In der ARD Sportschau

Hondo gesteht Blutdoping beim Erfurter Arzt Dr. Schmidt

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Danilo Hondo führte Schweizer Fahrer zu Titeln bei Welt- und Europameisterschaften | Foto: Hennes Roth

12.05.2019  |  (rsn) - In den vergangenen Jahren hat sich Danilo Hondo als Nationaltrainer der Schweiz einen guten Namen erarbeitet. Jetzt liegt alles in Trümmern. Die Vergangenheit hat den Ex-Profi eingeholt. In einem Exklusiv-Interview mit der ARD-Doping-Redaktion hat Hondo gestanden, Kunde des Erfurter Dopingarztes Dr. Mark Schmidt gewesen zu sein.

2011 habe er sich für 30.000 Euro im Jahr mit Blutdoping behandeln lassen, erzählte Hondo dem Sender. Einen Effekt habe er nicht verspürt, im Gegenteil. "Ich habe mich von Anfang an beschissen gefühlt“, behauptete er im ARD-Interview mit Hajo Seppelt. Schon 2012 habe er wieder aufgehört. Hondo: "Ich habe mich immer schlecht gefühlt, und an den Tagen, an denen ich das Blut drin hatte, bin ich sogar schlechter gefahren als sonst."

Begonnen habe es, nachdem ihn Dr. Schmidt während eines Radrennens, "vermutlich in Frankfurt“ angesprochen habe. Später sei der Erfurter Arzt nochmals auf ihn zugekommen und habe "Druck ausgeübt“ und gesagt, dass die Methode weit verbreitet und die sicherste sei. Hondo: "Da hatte ich diesen schwachen Moment. Ich war auch neugierig, was passiert denn da? Da habe ich den größten Fehler meines Lebens gemacht und zugestimmt.“

Etwa drei bis vier Mal habe er 2011 in einem Hotelzimmer in der Nähe von Frankfurt, in einem Camper und auch in der Schweiz Blut abgegeben, dass ihm ebenso oft vor Mailand-Sanremo, belgischen Rennen und einmal bei der Tour de France wieder zurückgeführt worden sei, gesteht der ehemalige Fahrer der Teams Telekom und Gerolsteiner. Davon gewusst hätten nur er und Schmidt.

Am letzten Samstag war Hondo vom ARD-Rechercheteam informiert worden, dass er von Schmidt in der Untersuchungshaft belastet worden sei. Zunächst leugnete der 46-Jährige. Noch in der Nacht meldete er sich aber wieder und erklärte sich bereit, vollumfänglich auszusagen. Hondo: "Da ich mittlerweile als Nationalcoach in der Schweiz tätig bin, mit vielen jungen Fahren zu tun habe und mir in den letzten Jahren wirklich ganz aktiv, präventiv Anti-Doping auf die Fahnen geschrieben habe, war dann relativ klar: Wenn ich in diesen Fall verwickelt bin, muss ich dazu stehen, um das, was ich in den letzten Jahren als nicht mehr aktiver Radprofi getan habe, fortzuführen", sagte er, "da wäre es jetzt Unrecht, wenn ich versuchen würde, mich meiner Verantwortung mit juristischen Mitteln zu entziehen. Nur so kann ich ein klares Zeichen setzen gegenüber meinen Sportlern."

Hondo informierte den Schweizer Radsportverband am Sonntagmorgen. Ihm sei klar, dass es für ihn keine Zukunft im Radsport mehr geben könne, zumal er Wiederholungstäter sei. 2005 war Hondo positiv auf die verbotene Substanz Carphedon getestet und zwei Jahre gesperrt worden. In seinem ARD-Geständnis beteuerte er aber, damals "unbewusst gedopt zu haben“. Hondo: "Es war meine Vermutung, dass da irgendwas schiefgelaufen ist, dass da irgendwas verunreinigt war."

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