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20.07.2026 | (rsn) - Ein Kapitän, zwei Kapitäne? Wann entscheidet sich die Aufteilung im Rennen? Wer ist die spitzere der Doppelspitzen? Die Taktik von Red Bull – Bora – hansgrohe gab nicht nur den Fans in den ersten zwei Wochen der 113. Tour de France (2.UWT) Rätsel auf.
Die 15. Etappe mit dem Tagessieg von Remco Evenepoel brachte ein wenig Klarheit, konnte man meinen. Bei nun 1:48 Minuten Vorsprung auf Florian Lipowitz und mit dem Zeitfahren am Genfersee vor der Nase sollten die Führungsansprüche nun doch klar beim Gesamtzweiten aus Belgien liegen.
Sportdirektor Zak Dempster aber wollte das so nicht ganz stehen lassen. "Ich denke, wir werden weiterhin am Doppelspitzen-Ansatz festhalten. Natürlich ist Remco näher vorne dran, aber wir müssen weiterhin beide so nah wie möglich halten", betonte der Australier und erklärte: ___STEADY_PAYWALL___
"Am Ende könnte es auch passieren, dass Pogacar einmal einen schlechten Tag hat oder dass Lipo oder Remco einen haben. Definitiv werden beide Jungs so schnell wie möglich bis Paris fahren, und dann sehen wir, wo wir im GC landen."
Für Dempster scheint das Verlangen der Öffentlichkeit nach einer Klärung der Leaderfrage ohnehin übertrieben. "Manchmal wird ein Drama aus nichts gemacht. Beide Jungs können von A nach B fahren, sich um sich selbst kümmern und dafür sorgen, dass sie gut hydriert und genährt sind", meinte er.
Florian Lipowitz (rechts) gratuliert Remco Evenepoel (links) zu dessen Etappensieg am Plateau de Solaison. | Foto: Cor Vos
Dempster bestätigte gegenüber radsport-news.com aber auch, dass man erwartet hatte, dass Evenepoel in den ersten zwei Tour-Wochen – vor allem wenn man das Zeitfahren auf der 16. Etappe am Dienstag noch hinzuzählt – besser dastehen würde. "Ja, wie wir immer gesagt haben: Remco und Lipo haben verschiedene Stärken und der erste Teil der Tour ist definitiv Remcos Stärken entgegengekommen", beantwortete er die entsprechende Nachfrage von RSN.
Dass Evenepoel am Col du Tourmalet, im Zentralmassiv nach Le Lioran und auch am Col du Haag mit dem Klettertempo der Besten etwas Probleme hatte, störte da nicht. Schließlich kam er immer wieder zurück – auch weil Lipowitz, wie man es als Co-Leader macht, natürlich nicht aufs Tempo drückte, wenn der Doppelolympiasieger hinten litt. "Er hat seine Efforts gut gemanaget in den letzten Tagen, wie auch Lipo", sagte Dempster dazu nun.
Am Col du Haag hing Evenepoel kurz hinter einem Jury-Auto der Tour de France fest. | Foto: Cor Vos
Die Veranlagung der Tour und diese Fahrweise führte dazu, dass Evenepoel mit der klar besseren Ausgangsposition in die letzten drei Bergetappen am Donnerstag, Freitag und Samstag kommen dürfte – wenn es im Zeitfahren am Dienstag keine Sensation gibt. Und selbst von Etappe 18, 19 und 20 scheint nur letztere wirklich eine echte Lipowitz-Etappe zu sein, mit mehreren langen Bergen hintereinander.
Der Deutsche signalisierte nach Evenepoels überragender Leistung am Plateau de Solaison, dass er bereit sei, nun in die Rolle des Edelhelfers zu schlüpfen, um dem im Kampf um Gesamtrang zwei zu helfen. "Dann nehme ich mich auch selbst mal zurück", sagte er und erklärte, dass man darüber am Abend sprechen werde.
Die Meinung des Sportchefs hatte er da noch nicht gehört. Dem scheint jedenfalls bewusst, dass Etappe 20 über Col de la Croix de Fer, Col du Galibier und Col de Sarenne nach L'Alpe d'Huez bei dieser Tour alles nochmal auf den Kopf stellen könnte.
Abgesehen vom Plateau de Solaison bergauf bislang stärker: Florian Lipowitz. | Foto: Cor Vos
"Lipo ist mehr ein Dieselmotor, aber letztendlich hängt auch alles davon ab, wie gut sie sich erholen und solche Dinge. Wenn man jetzt aufs Ende der Tour schaut und besonders auf Etappe 20, das sind die Tage", betonte Dempster Lipowitz' Stärken.
"Ich meine, wenn wir einen Remco wie heute haben… Aber Lipo hat sich auf diesem Terrain schon bewiesen und wer weiß, was bis dahin noch passieren kann. Wie gesagt, wir halten den Doppelspitzen-Ansatz bei", so Dempster.
Auch wenn man bei der Tour nun "eine der besten Versionen von Remco" sehe, scheint man sich noch nicht so ganz sicher zu sein, dass der Belgier die Kletterleistungen vom Plateau de Solaison in der Schlusswoche täglich reproduzieren kann. "Natürlich ist Remco jetzt Zweiter, aber wir müssen uns einfach auf die Basics konzentrieren und nach Paris kommen."
Am liebsten mit beiden Kapitänen auf dem Podium, aber eben zumindest mit einem!
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