Mas macht den Gesamtsieg fest

Emotionaler Landa rettet seine Vuelta auf der Königsetappe

Von Guido Scholl

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Mikel Landa (Soudal - Quick-Step) gewinnt die Königsetappe der Vuelta. | Foto: Cor Vos

12.09.2026  |  (rsn) - Oldie but Goldie: Der Spanier Mikel Landa (Soudal – Quick-Step) hat die 20. Etappe der Vuelta a Espana mit Bergankunft am Collada de Alguacil (HC) gewonnen. Aus einer Spitzengruppe heraus setzte sich der 36-Jährige mit 47 Sekunden Vorsprung vor dem Norweger Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) durch. Dritter wurde Ramses Debruyne (Alpecin – Premier Tech, +1:37) aus Belgien. Enric Mas (Movistar) verteidigte sein Rotes Trikot, Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) machte Zeit auf Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) gut, verpasste aber den Sprung auf Rang zwei.

“Ich bin sehr glücklich, ich habe lange darauf gewartet, jetzt hat es endlich geklappt. Es ist ein sehr emotionaler Sieg für mich. Es war eine sehr harte Vuelta, heute war die letzte Chance“, sagte der gerührte Tagessieger. Dass Landa elf Jahre nach seinem ersten Vuelta-Tagessieg und einer zweijährigen Pechsträhne mit Stürzen und Verletzungen den zweiten Etappensieg bei seiner Heimatrundfahrt feierte sowie den ersten seines Teams bei dieser Austragung, war aber nur eine von vielen Geschichten eines ereignisreichen Rennens.

Denn abgesehen von der Entscheidung um den Tagessieg ging es in zwei Sonderwertungen und im Kampf um die Podestplätze ordentlich zur Sache. Der Belgier Wout van Aert (Visma – Lease A Bike) startete einen Großangriff auf das Bergtrikot, der letztlich aber scheiterte. Die beiden Erstplatzierten der Nachwuchswertung, Oscar Onley (Netcompany – Ineos) und Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) fielen beide früh zurück. Am Ende des Tages fuhr der Brite dem Slowenen noch einmal um sieben Sekunden davon.

Weil auch der Däne Mattias Skjelmose (Lidl – Trek) sowie das spanisch-kolumbianische XDS-Astana-Duo Cristian Rodriguez und Harold Tejada den Anschluss an die Gruppe ums Rote Trikot verloren, nahm US-Amerikaner Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) fünf vor ihm liegenden Fahrern durch einen Angriff am vorletzten Anstieg des Tages ausreichend Zeit ab, um sich vom 11. auf den 5. Rang zu verbessern.

Ein halbes Dutzend Angriffe nutzten dem Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) am Ende nichts. Gall erwies sich auf dem vorletzten Teilstück der Spanien-Rundfahrt als der stärkste am Berg und konnte am Schlussanstieg nicht nur Carapaz deutlich distanzieren sondern auch Roglic noch in Bedrängnis bringen. Beide trennen jetzt noch 29 Sekunden in der Gesamtwertung.

Mas steht vor der Schlussetappe am Sonntag vor seinem ersten Grand-Tour-Gesamtsieg. Doch im Zielinterview gab sich der Spanier fast schon demütig sachlich: “Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich so fühle. Ich habe die Kilometer heruntergezählt. Mein Gefühl war super, das Team hat wieder einen super guten Job gemacht. Ich habe gewonnen, weil das Team alles für mich getan hat, also…. Danke.“

Mas führt mit komfortablen 2:15 Minuten vor Roglic das Gesamtklassement an. Onley geht in der Nachwuchskategorie mit 1:10 Minuten Vorsprung auf den Schluss-Parcours mit Rundkurs in Granada. Entschieden ist nur die Bergwertung, die an Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) geht. Das Punkteklassement, wo van Aert führt, steht nur noch theoretisch zur Debatte. Decathlon – CMA CGM dürfte der Sieg in der Teamwertung angesichts von jetzt gut 39 Minuten zu XDS – Astana auch nicht mehr zu nehmen sein.

So lief die 20. Etappe der Vuelta a Espana:

Die Königsetappe hatte es wahrlich in sich – und dafür sorgten abgesehen vom schweren Parcours mit seinen fünf Bergwertungen auch die Fahrer. Denn in der Anfangsphase setzte sich eine zunächst 14-köpfige Gruppe ab, in der Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) seinen nahezu aussichtslosen Angriff aufs Bergtrikot startete. Nur beim Gewinn aller Kletterwertungen und einem vierten Etappenplatz konnte er Buitrago an der Spitze dieses Sonderklassements ablösen, sollte dieser leer ausgehen.

Der Kolumbianer reagierte in der ersten Auffahrt zum Puerto del Purche ( 1.Kat.), in der er in eine sage und schreibe 52 Mann starke Verfolgergruppe sprang. Beide Formationen wurden von den Gesamtbesten fahren gelassen. Der Rückstand der Hauptgruppe wuchs schnell auf mehr als acht Minuten an, während die Verfolger um Buitrago den Abstand zur Spitze nur langsam verkürzen konnten.

Das Streckenprofil der 20. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter

Ebenfalls im ersten Berg der 1. Kategorie probierte es zunächst Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) mit einer Attacke, später griff Carapaz an, doch Gall schloss die Lücke und brachte auch Roglic und Mas zurück zum Ecuadorianer. In dieser Phase verlor Oscar Onley (Pinic – PostNL) den Kontakt zu seinen Konkurrenten. In der zweiten Passage des Puerto del Purche setzte sich Kuss noch einmal allein ab. Die Gruppe mit dem Roten Trikot bestand da nur noch aus sieben Fahrern.

Kurz vor der Bergwertung setzte sich Carapaz erneut ab, doch Gall konnte dessen Angriff auf das Podium erneut abwehren – mit Roglic und Mas an seinem Hinterrad. Aus der Spitzengruppe heraus, die anfangs tatsächlich sechs Fahrer des Teams Uno-X Mobility beinhaltete – unter anderem Andreas Leknessund und Tobias Halland Johannessen – sicherte sich van Aert unterwegs 22 Punkte, sodass er seinen Abstand zu Buitrago auf 16 Zähler reduzierte. Doch im Anstieg zum Puerto del Duque (1. Kategorie) musste er nach einem Angriff von Debruyne - der zuvor wie Mikel Landa (Soudal – Quick-Step) den Sprung von den Verfolgern zur Spitze geschafft hatte- reißen lassen. Landa und Johannessen gingen mit dem Belgier mit.

Mit seiner zweiten Attacke baute Kuss seinen Vorsprung auf alle Top-10-Fahrer abgesehen von Carapaz, Gall, Roglic und Mas bereits im Anstieg zum Puerto del Duque (1. Kategorie) auf mehr als sieben Minuten aus. In jenem Anstieg probierte außerdem Carapaz mehrmals Angriffe auf Platz drei, die aber nicht von Erfolg gekrönt waren. Zwischenzeitliches Belauern führte dazu, dass Kuss auch zu diesen Fahrern bald fünf Minuten Vorsprung hatte. Weil der Kampf ums Bergtrikot zugunsten Buitragos entschieden war, ließ sich van Aert zu Kuss zurückfallen, um für ihn das Maximale in der Gesamtwertung herauszuholen.

Landa am Schlussanstieg der Beste

Auf dem Weg zum Schlussanstieg kam auch Jorgen Nordhagen (Visma – Lease a Bike) zur Gruppe um Kuss und van Aert. Fast sechs Minuten betrug der Vorsprung des US-Amerikaners zu dem Zeitpunkt auf Carapaz und Co. Doch dessen Team hatte die Gefahr erkannt und ließ James Shaw Tempo fahren, um den Schaden zu begrenzen. Als auch Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) mit eingespannt wurde, war die Lücke bald wieder auf unter fünf Minuten eingedampft.

Gut sieben Kilometer vor dem Ziel schüttelte Landa zuerst Debruyne und kurz darauf auch Johannessen ab. In der Gruppe um Mas übernahm am Schlussanstieg Pablo Castrillo (Movistar) die Kontrolle, um Roglic jegliche Angriffslust zu nehmen. Was ihm auch gelang, bis 4000 Meter vor dem Ziel Gall attackierte. Mas konnte zunächst parieren, aber Roglic und Carapaz fielen zurück. Auch Mas musste kurze Zeit später abreißen lassen.

Nach knapp fünf Stunden Fahrzeit erreichte der völlig ausgepumpte Landa den Zielstrich am Collada del Aguacil – mit Tränen in den Augen. Johannessen kam 47 Sekunden nach ihm an und fuhr an der steilen Schlussrampe Schlangenlinien. Kuss kam mit 4:37 Minuten Rückstand an, Gall erreichte das Ziel zwei Minuten nach ihm und damit 18 Sekunden vor Mas und 55 Sekunden vor Roglic, der am Ende auch noch Carapaz deutlich distanziert hatte.

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