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10.01.2026 | (rsn) – In Frankreich endet eine Ära. Marc Madiot, der 1997 das Team Francaise des Jeux gründete und seitdem als Manager die Geschicke der Equipe leitete, wird zum April des Jahres aus dem aktiven Tagesgeschäft aussteigen. “Mein Ziel ist es, dass das Team mich überlebt“, sagte er im Gespräch mit Le Monde, in dem er seinen Ausstieg ankündigte.
Das muss Groupama – FDJ United, wie das Team mittlerweile heißt, nun beweisen. Dafür setzt die Mannschaft wie schon in der Vergangenheit auf heimische Fahrer . Die Equipe ist seit Jahren das “französischste“ der WorldTour – umso mehr, seit Arkéa – B&B Hotels zum Jahresende 2025 aufgelöst wurde und sich Decathlon – CMA CGM mit neuem Sponsor einen internationaleren Anstrich gab. Zudem hat der wohl renommierteste Nicht-Franzose Groupama verlassen: Stefan Küng wechselte zu Tudor Pro Cycling. ___STEADY_PAYWALL___
Der Schweizer Zeitfahr- und Klassikerspezialist hinterlässt eine große Lücke, die in Sachen Ergebnisse und Siege schon in diesem Jahr vor allem von einem Fahrer gefüllt wurde: Romain Grégoire. Der 22-Jährige feierte sechs Siege in der vergangenen Saison, darunter einen Etappenerfolg bei der Tour de Suisse sowie eine Etappe und die Gesamtwertung der Tour of Britain.
Neben diesen Highlights konnte David Gaudu einen Etappensieg bei der Vuelta a España verbuchen. In der Gesamtwertung von Giro d’Italia und Spanien-Rundfahrt konnte der langjährige Kapitän der Equipe aber keinen Eindruck hinterlassen. 2026 soll der 29-Jährige wieder zur Tour de France zurückkehren. 2022 wurde Gaudu bereits einmal Vierter im Schlussklassement.
Mit Gaudu und Guillaume Martin stehen sogar zwei routinierte Hoffnungsträger im Aufgebot. Der Fokus richtet sich aber zusehends in Richtung Jugend. Mit Gregoire hat Groupama den Mann der Zukunft schon in den eigenen Reihen, seit Jahren setzt die Equipe auf die Entwicklung von Fahrern aus dem eigenen Devo-Team. In Zeiten der “Super-Teams“ scheint das die einzige Möglichkeit für die Franzosen, in der WorldTour zu bestehen.
Mit Madiot gelang es dem Team über Jahre, Wasser zu treten und ausreichend Top-Ergebnisse einzufahren. Dank der sehr guten Jugendarbeit scheint der Rennstall auch für die kommenden Jahre gerüstet. Ohne namhafte Neuzugänge – wie in dieser Saison – wird es in der Post-Madiot-Ära aber nicht einfacher für Frankreichs Team.
Einen wirklichen Top-Transfer hat Groupama vor der aktuellen Saison nicht getätigt. Ewen Costiou kommt von Arkéa – B&B Hotels und konnte sich in den vergangenen Jahren in der WorldTour etablieren, gewann 2025 die Gesamtwertung der kleineren französischen Rundfahrt Tour du Limousin (2.1).
Dank seiner erst 23 Jahre erhält er in dieser Kategorie den Vorzug vor Clément Berthet. Der kam von Decathlon – AG2R und ist ebenfalls ein Puncheur und Klassementfahrer, der seine Topergebnisse in erster Linie bei kleineren französischen Rennen eingefahren hat. Beiden ist zuzutrauen, auch bei größeren Rundfahrten etwa aus einer Ausreißergruppe heraus weit vorne zu landen.
Maxime Decomble ist der wahrscheinlich spannendste “Neue“, zumal er aus dem Devo-Team hochgezogen wurde und daher nicht als klassischer Neuzugang gelten kann. Der 20-Jährige wurde Zweiter beim EM-Rennen der U23 und Dritter beim WM-Zeitfahren in dieser Kategorie. Bis zum Abschlusszeitfahren trug Decomble zudem das Gelbe Trikot bei der Tour de l’Avenir, fiel im Bergzeitfahren dann aber noch auf Rang fünf in der Gesamtwertung zurück. Er ist der Fahrer mit dem wohl größten Entwicklungspotenzial im Team, vor allem bei Klassikern könnte er seine Stärken in Zukunft ausspielen.
Ewen Costiou ist ein angriffslustiger Fahrer mit Stärken in hügeligem Terrain.
Die Klassikerriege bei Groupama – FDJ Únited hat durch den Abgang von Stefan Küng zu Tudor einiges an Durchschlagkraft verloren. Neben Valentin Madouas am stärksten einzuschätzen ist Küngs Landsmann Johan Jacobs, der als damaliger Groupama-Neuzugang bei Paris-Roubaix im vergangenen Jahr Platz 21 belegte. Dabei konnte der 28-Jährige für sich selbst feststellen, dass er bei den Kopfsteinpflasterklassikern durchaus mithalten kann.
In der Saison 2026 könnte Jacobs bei den Eintagesrennen häufiger seine Chance bekommen – und damit auch öfter mal auf den vorderen Positionen der Ergebnislisten zu sehen sein.
Johan Jacobs könnte 2026 in die Fußstapfen seines Schweizer Landsmanns und Teamkollegen Stefan Küng bei Groupama – FDJ treten.
Das Aufgebot:
Cyril Barthe (Frankreich / 29), Clément Berthet (Frankreich / 28), Lewis Bower (Australien / 21), Clément Braz Afonso (Frankreich / 26), Rémi Cavagna (Frankreich / 30), Ewen Costiou (Frankreich / 23), Maxime Decomble (Frankreich / 20), Tom Donnenwirth (Frankreich / 27), Titouan Fontaine (Frankreich / 20), David Gaudu (Frankreich / 29), Kevin Geniets (Luxemburg / 29), Lorenzo Germani (Italien / 23), Romain Grégoire (Frankreich / 22), Thibaud Gruel (Frankreich / 21), Johan Jacobs (Schweiz / 28), Josh Kench (Australien / 24), Olivier Le Gac (Frankreich / 32), Valentin Madouas (Frankreich / 29), Guillaume Martin (Frankreich / 32), Matteo Milan (Italien / 22), Rudy Molard (Frankreich / 36), Quentin Pacher (Frankreich / 34), Enzo Paleni (Frankreich / 23), Paul Penhoët (Frankreich / 24), Rémy Rochas (Frankreich / 29), Brieuc Rolland (Frankreich / 22), Clément Russo (Frankreich / 30), Bastien Tronchon (Frankreich / 23)
Davon Neuzugänge:
Clément Berthet (decathlon – AG2R La Mondiale), Ewen Costiou (Arkéa – B&B Hotels), Maxime Decomble, Titouan Fontaine (beide Groupama – FDJ Continentale), Axel Huens (Unibet Tietema Rockets), Josh Kench (Li Ning Star), Matteo Milan (Lidl – Trek Future Racing), Bastien Tronchon (Decathlon – AG2R La Mondiale)
Teamleitung:
Manager: Marc Madiot (bis April), Thierry Corvec
Sportdirektor: Philippe Mauduit
Sportliche Leiter: Thierry Bricaud, Yvon Caer, Luca Festa, Stéphane Goubert, Frédéric Guesdon, Tanguy Turgis, Benoît Vaugrenard, Jussi Veikkanen
Material:
Rahmenhersteller: Wilier Triestina
Gruppe: Shimano
Laufräder: Miche
Reifen: Continental
Trikot: Bioracer
Helm: Julbo