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16.07.2026 | (rsn) - Reden hilft. Diese Weisheit bestätigte sich auf der 12. Etappe der Tour de France mal wieder. Da sah man Mads Pedersen (Lidl – Trek) mal festgehakt am Jury-Fahrzeug, mal brav daneben pedalierend, wie es eigentlich Sitte sein sollte, vor allem aber sah man ihn auf den Rennkommissär einredend.
Denn in Gefahr waren die 20 Punkte, die er sich als Zweiter des Zwischensprints im Loire-Örtchen Decize hinter Ausreißer Baptiste Veitstroffer (Lotto – Intermarché) geholt hatte. Pedersen war dabei nach rechts gedriftet. Das kann man als Verlassen der Fahrlinie interpretieren, was gewöhnlich mit Versetzung an die letzte Position der Gruppe bestraft wird. Erschwerend kam hinzu, dass Rivale Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) Speed rausnehmen musste. Andernfalls wäre der Belgier in die Barrieren gekracht, weil Pedersen die Tür zum Vorbeikommen mit seinem Rechtsmove verschlossen hatte. ___STEADY_PAYWALL___
Die Jury zögerte dann auch bei der Punktevergabe. Sie beriet sich, wie auch während der Live-Übertragung berichtet wurde und holte über Funk sowohl das Teamfahrzeug von Lidl - Trek als auch den Übeltäter selbst zu sich. Was dort genau ausgetauscht wurde, blieb das Geheimnis der Jury, von Pedersen und auch vom Sportlichen Leiter Steven de Jongh, der im ersten Auto saß.
Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) wurde im Zwischensprint der 12. Etappe benachteiligt, nahm es aber locker. | Foto: Cor Vos
De Jongh erläuterte nach der Etappe RSN immerhin seine Sichtweise: “Mads ist auf die rechte Seite gefahren, um sich vor dem Wind zu schützen. Philipsen hat kurz rausgenommen für einen Moment." Dass dies als regelwidrig gewertet werden könnte, schien de Jongh nicht einleuchtend. "Über das Radio wurde Mads auch immer die volle Punktzahl zugewiesen ", betonte er. Und als allerbestes Argument im Sinne seines Rennstalls konnte er anführen, dass sich Philipsen ja auch nicht aufgeregt und vielmehr Pedersen kurz nach dem Sprint mit Handschlag gratuliert hatte.
Der Belgier schien später im Ziel auch keinerlei Neigung verspüren, noch nachzukarten. Auch unmittelbar am Geschehen Beteiligte sahen keinen Grund zur Aufregung. Max Kanter (XDS – Astana), Fünfter im Zwischensprint, meinte zu RSN im Ziel: “Ich habe davon gar nicht so viel mitbekommen. Ich weiß auch nicht, was die Jury da jetzt entschieden hat.“ Und salomonisch fügte er an: “Die werden schon die richtige Entscheidung getroffen haben.“
Mads Pedersen (Lidl – Trek) sammelte auch auf der 12. Tour-Etappe Punkte sowohl beim Zwischen- als auch im Zielsprint. | Foto: Cor Vos
Darüber kann man geteilter Meinung sein. Wenn man als Linie, die es im Sprint nicht zu verlassen gilt, eine Parallele zur Straßenbegrenzung annimmt, dann hat Pedersen klar gegen diese Regel verstoßen. Eine Diagonale ist aber auch eine Linie. Und die hielt der Mann in Grün eben ein. Und wenn dann noch der Wind so mitspielte, wie de Jongh es sagte, ist am Manöver des Dänen auch nichts mehr auszusetzen.
Philipsens Handschlag deutet daraufhin, dass er es genauso sah. Eine etwas unglückliche Figur machte auf den ersten Blick die Jury, erst recht nach der zunächst gefällten, dann wieder zurückgenommenen Sanktionierung von Philipsen nach dem Zielsprint am Tag davor.
Aber auch hier kann man ein Andererseits einfügen: Ist es nicht gerade ein Ausweis von Qualität und Souveränität, dass eine Jury sich revidieren kann? Dass sie auch nicht nach Ansicht der TV-Bilder selbstherrlich entscheidet, wie es so oft der VAR im Fußball tut, sondern zusätzlich die Sichtweise der Beteiligten einholt? Eine Jury als Institution mit einer Lernkurve – das ist doch genau das, was Vertrauen herstellt.
Die Gelassenheit im Peloton war bei diesem Casus ein recht interessantes Kontrastprogramm zur Aufregung unter den Kommentatoren und in Fernsehsesseln. Und man wünscht sich, dass jeder Zwist, oder vermeintliche Zwist, so locker aufgelöst wird wie mit jenem Handschlag zwischen Pedersen und Philipsen in Decize.
Anmerkung der Redaktion: So ganz sauber schien Pedersens Move der Jury dann doch nicht - schließlich erhielt er eine Verwarnung wegen "Abweichens von der gewählten Fahrlinie, wodurch ein anderer Fahrer behindert oder gefährdet" wurde, wie es im offiziellen Kommuiqué am Abend hieß.
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