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19.07.2026 | (rsn) – Die 14. Etappe der Tour de France von Mulhouse durch die Vogesen zum Ausflugsziel Le Markstein an der Panoramastraße Route des Cretes hat gehalten, was sie versprach: Trotz heftiger Regenschauer inklusive Blitz und Donner wurde das 155 Kilometer lange Teilstück zur riesigen Radsportparty mit stark deutschem Einschlag.
Selbst auf einen deutschen Etappensieg konnten die Fans kurzzeitig hoffen, als Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) rund fünf Kilometer vor dem Gipfel des Col du Haag und elf Kilometer vor dem Ziel attackierte. Dass er am Ende des Tages zwölf Sekunden auf seine Kontrahenten im Kampf ums Podium einbüßte, trübte das Radsportfest aber keineswegs. "Ich muss ein riesen Dankeschön an die ganzen Fans sagen! Es war unglaublich, wie viele an der Strecke waren. Ich habe die ganze Zeit meinen Namen gehört", schickte der deutsche Hoffnungsträger daher all seinen anderen Aussagen zum Rennen im ARD-Interview voraus.
Ohne belastbare Zahlen zu haben und rein gefühlt: Seit 20 Jahren standen nicht mehr so viele deutsche Fans am Streckenrand und am Ende zog auch Etappensieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) höchstpersönlich den Hut.
"Ich muss mich bei allen Fans bedanken, die zur Strecke gekommen sind: Das war unglaublich an den Anstiegen, wirklich unvergesslich und etwas, das ich so noch nicht erlebt habe – eine der verrücktesten Atmosphären meiner bisherigen Karriere", zeigte sich der Mann im Gelben Trikot beeindruckt.
Beeindruckende Kulisse am Col du Haag. | Foto: Cor Vos
Schon als radsport-news.com am Morgen von Mulhouse aus über den Grand Ballon zum Etappenziel die Strecke entlangfuhr – anders als die meisten Medienvertreter wählten wir den Weg auf der Original-Route, um möglichst viel Atmosphäre aufzusaugen, anstatt der zeitlich kürzeren Variante über die eigentlich für die Presse vorgesehene Ausweichroute – musste man staunen:
Über mehr als 20 Kilometer entstand eine regelrechte Fahrrad-Schlange mit kaum einer Lücke und meist zwei bis drei Radlern und Radlerinnen nebeneinander. Ganz zu schweigen von den ohnehin bei solchen Bergetappen meist am Streckenrand stehenden Wohnmobilen und anderen Fancamps – und ein Großteil der Nummernschilder am Straßenrand war deutsch.
"Absoluter Heimvorteil heute. Ich glaube es hätte keinen Unterschied gemacht, ob wir auf der anderen Seite im Schwarzwald gefahren wären, oder hier im Elsass. Unglaubliche Stimmung! Das war schon 2023 klasse hier, aber heute war wirklich – ja, ich hab' selten so etwas erlebt", erzählte Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) im Ziel, dass er als 110. in einem der Gruppettos fünf Minuten vor Ablauf der Karenzzeit erreicht hatte.
Und ähnlich klangen auch all seine Landsleute, die an Le Markstein ankamen und sich noch Zeit für ein kurzes Gespräch nahmen – alle euphorisiert von der Tatsache, auch so viele bekannte Gesichter gesehen zu haben. "Es war unglaublich mit den Fans. Der Scheidegger Fanclub stand auch hier oben in der letzten Kurve, das war ein besonderes Gefühl", sagte Georg Steinhauser (EF Education – Oatly) beispielsweise der ARD, und RSN traf im Zielbereich dann auch noch die Pfälzer im Peloton:
Niklas Märkl (Picnic – PostNL) und Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) hatten beide ihre Familien an der Strecke. "Man hat natürlich nach seinen Kumpels, seinen Freunden und der Familie Ausschau gehalten, die ganz verteilt über die Strecke irgendwo an den Bergen standen", erzählte Märkl, während Ackermann erklärte, dass für einen kurzen Zwischenstopp bei den Liebsten – wie früher manchmal geschehen - keine Zeit war.
Pascal Ackermann und Niklas Märkl mit dessen Eltern, die im vergangenen Jahr die Deutschen Meisterschaften in Linden ausgerichtet haben, im Ziel. | Foto: Felix Mattis
"Ich sag's mal so: Wir halten aktuell nicht mal zum Pinkeln an, weil wir Angst haben, dass wir nicht mehr zurückkommen. Deshalb gibt's fürs Anhalten bei der Familie aktuell keine Chance", grinste er und auch Zimmermann erklärte, dass für Späße, wie sie manchmal hinauf nach L'Alpe d'Huez möglich sind, wenn dort die vorletzte Tour-Etappe ausgetragen wird – wie auch dieses Jahr wieder – nicht möglich waren. Keine Wheelie-Contests, kein Bier vom Streckenrand.
"Dafür ist noch ne Woche zu früh", lachte er. "Aber ja, so im Augenwinkel habe ich immer wieder irgendjemand gesehen, den ich kenne. Kurz nachdem ich noch hätte "hallo" sagen können ist mir dann gekommen: 'Ah, das war X, Y, Z.' Es waren bestimmt mindestens 20 bekannte Gesichter, oder mehr."
Ackermann stellte schließlich fest: "Ich würde sagen, das war nicht die Tour de France, sondern die Deutschland Tour, so viele Deutsche wie da am Straßenrand waren. Das war richtig cool und definitiv ein Tag zum Genießen." Vor allem dürften sich alle Deutschen im und ums Peloton über die Signalwirkung freuen, die der Tour-Besuch nahe der Grenze hatte.
Maren Hopf, die Geschäftsführerin der Lidl Deutschland Tour, war ebenfalls in den Vogesen und hatte Vertreter zweier Etappenorte ihres diesjährigen Rennens dabei. Für die war die Erfahrung Vogesen-Etappe sicher auch nochmal eine Bestätigung, dass sie mit ihrem Engagement bei der D-Tour alles richtig machen – zumindest was die neue Begeisterung der Bevölkerung für diesen Sport betrifft.
Und selbst in Ostdeutschland dürfte man sich die Hände gerieben haben: Die deutschen Fan-Massen sind sicherlich auch Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme nicht entgangen, der sich in den nächsten Monaten mit seinem Team darüber Gedanken machen muss, ob er der deutschen Bewerbung für den Grand Départ 2029 den Zuschlag geben will.
Märkl brachte es deshalb auf den Punkt und sein Statement hätte auch eines sein können, das Prudhomme seinen Pressesprechern in den Block diktieren dürfte nach diesem Tag: "Das ist echt positiv, wie groß der Radsport in Deutschland wieder ist", meinte der Picnic-Profi.
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