Vorgestellt: die 19 WorldTour-Mannschaften

Team Ineos: Besser denn je?

Von Daniel Brickwedde

Foto zu dem Text "Team Ineos: Besser denn je? "
Team Ineos bei der Tour Down Under | Foto: Cor Vos

22.01.2020  |  (rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten für das anstehende Radsportjahr.

Teil 16: Team Ineos 

Rückblick 2019: Fast schon standesgemäß feierte die britische Startruppe den Gesamtsieg bei der Tour de France. Dieses Mal erstürmte der 22-jährige Kolumbianer Egan Bernal den Thron, Vorjahressieger Geraint Thomas landete auf Platz zwei. Dennoch wirkte die Mannschaft ungewohnt angreifbar – am Ende war es mehr die individuelle Klasse von Bernal als eine starke Teamleistung, die zum siebten Tour-Sieg in acht Jahren führte. Abgesehen von Bernal, der ebenfalls Gesamtsiege bei Paris-Nizza und der Tour de Suisse einfuhr, blieb Ineos etwas hinter der Ausbeute früherer Jahre zurück. Bei den Klassikern etwa landete nur Michal Kwiatkowski als Dritter bei Mailand-Sanremo auf dem Podium.

Hinzu kam der Ausfall von Chris Froome: Der Brite stürzte beim des Critérium du Dauphiné schwer und musste für die restliche Saison aussetzen. Ein Lichtblick war hingegen der junge Russe Pavel Sivakov, der Platz neun beim Giro d’Italia und den Gesamtsieg der Polen-Rundfahrt einfuhr. Ebenfalls erwähnenswert: Nach dem angekündigten Rückzug des langjährigen Sponsors Sky fand Teammanager Dave Brailsford mit dem Chemiekonzern Ineos bereits im Frühjahr einen neuen, potenten Geldgeber.

Die wichtigsten Zu- und Abgänge: Mit der Verpflichtung des Ecuadorianers Richard Carapaz (Movistar) nimmt die südamerikanische Prägung des Teams weiter zu. Der Sieger des vergangenen Giro d’Italia steigert damit das ohnehin schon üppige Angebot an herausragenden Rundfahrern im Team. Ein weiterer hochklassiger Transfer gelang mit dem bei Bahrain - McLaren in Ungnade gefallen Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis. Erstmals Profiverträge unterschrieben Carlos Rodríguez (Kometa) und Brandon Rivera (GW - Shimano).

Schwer wiegt der Weggang des loyalen Domestiken Wout Poels (Bahrain - McLaren). Das Team verließen außerdem der frühere U23-Weltmeister Kristoffer Halvorsen (EF) sowie die kletterstarken Helfer Diego Rosa (Arkea - Samsic), Kenny Elissonde (Trek - Segafredo) und David de la Cruz (UAE Emirates).

Im Fokus: Bruch des Oberschenkelknochens, des Ellenbogens und mehrerer Rippen –  Chris Froome hatte noch Glück im Unglück, als er beim Critérium du Dauphiné 2019 bei der Streckenbesichtigung des Zeitfahrens mit 54 km/h gegen eine Hauswand prallte. Nach langer Reha sitzt der Brite inzwischen wieder auf dem Rad. Der Weg zurück zur Bestform dürfte jedoch beschwerlich werden und ist verbunden mit der berechtigen Frage, ob Froome überhaupt wieder an sein früheres Niveau herankommt. Das erklärte Ziel bleibt der fünfte Sieg bei der Tour de France. Ein erstes Trainingslager im Dezember musste er nach wenigen Tagen allerdings abbrechen. Sein Versuch, zurück an die Spitze zu gelangen, wird die Saison prägen. Ausgang offen.

Aufgepasst auf … Ethan Hayter. Im Herbst 2018 gehörte der Brite bereits als Stagiaire zum Team und erreichte auf Anhieb vier Top-Ten-Platzierungen bei der Tour of Britain. 2019 durchlief er trotzdem ein weiteres Jahr auf U23-Ebene und etablierte sich endgültig als einer der besten Sprinter im Nachwuchsbereich. Dass er in England bereits mit Bradley Wiggins verglichen wird, liegt allerdings an seiner Karriere auf der Bahn: 2018 wurde der 21-Jährige Weltmeister in der Mannschaftsverfolgung und Europameister im Omnium, für die Olympischen Spiele in Tokio peilt Hayter mehrfach Gold an. Ineos sicherte sich seine Dienste für gleich drei Jahre. Auch wenn der Fokus 2020 auf Olympia liegt, so sind Hayter ebenfalls Achtungserfolge auf der Straße zuzutrauen.

Ausblick 2020: Ineos ist auf dem Papier besser denn je aufgestellt. Gleich vier Grand-Tour-Sieger schmücken das Aufgebot, dazu kommen mit Dennis ein aktueller und mit Kwiatkowski ein ehemaliger Weltmeister sowie zahlreiche hochveranlagte Talente. Der Tour-Sieg steht wie immer ganz oben auf der Prioritätenliste, dafür in Frage kommen Titelverteidiger Bernal, Thomas und ein dann hoffentlich genesener Froome als Kapitäne. Carapaz hingegen soll in neuen Teamfarben seinen Vorjahressieg beim Giro wiederholen. Für die abschließende Vuelta a Espana ist ein “Best-off“ dieser Rundfahrerriege zu erwarten.

Für höhere Aufgaben empfahl sich im Vorjahr zudem Sivakov, auch der Kolumbianer Ivan Sosa gilt als aussichtsreicher Klassementfahrer. Beide müssen sich 2020 aber mit Helferdiensten und Chancen bei einwöchigen Rundfahrten begnügen, können sich dadurch aber als Siegfahrer für die Zukunft profilieren. In die Rolle des abgewanderten Poels könnte der junge Tao Geoghegan Hart hineinwachsen, gute und bewährte Unterstützer geben zudem die routinierten Kwiatkowski und Jonathan Castroviejo ab.

Angesichts des exklusiven Kaders ist die Fallhöhe für Ineos in der kommenden Saison extrem hoch. In der Vergangenheit verstand es das Team jedoch fast immer, seine hochgesteckten Ziele auch zu erreichen. 2020 wird das nicht anders sein: GrandTour-Siege gehen nur über Ineos. Daneben verspricht Neuzugang Dennis einige Erfolge in Zeitfahren, auch der junge Filippo Ganna zeigt in dieser Disziplin viel Talent.

Die Frühjahrsklassiker von Mailand-Sanremo bis Lüttich-Bastogne-Lüttich sind hingegen die Domäne von Kwiatkowski und Gianni Moscon, auch hier ist Ineos ein großer Sieg zuzutrauen. In den flämischen Rennen lauten die Optionen Dylan van Baarle und Luke Rowe. Über einen Top-Sprinter verfügt Ineos zwar nicht. Dennoch besitzt man genügend Breite und Tiefe, um auch abseits der großen Landesrundfahrten als Top-Team aufzutreten – als Bonus gewissermaßen.

Eckdaten:
Land: Großbritannien
Hauptsponsor: Ineos
Branche: Chemiekonzern
Teamchef: David Brailsford
Radausrüster: Pinarello
Teamranking-Platzierung 2019: 6
Fahrer im Aufgebot: 29

Mehr Informationen zu diesem Thema

24.01.2020Deceuninck – Quick-Step: Von Sieg zu Sieg zu Sieg …

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

23.01.2020Jumbo - Visma: Auf Augenhöhe mit Ineos?

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

22.01.2020Bora - hansgrohe: In der Weltklasse etabliert

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

21.01.2020Trek - Segafredo: Hoffen auf die Leistungsträger

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

21.01.2020Movistar: Auf der Suche nach der Zukunft

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

20.01.2020Groupama - FDJ: Tour-Traum mit Pinot

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

20.01.2020UAE Emirates: Gut aufgestellt mit Talenten

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

19.01.2020Bahrain - McLaren: Noch nicht die ganz große Nummer

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

19.01.2020Astana: Die Messlatte liegt hoch

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichten fÃ

18.01.2020Lotto Soudal: Alte Hasen für neue Erfolge

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichte

18.01.2020Israel Start-Up Nation: Die Optionen sind begrenzt

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichte

17.01.2020Mitchelton - Scott: Riskante Strategie mit den Yates-Brüdern

(rsn) - Zur Saison 2020 stellen wir in einer Serie die diesmal 19 WorldTour-Teams vor. Dazu gehören neben einem Rückblick auch die Analyse der Personalpolitik sowie die Beurteilung der Aussichte

Weitere Radsportnachrichten

03.11.2026Guillen: Gravel-Passagen am legendären Angliru denkbar

(rsn) – Könnte einer der härtesten Anstiege im Radsport noch anspruchsvoller werden? Der Renndirektor der Vuelta a Espana will zwei alternative Routen auf den Alto de L’Angliru untersuchen lass

03.11.2026Unibet vermeldet neuen Head of Racing

(rsn) - In wenigen Worten auf den Punkt gebracht, deshalb aber nicht weniger interessant: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Nachrichten aus der Welt des R

03.11.2026Poels hängt noch ein Jahr dran

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

03.11.2026Alle Etappen des Giro d´Italia im Detail

(rsn) - Die Strecke des Giro d´Italia 2027 steht fest. Die Fahrer erwarten insgesamt 3419 Kilometer und 50.250 Höhenmeter von Trieste nach Rom. Die Strecke wurde in Rom präsentiert. Nicht weni

03.11.2026Alle Etappen des Giro d´Italia Women 2027 im Detail

(rsn) – Der Giro d’Italia Women wird 2027 über neun Etappen vom 29. Mai bis zum 6. Juni ausgetragen und führt von Viareggio an der ligurischen Küste zum Colle San Carlo. Dort findet zum Abschl

02.11.2026Nach 15 Jahren: Wegelius verlässt EF Education

(rsn) -Weitere Personalrochade bei EF Education – EasyPost: Der langjährige Sportdirektor Charles Wegelius verlässt das US-Team und schließt sich wohl der Schweizer Equipe Tudor ab der kommend

02.11.2026Lidl – Trek Future Racing gibt Aufgebot für 2027 bekannt

(rsn) – Lidl – Trek Future Racing, der U23-„Unterbau“ des deutschen WorldTour-Teams, hat sein Aufgebot für die kommende Saison bekanntgegeben. Unter den 16 Fahrern für 2027 sind elf Natio

02.11.2026Teutenberg wechselt zu Rembe – rad-net

Lea Lin Teutenberg wechselt nach zwei Jahren beim Team Lotto – Intermarché zur deutschen Equipe Rembe – rad-net. Nach neun Jahren als Profi auf WorldTour- oder ProTour-Level geht die 27-Jährig

02.11.2026Offiziell: Finn steigt ins Red-Bull-WorldTour-Team auf

(rsn) – Nach drei Jahren beim Team Grenke – Auto Eder und bei den Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies steigt Lorenzo Finn ab der kommenden Saison ins WorldTour-Team auf. Dieser Schritt des 19

01.11.2026Seixas 2027 zum Giro? “Derzeit ist alles möglich“

(rsn) – Nachdem er bei seiner Grand-Tour-Premiere als Vierter der Frankreich-Rundfahrt nur knapp das Podium verpasst hat, ruhen auf Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) noch mehr Hoffnungen, dass er

01.11.2026Thibau macht am Koppenberg das “Nys-Dutzend“ voll

(rsn) – Thibau Nys (Baloise – Het Poetsbureau Lions) hat zum Auftakt zur X2O Badkamer Trofee seinen Titel beim Koppenbergcross verteidigt. Der Belgier war in Oudenaarde nach einem spannenden Duell

01.11.2026Souveräne Vorstellung: Brand gewinnt langen Koppenbergcross

(rsn) – Lucinda Brand (Baloise – Het Poetsbureau Lions) hat in Oudenaarde den Auftakt zur X2O Badkamer Trofee gewonnen. Die Niederländerin war beim Koppenbergcross nach 53:29 Minuten 53 Sekunden

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine