Mein Radsport-Ereignis 2015

John Degenkolb holt Paris-Roubaix - und das Team aufs Podium

Von Andreas Schulz, Eurosport

Foto zu dem Text "John Degenkolb holt Paris-Roubaix - und das Team aufs Podium"
John Degenkolb und seine Giant-Alpecin-Teamkollegen feiern gemeinsam den Triumph von Roubaix. | Foto: Cor Vos

22.12.2015  |  (rsn) - Endlich. Seit der Premiere 1896 gewann kein Deutscher mehr Paris-Roubaix: Bis zum 12. April 2015. Doch was mich an diesem Tag am meisten begeisterte, war nicht die eindrucksvolle Fahrt von John Degenkolb zu diesem überlegenen, verdienten und historischen Sieg.

Nein, der Höhepunkt war die Szene nach der Siegerehrung, als Degenkolb seine Mannschaftskameraden von Giant-Alpecin mit aufs Podium holte. Selten hat ein Bild so deutlich gemacht, wie sehr Radsport eben Teamsport ist und der umjubelte Sieger bei all seiner Klasse als Einzelkämpfer kaum eine Chance hätte.

Für Degenkolb selbst war es ein absoluter Gänsehaut-Moment, von dem er mir noch Monate später im Gespräch vorschwärmte:

"Das war wirklich ganz speziell. Wenn ich daran denke, kriege ich jetzt noch Gänsehaut. Ich fand es so schön, dass die Jungs da noch standen und die Siegerehrung mitverfolgt haben, einfach den Moment live sehen wollten, als ich den Stein bekommen habe. Deshalb war es mir auch so wichtig, dass sie alle nochmal aufs Podium hochkommen und wir ein gemeinsames Foto machen. Es war ein bisschen schade, dass die letzten zwei gefehlt haben, die waren da noch auf der Strecke, aber das Bild geht in die Geschichte ein. "

"Es war wahnsinnig emotional und toll zusehen, dass die Mannschaft nicht nur in der Vorbereitung und im Rennen hinter einem steht, sondern auch in dem Moment dabei sein will, in dem der Lorbeer verteilt wird und ich den Stein überreicht bekomme. Das zeigt auch den Charakter dieser Mannschaft und ist etwas ganz Besonderes. "

Übrigens gehören solche "Teamfotos" auf dem Siegerpodest weder von Roubaix noch anderswo zu den Standardposen - bei den großen Bildagenturen finden sich keine ähnlichen Aufnahmen aus den Vorjahren im Velodrom (wenn man von den Dreifachsiegen der Mapei/Domo-Ära absieht...).

Ein Teamkollege von Degenkolb hatte dann im Juli bei der Tour de France einen Auftritt, den ich hier einfach auch anführen muss - denn die Nummer von Simon Geschke nach Pra Loup war einfach zu gut, um unerwähnt zu bleiben.

Wie er mit Mut und taktischem Geschick sein Solo ins Ziel brachte, obwohl in der Ausreißergruppe nun wirklich an großen Namen und starken Klettereren kein Mangel herrschte, hat mich begeistert. So sehr ich mich durchaus über Sprintsiege und Zeitfahrerfolge freuen kann - solche Coups auf Bergetappen sind Mangelware aus deutscher Sicht und darum besonders zu genießen.

Die Emotionen von Geschke im Ziel haben sicher nicht nur eingefleischte Radfans bewegt - und machen zum Jahresabschluss 2015 richtig Lust auf die neue Rad-Saison (und den Tour-Start in Deutschland 2017)!

 

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