Entspannt sitzen, auch ohne Spacer

Das neue Pinarello Dogma X

Von Christoph Matt

Foto zu dem Text "Das neue Pinarello Dogma X"
Auch beim Pinarello Dogma X setzt der italienische Hersteller auf seine typische Formgebung | Foto: Pinarello

10.07.2026  |  (rsn) - In einem Punkt ist der professionelle Radsport für Hobbysportler ziemlich nahbar: Wer das nötige Kleingeld besitzt, kann exakt dasselbe Material kaufen wie die Fahrer der WorldTour. Die UCI schreibt sogar zwingend vor, dass die Arbeitsgeräte der Profis für jedermann im Handel erhältlich sein müssen.

Ein Angebot, das zum Kauf verführt. Race on Sunday, sell on Monday ist ein automobiles Marketing Mantra, das auch im Radsport funktioniert. Ein Pinarello Dogma F macht allerdings noch keinen Tom Pidcock und man sitzt ebenfalls nicht wie dieser auf dem Rad. Trotzdem fahren viele Freizeitradler auf den Arbeitsgeräten ihrer Idole, allerdings mit Spacern, kurzen Vorbauten, Griff am Oberlenker - oder Rückenschmerzen.

Die Modelle aus der WorldTour kommen nämlich nicht nur mit dem Prestige, sondern auch mit einer sehr aggressiven Sitzposition. Die wenigsten Rennradler sind 20-jährige Leistungssportler. Die entsprechende Flexibilität haben sie meist ebenfalls nicht.

Warum also nicht einen Rahmen anbieten, der dem reinen Racemodell optisch sowie beim Namen gleicht und eine entspanntere Geometrie bietet? Mehr Stack, weniger Reach, dazu eine bessere Vibrationsdämpfung und breite Reifen, jedoch ohne den Endurance Stempel?

Seit einigen Jahren denkt sich das auch Pinarello und bietet darum genau für diese Zielgruppe das Pinarello Dogma X an. Jetzt bringt die Traditionsmarke aus Treviso ein Update für das Rad. Im Grundkonzept bleibt sich das neue Modell dabei treu, ein paar Neuerungen sind den Ingenieuren aber eingefallen. Der Rahmen fällt etwas kürzer und etwas höher aus als der des Dogma F, zu entspannt sitzt man auf dem Dogma X trotzdem nicht.

In diesen Farben ist das Dogma X ab Werk lieferbar. | Foto: Christoph Matt

Neben der Geometrie liegt ein Fokus auf der Vibrationsdämpfung. Dafür ist der Hinterbau anders konstruiert, die Sitzstrebe setzt an zwei Punkten am Sattelrohr an, was mehr Komfort bringen soll. Die zusätzlichen Verstrebungen zwischen den Sitzstreben fallen beim neuen Rahmen weg. Die Verbindungen sind nun leicht konvex statt konkav. Außerdem wird das Rad mit 32mm Reifen ausgeliefert, Platz hätte es für bis zu 35mm breite Schlapfen.

Die Optik des Rahmens orientiert sich sehr an der sonstigen Formensprache der Italiener. Besonders elegant ist die Ausführung des UDH Schaltauges gelungen. Es ist nicht als typischer Kreis am Ausfallende zu sehen, sondern verschwindet sauber im Rahmen.

Der Rahmen ist auch mit dem SRAM RED XPLR Schaltwerk kompatibel | Foto: Christoph Matt

Fans des "Pro Look" dürften sich freuen, dass sie durch den höheren Stack ohne Spacer fahren können. Der “Pro Look” ist aber vielleicht gar nicht mehr so “pro”, wie einst. So sieht man bei der diesjährigen Tour de France überraschend viele Profis, die ihre Cockpits nicht mehr gnadenlos niedrig fahren, sondern etwas Abstand zwischen Steuersatz und Vorbau schmuggeln. Man könnte argumentieren, dass hohe Spacertürme ein Zeichen für eine unpassende Rahmengeometrie sind, optischer Gewinn sind sie meist jedenfalls nicht.

Erstaunliche 11 Rahmengrößen

Dass Pinarello ein gut passendes Rad an seine Kunden liefern will, zeigt sich an den vielen Anpassungsmöglichkeiten. Es gibt elf unterschiedliche Rahmengrößen, während die Konkurrenz meist nur fünf bis sieben Optionen anbietet. Bei der Sattelstütze bietet sich die Wahl zwischen gerade oder mit Versatz. Die Cockpitgrößen kann sich der Käufer ebenso passend aussuchen. Wer es optisch individuell mag, nutzt das MyWay-Programm. Die Lackierungen lassen sich komplett individualisieren und werden in Italien in Treviso handlackiert.

Im Handling soll das Dogma X seinem Bruder Dogma F gleichen | Foto: Pinarello

Bei den Schaltgruppen stellt sich die Wahl zwischen Campagnolo, SRAM und Shimano, allerdings montiert Pinarello ab Werk jeweils nur die Top-Gruppen. Dementsprechend groß muss der Geldbeutel des Kunden sein. Fertig aufgebaut ist es ab 14.900€ zu haben, nur der Rahmen schlägt mit 6.700€ zu Buche.

Immerhin ist das Rad - passend zum Geldbeutel nach dem Kauf - ebenfalls leicht. Der Rahmen ist mit angegebenen 990 Gramm nicht unbedingt ein ausgesprochenes Fliegengewicht. Das gesamte Rad ohne Pedale – ausgestattet mit Dura-Ace, 32-mm-Reifen und vergleichsweise schweren Butyl-Schläuchen – brachte, gewogen von RSN, trotzdem nur 6,8kg auf die Waage

Beim Vertrieb setzt Pinarello weiterhin voll auf den klassischen Einzelhandel und hat für diesen die neue Pinarello Akademie ins Leben gerufen. Dort will der Hersteller das Personal im Radladen schulen, damit der Kunde mit dem richtigen Rad aus dem Laden rollt. Vielleicht lässt sich so der ein oder andere Radsportfan davon überzeugen, dass das Fahrrad von Filippo Ganna doch nicht das richtige Sportgerät für den samstäglichen Coffee-Ride ist.

Hinweis der Redaktion: Pinarello hat den Autor zum Mediacamp eingeladen. Die Vorgabe von Inhalten war daran nicht gekoppelt.

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