Unbeachtetes Debüt bei der Tour de France Femmes

Die erste chinesische Schaltung im WorldTour-Einsatz

Von Christoph Matt

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Natalie Quinn (Mayenne - Monbana - My Pie) beendete die Etappe auf Platz 28, 1:47 Minuten hinter der Siegerin Marlen Reusser (Movistar). | Foto: Cor Vos

10.08.2026  |  (rsn) - Bei der Tour de France Femmes (2.WWT) gab es in der vergangenen Woche eine recht unbeachtete, aber doch interessante Premiere: Zum ersten Mal kam in der WorldTour eine chinesische Schaltgruppe zum Einsatz.

Das französische ProTeam Mayenne - Monbana - My Pie, das auf Rahmen des chinesischen Herstellers Winspace unterwegs ist, bestritt das Einzelzeitfahren der 4. Etappe in Dijon mit einer Schaltgruppe von L-Twoo.

Im normalen Straßenrennen vertraut die Mannschaft zwar auf Shimano, wird vom japanischen Branchenprimus jedoch nicht gesponsert und muss das Material selbst einkaufen. Für den Zeitfahreinsatz waren dann Schaltwerk, Umwerfer und Brems-/Schalthebel des chinesischen Herstellers verbaut.

Für europäische Endkunden ist die L-Twoo ERX derzeit ausschließlich online erhältlich und an Komplettbikes kaum zu finden. Eine seltene Ausnahme ist Winspace selbst: Das Zeitfahrmodell wird direkt mit der L-Twoo-Schaltung ausgeliefert, für die Straßenräder setzt man derzeit weiterhin auf Shimano oder SRAM.

Warum das Team ausgerechnet beim Zeitfahrmaterial den Schaltungshersteller wechselt, lässt sich von außen schwer beurteilen. Ein Grund könnte das Budget sein, da die Komponenten für das Team deutlich günstiger sein dürften als das Material von Shimano. Ganz ohne Teile aus Japan ging es allerdings auch beim Zeitfahren noch nicht: Kurbel und Kassette waren weiterhin von Shimano, was allerdings beweist, dass sich beide Hersteller problemlos kombinieren lassen.

Das Kettenblatt an der Ultegra Kurbel stammt vom chinesischen Hersteller cybrey. | Foto: Cor Vos

Gewichtsmäßig bewegt sich die gefahrene ERX-Gruppe ungefähr auf dem Niveau einer Shimano 105 Di2 und ist online für knapp unter 700 Euro zu haben - inklusive Zoll und Versand aus China schlägt sie mit rund 770 Euro zu Buche, bis sie in einem EU-Land ankommt. Da L-Twoo jedoch weder Bremsscheiben noch Kurbel, Kassette oder Kette herstellt, müssen diese Teile extra dazugekauft werden. Zum Vergleich: Eine komplette Shimano 105 Di2 liegt online aktuell bei rund 1.000 Euro – wohlgemerkt als Gesamtsystem.

Für den normalen Endkunden ist das Angebot also preislich und mangels dichtem Händlernetz vorerst noch überschaubar attraktiv. Es ist aber durchaus vorstellbar, dass Fahrradmarken die chinesischen Schaltungen künftig ab Werk an ihren Kompletträdern verbauen. Im Großeinkauf dürfte L-Twoo, besonders bei den mechanischen Schaltgruppen, deutlich günstiger sein als Shimano oder SRAM und damit bessere Margen oder wettbewerbsfähigere Preise ermöglichen.

Profis sorgen für den Feinschliff

Der Einsatz bei der Tour de France Femmes zeigt, dass mittlerweile abseits der etablierten Größen Schaltungen entwickelt werden, die konkurrenzfähig sind. Gerade der Praxistest unter Rennbedingungen und die direkte Rückmeldung der Athletinnen dürften für die Weiterentwicklung sehr wertvoll sein. Es ist wahrscheinlich keine reine Marketingmaßnahme, dass Mathieu van der Poel regelmäßig mit Prototypen von Shimano gesichtet wird. Wenn das Feedback stimmt und womöglich noch etwas am Gewicht geschraubt wird, dürfte L-Twoo auch bald im regulären Straßeneinsatz zu sehen sein.

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