourmalet (HC), wo UAE weiter die Schlagzahl vorgab. Die war dem Gesamtführenden Traeen 48 Kilometer vor dem Ziel zu hoch, als der Österreicher Felix Großschartner das Tempo weiter erhöhte, was für viele Kontrahenten das direkte Ende ihrer Ambitionen bedeutete. Kurz darauf war Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) der Erste der Klassementfahrer, der passen muss.
Kurz danach erhöhte Del Toro das Tempo, dem nur sein Kapitän folgen konnte. Dahinter folgten Vingegaard und Seixas, wobei der Franzose den Dänen dann aber ziehen lassen musste. Auch Lipowitz zog an Seixas vorbei und kam fast an den Visma-Kapitän heran. Vorn ließ Pogacar seinen Teamkollegen stehen, der sich bei Vingegaard ans Rad klemmte. Lipowitz konnte die kleine Lücke nicht schließen und verlor Meter um Meter. Auch Del Toro konnte dem zweimaligen Toursieger nicht mehr folgen. Er fiel zu Lipowitz zurück, beide wurden dann ihrerseits von Seixas eingeholt.
Am Gipfel des Tourmalet 38 Kilometer vor dem Ziel lag Pogacar 30 Sekunden vor Vingegaard und 1:27 Minuten vor Seixas, Lipowitz und Del Toro. Kurz dahinter folgte eine Gruppe um Evenepoel, Mattias Skjelmose, Juan Ayuso (beide Lidl – Trek), Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) und Martinez, die in der Abfahrt zum Tiro um Lipowitz aufschloss. Pogacar dagegen vergrößerte weiter seinen Vorsprung. Am Fuß des Schlussanstieges lag er 1:10 Minuten vor Vingegaard, der seinerseits 40 Sekunden Vorsprung auf die nun acht Verfolger hatte.
Dort funktionierte die Zusammenarbeit zunächst nicht, so dass die Verfolger trotz des relativ flachen Anstiegs keine Zeit auf Vingegaard gutmachen konnten. Der wiederum büßte weiter Zeit auf den Spitzenreiter ein, eingangs der letzten fünf Kilometer betrug der Abstand der beiden Superstars erstmals zwei Minuten. Im Finale bemühte sich vor allem Evenepoel in seiner Gruppe um das Tempo, wodurch die noch ein paar Sekunden auf Vingegaard aufholte, dessen Rückstand auf Pogacar im Ziel auf 2:38 Minuten angewachsen war.
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