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08.10.2026 | (rsn) – Stefan Küng und seine Sekundenkrimis im Einzelzeitfahren haben fast schon Tradition. Wieder einmal schrammte der Schweizer knapp an einer Medaille vorbei – diesmal bei den Europameisterschaften auf dem schweren Rundkurs von Sencur.
Sieben Sekunden fehlten ihm auf die Bronzemedaille, die etwas überraschend an den jungen Franzosen Maxime Decomble ging. Ursprünglich stand die EM gar nicht im Rennprogramm von Küng, der sich aber auch von seiner guten Leistung im WM-Straßenrennen von Montréal vor knapp zwei Wochen überzeugen ließ, sein Land auch bei der EM in Ljubljana zu vertreten. ___STEADY_PAYWALL___
“Das Jahr ist fast zu Ende und ich wollte meine Chance trotzdem versuchen. Ich dachte der Kurs wäre mir zu schwer, aber nachdem es so gut in Montreal lief, bot sich die Gelegenheit“, erzählte der Goldmedaillengewinner von 2020 und 2021. Viermal stand er in seiner Karriere bei Europameisterschaften schon auf dem Podium, doch die Vorzeichen nach seinem schweren Sturz Anfang des Frühjahrs beim Omloop Het Nieuwsblad standen diesmal nicht gut.
Stefan Küng am Start des EM-Zeitfahrens von Ljubljana. | Foto: Cor Vos
“Als ich in Oudenaarde im Februar im Krankenhaus lag, dachte ich nie, dass ich in dieser Saison noch so ein Comeback geben kann. Ich ging sechs Wochen nur auf Krücken, habe dann auf dem Hometrainer langsam wieder mit dem Radfahren angefangen und erst zweieinhalb Monate nach der Verletzung bin ich das erste Mal wieder vier Stunden am Stück am Rad gefahren“, erinnerte er sich.
Bei den Schweizer Meisterschaften stieg Küng wieder ins Renngeschehen ein, aber erst im August bei der Polen-Rundfahrt war er wieder voll zurück, gewann dort das abschließende Zeitfahren in Wieliczka und wenig später bei der Vuelta a Espana auch die vorletzte Etappe, ebenfalls in seiner Spezialdisziplin.
In Montréal landete er dann auf Rang sieben des Zeitfahrens, im Mixed-Team gab es Bronze, wobei der Lenkerbruch bei Küng wohl der Schweiz sogar die Goldmedaille kostete. Es folgte ein starkes Straßenrennen, in dem der St. Gallener auf Rang 14 landete, auf einem Kurs, der ihm gar nicht entgegenkam.
“Vom Gefühl her war das wie heute beim Zeitfahren. Alle, die vor mir liegen, sind so um die zehn Kilogramm leichter. Und die Erdanziehung kannst du nicht bezwingen“, grinste der 32-Jährige und sprach den 2,5 Kilometer langen Mozjanca-Anstieg an, der schon in den Straßenrennen der EM in Slowenien zum Scharfrichter wurde. “Für mich war es natürlich schwierig, oben noch Druck aufs Pedal zu bringen. Ich bin wohl zu langsam raufgefahren, konnte dann nichts mehr aufholen“, blickte er auf seinen EM-Einsatz zurück.
Bei der WM in Montréal beeindruckte der Schweizer auf dem schweren Kurs des Straßenrennens. | Foto: Cor Vos
Dennoch genoss er es sichtlich, in der europäischen Spitze mitgemischt zu haben: “Natürlich hätte ich lieber die Medaille, aber auf einem Kurs, der mir nicht liegt, weit vorne zu landen, zeigt auch, wie gut ich mich anpassen kann“, sagte Küng. Zur Vorbereitung versuchte er in seiner Heimat den Anstieg zu simulieren, vor allem die schnelle Anfahrt, die er mit über 50 Kilometer pro Stunde absolvierte, ehe er dann von den steilen Rampen auf unter 15 km/h gedrückt wurde.
“Das heute unterstreicht meine Fähigkeiten als Fahrer, zeigt, dass ich mich auf neue Strecke einstellen kann“, nahm er von den Europameisterschaften mit, einem Rennen, für das er sich erst kurzfristig entschied. “Als ich unseren Mechaniker angerufen habe und ihm mitteilte, dass ich fahren möchte, meinte er zu mir, dass er mich zwar ein wenig dafür hasse, aber er es genauso liebe, dass Fahrer in dieser späten Phase der Saison noch immer heiß auf Rennen sind“, sagte Küng.
Seine Saison endet auch noch nicht mit den Europameisterschaften. In Frankreich warten noch der Herbstklassiker Paris-Tours und der in Les Herbiers ausgetragene Zeitfahrwettbewerb Chrono des Nations auf ihn. “Ich sehe das jetzt seit der Verletzung als Restart meiner Karriere. Ich bin nun 32 und was jetzt noch kommt, ist nicht so lange, wie das, was ich bisher schon gemacht habe. Ich liebe meinen Sport und all seine Aspekte und will noch das Beste daraus machen“, kündigte der Schweizer an.
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