Zur Steigerung der Ausdauer-Leistungsfähigkeit

High-Intensity-Training: Wie mache ich´s richtig?

Von Prof. Andreas Nieß

Foto zu dem Text "High-Intensity-Training: Wie mache ich´s richtig?"
| Foto: Technogym

19.10.2018  |  Der dieses Jahr mal wieder richtig goldene Oktober neigt sich mit den letzten sonnigen Ausfahrten dem Ende entgegen, die Zeit des Rollen-Trainings kommt. Seit einigen Jahren macht das Schlagwort High Intensity Training auch unter Radsportlern die Runde. Professor Andreas Nieß, Leiter der Sportmedizin an der Uni Tübingen, gibt einen Einblick in diese hocheffektive Trainings-Methode.

Das sogenannte High-Intensity-Training (HIT) ist eine Trainingsform zur Verbesserung der Ausdauer-Leistungsfähigkeit. Dabei wird in einer Trainingseinheit nach einer kurzen Aufwärmphase in Intervallen belastet. Das bedeutet, dass wiederholt einzelne Belastungsreize mit höherer Intensität gesetzt werden, die durch Erholungsphasen, in denen nur mit geringer Intensität belastet wird, unterbrochen werden.

Das HIT wird mit einer Vielzahl an Belastungen praktiziert.
In der Regel liegt die Intensität während des einzelnen Intervall-Reizes bei 80 Prozent bis teils über 100 Prozent der individuellen maximalen Sauerstoff-Aufnahme des Trainierenden. Die Reizdauer liegt zumeist zwischen 30 und 300 Sekunden, und die Erholungsphase ist kürzer, gleich oder länger als die Einzelreizdauer.

Abzugrenzen ist das HIT von der Dauer-Methode,
die in der Trainingslehre seit Jahren als das zentrale Instrument zur Steigerung der Ausdauer angesehen wird. Hierbei wird bei einer zumeist relativ konstanten und niedrigen Belastungs-Intensität ohne Pause trainiert, wobei die Reizhöhe zumeist bei 50 bis 80 Prozent der maximalen Sauerstoff-Aufnahme liegt.

Verschiedene Studien an Leistungs- und Freizeit-Sportlern
konnten zeigen, dass über einen Trainingszeitraum von sechs bis zwölf Wochen das HIT gegenüber der Dauer-Methode in Hinblick auf die Verbesserung der maximalen Sauerstoff-Aufnahme die effektivere Methode darstellt.

Was ist das Neue am HIT?
Die Nutzung intervallartiger Belastungen zur Verbesserung der Ausdauer ist im Leistungssport nichts Neues. So wurden bereits in den 1930er Jahren Intervalltrainings-Konzepte im leichtathletischen Mittel- und Langstreckenlauf schwerpunktmäßig genutzt. Prominente Athleten, die nach dieser Methode trainierten, waren unter anderen Rudolf Harbig und Emil Zatopek.

In den letzten zehn Jahren fand das Intervall-Training
zunehmende Beachtung in vielen Sportarten, in dem eine gute Ausdauerleistungsfähigkeit große Bedeutung hat. So konnte gezeigt werden, dass Sportler ihre maximale Sauerstoff-Aufnahme mit weniger Zeitaufwand anheben können, als dies zuvor mit der Dauer-Methode möglich war.

Aktuelle Erkenntnisse weisen darauf hin,
dass über einen kürzeren Trainingszeitraum hinweg das HIT nicht nur bei der Verbesserung der Ausdauer effektiver ist, sondern gegenüber der Dauer-Methode auch noch günstigere Effekte auf Risiko-Faktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes hat.

Das macht das HIT auch interessant für Personen,
die unter einer präventiven oder therapeutischen Zielsetzung trainieren. So findet unter kontrollierten Bedingungen das HIT auch wachsende Anwendung bei Patienten mit chronischer Herz-Insuffizienz, Adipositas oder Typ-2-Diabetes, also bei Erkrankungen, bei denen man sich bisher auf die Dauer-Methode beschränkt hatte.

Zudem konnte gezeigt werden, dass das HIT
Anpassungs-Mechanismen auf molekularer bzw. zellulärer Ebene in kürzerer Zeit stärker anstoßen kann, als dies bei der Dauer-Methode zu erwarten ist. Wahrscheinlich ist das HIT auch eine wirksame Alternative oder Ergänzung für Personen, die auf ein herkömmliches Training nach der Dauermethode schlecht ansprechen (Non-Responder).

Was ist beim HIT zu beachten?

Das Ausdauer-Training ausschließlich nur als HIT zu praktizieren ist nicht zielführend. Je nach Ausgangsbedingungen sind in unterschiedlichem Maß auch begleitende Trainingseinheiten nach der Dauer-Methode notwendig, um das gewünschte Trainingsziel zu erreichen. So ist zum Beispiel für Radsportler das Training über längere Distanzen nach wie vor unverzichtbar, will er seinen Muskelstoffwechsel optimal auf lange Wettkampf-Kilometer vorbereiten.

Bei Einsteigern sollte zu Beginn des Trainings
mit höheren Trainings-Intensitäten vorsichtig umgegangen werden, um Überlastungs-Reaktionen und Verletzungen am Bewegungs-Apparat vorzubeugen. Gerade als Einsteiger sollte man sich für das Training selbst Rat über eine fachkundige Trainingsanleitung einholen.

Empfohlen wird auch, sich vor einem höher intensiven Training
einem sportärztlichen Check zu unterziehen. Die Klärung der körperlichen Belastbarkeit ist dabei vor allem bei Personen über 35 Jahren, bei vorliegenden Risiko-Faktoren, belastungsabhängigen Beschwerden oder vorbekannten Erkrankungen eine unverzichtbare Empfehlung.

Der Autor:
Professor Dr. med. Andreas Nieß ist Internist, Sportmediziner und Ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin am Universitäts-Klinikum Tübingen. Seine Schwerpunkte umfassen die Belastbarkeits-Diagnostik und das Training bei Sportlern und Patienten sowie die körperlichen Stress-Reaktion auf sportliche Belastungen.

Weitere Jedermann-Nachrichten

16.10.2026Zwei Wochen Indoor-Spaß mit Profi-Begleitung

Bei ROUVY, der weltweiten Online-Trainingsplattform, ist das Radfahren auf wirklichkeitsnahen virtuellen Strecken nur ein Aspekt – der andere ist der Anspruch, aus Tausenden von Nutzenden eine echte

07.10.2026UCI Granfondo Tre Valli Varesine: Su e giu, auf und ab...

Was für das Team Velolease vor sechs Monaten in Italien begann, sollte nun auch dort, südlich der Alpen enden. So reisten wir vergangenes Wochenende in die Lombardei, nach Varese. Es stand mit dem G

05.10.2026Trainieren wie Topstar Rosa Klöser

Die Canyon//SRAM-Fahrerin hat gute Chancen, ihre Blitzkarriere mit dem WM-Titel zu krönen. Begleitet wird sie seit 2024 von den Kölner Trainings-Experten von SCYENCE – und die haben nicht nur Sp

18.09.202616. Auflage des KOTL mit Rekord-Starterfeld

Noch einmal schlafen – dann gehört der Attersee wieder ganz den Zeitfahrerinnen und Zeitfahrern. Beim King of the Lake fällt dieses Jahr eine neue Bestmarke: Erstmals gehen 1.600 Athletinnen und

17.09.2026BrezelRace: Team Strassacker besetzt Podium und Top Ten

Nach fünf Rennen schon Publikumsliebling: Das schwäbische BrezelRace zog am vergangenen Sonntag knapp 3000 Starter an. Es ging über Klassiker-Terrain, durch die Hügel nördlich von Stuttgart, mit

12.09.2026Ultrakurz-Rennen als Rettung des Straßenradsports?

(rsn) - Die Glocken des Salzburger Doms läuten passend zur Siegerehrung des City Hill Climbs, einem innovativen Rennkonzept mitten im Zentrum der Mozartstadt. Herzstück ist der 900 Meter lange Aufst

11.09.2026Team Strassacker: Gemeinsam zum Gesamtsieg

Nach dem harten Ötztaler Radmarathon stand für das Team Strassacker nur fünf Tage später die nächste Herausforderung auf dem Programm: Das Drei-Etappen-Rennen Riderman in Bad Dürrheim, schon sei

09.09.2026Sauerland-Rundfahrt: Starkes Heimspiel bei der Premiere

Elias Jakobs hat dem Team Velolease bei der Premiere der Sauerland-Rundfahrt einen Podiumsplatz beschert: Der Betzdorfer belegte nach 132 Kilometern und rund 2400 Höhenmetern den dritten Rang. Dahint

04.09.2026Team Velolease: Zum vierten Mal auf dem Stockerl

Mehr als 4000 Starter jedes Jahr - der Ötztaler Radmarathon gehört für viele Radsportler/innen zum Höhepunkt der Saison. Für das Team Velolease war die 45. Auflage des Klassikers noch einmal etwa

02.09.2026Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium

227 Kilometer, 5500 Höhenmeter, vier Pässe - schon die blanken Zahlen des Ötztaler Radmarathons sprechen für sich. Am vergangenen Sonntag stellten sich fünf Jungs des Teams Strassacker - Nils Kes

30.08.2026Der Ötztaler Radmarathon im Livestream

(rsn) - Der legendäre Ötztaler Radmarathon live und in voller Länge im Stream: 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter erwarten tausende Radfahrer am Sonntag. Vier Alpenpässe müssen überwunden werden

27.08.2026Deutschland-Tour Jedermann: Wieder ganz oben am Treppchen

Das Jedermannrennen der Deutschland-Tour gehört fest zur Team-Geschichte des Teams Strassacker - war es doch Anlass für seine Gründung. Nachdem wir dabei im Vorjahr leer ausgingen, sollte in diesem

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine