Trainieren auf unbefestigten Wegen

Cyclocross: der Herbst- und Winter-Radsport

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| Foto: Felt

19.10.2016  |  [pd-f/ td] - Es gibt sie wirklich: Radfahrer, die den ganzen Sommer über auf Herbst und Winter warten. Sie nennen sich Querfeldeinfahrer, oder neudeutsch Cyclocrosser, und betreiben einen Sport, der geradezu von widrigen Wetterbedingungen lebt. Auf speziellen Rennrädern flitzen sie über zwei bis drei Kilometer lange Rundkurse, die mit Hindernissen wie Hürden, Sandgruben und Treppen gespickt sind.

„Lange Zeit war Cyclocross ein Sport,
der einzig im Rennbetrieb ausgeübt wurde“, berichtet Stefan Scheitz vom US-Radhersteller Felt (www.feltbicycles.com): „Inzwischen ist das Crossen auch abseits der Rennstrecke ein Thema - was wohl maßgeblich am Sportgerät selbst liegt.“

So halten sich immer mehr Rennradfahrer über den Winter auf dem Crossrad fit, und trainieren in gewohnter Körperhaltung auch auf unbefestigten Wegen. Tourenradler und Mountainbiker entdecken das Crossrad als sportliche Alternative für schnelle Schotter- und Asphalt-Runden. Kurz: Das geländegängige Rennrad erweitert buchstäblich Erfahrungsräume.

Doch was genau hat das Cross-Rad,

was Rennräder und Mountainbikes nicht haben? „Der auffälligste Unterschied zum Rennrad ist natürlich die Bereifung. Laut Reglement des Radsport-Weltverbandes UCI sind das maximal 33 mm (1,3 Zoll) breite Stollenreifen“, erklärt Peter Krischio vom Reifenhersteller Schwalbe (www.schwalbe.com).

Im Breitensport kommen in der Regel Drahtreifen wie der speziell profilierte Schwalbe "Racing Ralph" mit einem Schlauch zum Einsatz; Rennfahrer nutzen auf die Felge geklebte Schlauchreifen („Tubular“), die mit besonders niedrigem Luftdruck gefahren werden können. Für den Crosser bedeutet das mehr Grip, Traktion und Komfort.

Bei der Montage oder einer Reifenpanne
verlangt das Schlauchlos-System jedoch Know-how und Zeit. „Die Zukunft gehört den Tubeless-Reifen“, prognostiziert Krischios: „Die schlauchlosen Faltreifen, von deren Eigenschaften Mountainbiker schon länger profitieren, vereinen die Vorteile von Draht- und Schlauchreifen.“

So seien die Pneus ähnlich leicht zu montieren wie Faltreifen, würden aber bei überlegener Pannensicherheit einen deutlich geringeren Luftdruck erlauben, und somit vergleichbare Laufeigenschaften eines „Tubular“-Reifens bieten, so Krischios weiter: „Ohne Schlauch sinkt im übrigen auch der Rollwiderstand“.

Das nächste augenfällige Merkmal
aktueller Geländerenner sind die Scheibenbremsen. „Was am Mountainbike seit langem für konstante Bremsleistung unter nahezu allen äußeren Bedingungen sorgt, ist angesichts des Einsatzgebiets auch am Crossrad sinnvoll“, erläutert Stefan Scheitz von Focus die Gründe für den „Systemwechsel“.

Erst mit der Freigabe der Bremstechnik für den Querfeldeinsport durch die UCI im Juni 2010 hat das Thema an Fahrt aufgenommen. So stattet die US-Marke laut Scheitz nur noch ihr Einsteiger-Modell mit herkömmlichen Felgenbremsen bzw. V-Brakes aus; alle anderen werden mit Discs verzögern.

Neu am Markt sind hydraulisch gesteuerte
Scheibenbrems-Anlagen für den Rennlenker. Die am Mountainbike längst etablierte Technik stellte die Komponenten-Hersteller vor eine echte Herausforderung: „Die Integration des Geber-Zylinders der Hydraulik-Bremse in den an sich schon komplexen Bremsschalthebel eines Rennrads war die Krux an der Sache“, erinnert sich Géraldine Bergeron vom Komponentenhersteller Sram (www.sram.com).

Obgleich das funktionstechnisch bessere System nun Serienreife erlangt hat, wird es bei der Sram-Marke "Avid" weiterhin die mit herkömmlichen Bremsschalthebeln kompatiblen mechanischen Scheibenbremsen geben, so Bergeron.

Die wesentlichen technischen Innovationen
von Sporträdern finden sich auch am modernen Cyclocrosser. „Die Querfeldeinfahrer sind inzwischen ebenfalls häufig auf Carbon-Rahmen unterwegs“, weiß Felix Puello vom deutschen Hersteller Haibike (www.haibike.de), der ein Carbon- und Alu-Modell im Programm hat. „Für den ambitionierten Rennsportler ist natürlich die Carbon-Ausführung interessanter, alleine schon wegen des geringeren Gewichts.“

Géraldine Bergeron von Sram präsentiert ein weiteres Technik-Beispiel: die neue Schaltgruppe „Force CX1“. Hier überträgt Sram seine aktuelle Elffach-Technologie und -Philosophie vom Mountainbike aufs Crossrad. Die Schaltung verfügt über nur ein Kettenblatt mit speziellem Zahnprofil und ein besonderes Schaltwerk; beides wirkt dem Abspringen der Kette entgegen, eine Schwachstelle von Kettenschaltungen in Kombination mit nur einem Kettenblatt.

„Das System hat echte Gewichtsvorteile,
da neben der kompletten vorderen Schalteinheit nun auch auf Kettenführungen verzichtet werden kann, die bis dato den Gliederstrang im Ein-Kettenblatt-Betrieb sicherten“, so Bergeron. Darüber hinaus bietet die neue Ritzel-Kassette ein größeres Spektrum an echten Gängen.

Dass die meisten Cyclocrosser als Wettkampf-Geräte genutzt werden, darf freilich getrost bezweifelt werden. „Crossräder sind heute die Alleskönner unter den Rennmaschinen“, meint Querfeldein-Kenner Caspar Gebel: „Je nach Reifenwahl lassen sie sich als Straßenrennräder, als Gelände-Bikes oder als robuste, sportliche Alltagsräder nutzen. Für letzteres statten viele Hersteller vor allem ihre Einsteiger-Modelle mit Gewindeösen für Schutzbleche und Gepäckträger aus.“

In welchem Terrain der Crosser auch immer eingesetzt wird,

eines steht für Gebel fest: Die Leichtigkeit einer Straßen-Rennmaschine auch im Gelände oder Alltag zu spüren, ist etwas Besonderes: "Es lohnt sich, das einmal auszuprobieren!"

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