Slowene als Führender in Paris-Nizza-Finale

Pogacar feiert einen seiner am härtesten erkämpften Siege

Von Peter Maurer

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Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) | Foto: Cor Vos

11.03.2023  |  (rsn) – Es scheint so, als würde die Fernfahrt Paris-Nizza, bei der die beiden Tourkontrahenten des Vorjahres, der Däne Jonas Vingegaard (Jumbo – Visma) und der Slowene Tadej Pogacar (UAE Team Emirates), zum ersten Mal in dieser Saison aufeinandertreffen, ein klarer Punktsieg für den Slowenen werden. Denn dieser feierte am 15 Kilometer langen Col de la Couillole seinen zweiten Tageserfolg bei der achttägigen Rundfahrt und geht mit einem Bonus von zwölf Sekunden auf den Franzosen David Gaudu (Groupama – FDJ) in den Schlusstag am Sonntag.

Nachdem Pogacar auf den 143 Kilometern von Nizza zum Schlussanstieg von allen seinen großen Kontrahenten hart getestet wurde, erwies er sich als der große Sieger, nahm auf den letzten Metern Gaudu und Vingegaard nochmals einige Sekunden ab und durfte über seinen zweiten Etappenerfolg beim Rennen zur Sonne jubeln.

"Wir sind Vollgas gefahren von Anfang an. Ineos Grenadiers hat schon ziemlichen Schaden angerichtet mit ihrer Aktion", blickte Pogacar im ersten Interview auf die Geschehnisse des Tages zurück. Schon vor dem Schlussanstieg versuchte die britische Mannschaft mit hohem Tempo die anderen Kapitäne müde zu machen. "Wir waren ziemlich fertig, als wir in den Schlussanstieg kamen", erinnerte sich der Slowene.

Kaum begann das Bergfinale, schickte Vingegaard seinen Edelhelfer und Zeitfahrmotor Tobias Foss nach vorne, um für hohes Tempo zu sorgen. Der Norweger spulte fast zehn Kilometer im Wind runter. Als er ausscherte, versuchte sich sein Kapitän mit einer Attacke. Diese zeigte Wirkung, allerdings nicht bei Pogacar und Gaudu, die am Hinterrad des Dänen verblieben und diesen teilweise stehenlassen konnten.

Härtester Kampf, aber härteste Etappe wartet noch

"Heute war einer der härtesten Kämpfe, die ich für einen Sieg jemals ausfechten musste", gab der 24-Jährige nach der Etappe zu und streute seinen Kontrahenten damit Rosen. Trotz der großen Herausforderung behielt der Slowene die Oberhand und sicherte sich neben dem Tagessieg weitere wertvolle Sekunden in der Gesamtwertung. Zugleich übernahm er auch wieder die Punktewertung und ist auch die Nummer eins der Nachwuchswertung. Lediglich in der Bergwertung fehlen ihm acht Zähler auf den Dänen Jonas Gregaard (Uno-X Pro Cycling), der, so scheint es zumindest, als einziger Fahrer im gesamten Feld von Paris-Nizza den Slowenen auf etwas Distanz halten kann. "Es wartet aber noch ein harter Tag und das ist eigentlich der härteste des Rennens", blickte Pogacar voraus, fügte aber an: "Die Anstiege kommen mir aber entgegen."

Mit den Bonussekunden im Finale konnte Pogacar seinen Vorsprung auf 12 Sekunden gegenüber seinem französischen Verfolger ausbauen. Dritter ist Vingegaard mit einem Rückstand von 58 Sekunden. Vierter ist nun Simon Yates (Jayco AlUla)mit 1:27 Minuten. Der Brite beendete die 7. Etappe auch als Vierter. In der Gesamtwertung Fünfter ist der Schweizer Gino Mäder, am Col de la Couillole Sechster. Sein Rückstand auf Pogacar beträgt knapp zwei Minuten.

So lief das Rennen:

3.554 Höhenmeter erwarteten die verbliebenen Fahrer auf der vorletzten Etappe der Fernfahrt zur Sonne. Nicht mehr gestartet waren Maximilian Schachmann, Sam Bennett (Bora - hansgrohe) als auch der Belgier Arnaud De Lie (Lotto Dstny).

Nach einigen Attacken formierten sich mehrere Gruppen an der Spitze des Rennens absetzen, die dann eine erste größere Ausreißergruppe bildete. In dieser fanden sich knapp 20 Fahrer wieder. Das waren Lucas Hamilton, Kelland O'Brien (beide Jayco - AlUla), Joshua Tarling (Ineos Grenadiers), Nils Politt (Bora - hansgrohe), Dorian Godon, Larry Warbasse (beide AG2R Citroen Team), Remi Cavagna, Florian Senechal (beide Soudal Quick-Step), Arnaud Demare (Groupama – FDJ), Pascal Eenkhoorn, Harry Sweeny, Brent van Moer (alle Lotto Dstny), Jeremy Cabot (TotalEnergies), Sören Kragh Andersen (Alpecin - Deceuninck), Lilian Calmejane, Kobe Goossens (Intermarche - Circus - Wanty), David de la Cruz, Javier Romo (beide Astana), Gregor Mühlberger (Movistar) Daan Hoole (Trek Segafredo) und Hugo Houle (Israel - PremierTech).

Die Gruppe erarbeitete sich einen Maximalvorsprung von drei Minuten, so dass der bestplatzierte Fahrer der Ausreißer, der Franzose Cavagna knapp ans virtuelle Gelbe Trikot heranfuhr. Immer wieder versuchten weitere Fahrer aus dem Feld den Anschluss an die größere Ausreißergruppe zu schaffen. Sie wurden aber wieder gestellt.

Nach 40 gefahrenen Kilometern stieg dann der Däne Mads Pedersen (Trek – Segafredo) aus. Der Weltmeister von 2019 klagte über eine Erkältung. Die 10 Punkte an der ersten Bergwertung, der Cote de Tourette-du-Chateau eroberte Eenkhoorn, der aktuelle Niederländische Straßenmeister vor Cabot und Calmejane, was bedeutete, dass der aktuell Führende der Bergwertung, der Däne Gregaard, sein Sondertrikot behielt.

68 Kilometer vor dem Ziel kam der Brite Tarling, der aktuelle Zeitfahrjuniorenweltmeister, an der Spitze des Rennens schwer zu Sturz und musste aufgeben. Wenig später zogen dessen Teamkollegen in der hügeligen Anfahrt auf den finalen Anstieg das Tempo im Feld an und dünnten dieses aus. Sie reduzierten gleichzeitig den Vorsprung der Ausreißer auf zwei Minuten. Wenig später schickte auch Vingegaard seine verbliebenen Helfer nach vorne.

An der Spitze hatte sich ein Quintett um Politt, Eenkhoorn, Cabot, Goossens und Romo gebildet und gingen in die letzten 25 Kilometer. Sie konnten bis zum Einstieg des finalen Berges eine Minute auf ihre ehemaligen Begleiter rausfahren. Gleich zu Beginn des Anstieges attackierte Goossens seine vier Kontrahenten und probierte die letzten 15 Kilometer als Solist.

Dahinter führte Groupama – FDJ das Feld in den Schlussanstieg. Eine Minute und 20 Sekunden lagen sie zu diesem Zeitpunkt hinter Goossens. Dann übernahm der Zeitfahrweltmeister Tobias Foss (Jumbo – Visma) die Nachführarbeit und isolierte auf den ersten Kilometern berghoch fast alle Aspiranten auf die Gesamtwertung von ihren Helfern. Als erster der Kapitäne musste Daniel Martinez (Ineos Grenadiers) abreißen lassen, gut 12 Kilometer vor dem Etappenziel.

Vingegaard und Gaudu als hartnäckige Kontrahenten

An der Spitze fand der Spanier Romo wieder Anschluss zu Goossens, während das brutale Ausscheidungsfahren bei den Favoriten weiterging. Neun Kilometer vor dem Ziel wurde der Belgier als letzter Ausreißer von Foss gestellt, an dessen Hinterrad noch knapp 20 Fahrer fuhren. Als Foss seine Arbeit beendete, attackierte zuerst sein ehemaliger Teamkollege Chris Harper (Jayco AlUla), ehe dahinter Vingegaard von vorne fuhr. Kurz nachdem Harper wieder gestellt wurde, folgte die erste Attacke von Pogacar, der sich einige Meter von den anderen Favoriten löste.

Die Gruppe zerfiel in mehrere Teile, ans Hinterrad von Vingegaard konnten sich lediglich Gaudu, Bardet und Jorgensen klemmen. Als dann noch Gaudu den Dänen bei der Nachführarbeit unterstützte, konnten sie den Rückstand zu Pogacar reduzieren, verloren dabei aber Bardet und Jorgensen. Vier Kilometer vor dem Ziel, hatten sie den Slowenen wieder erreicht.

Als die Verfolger schon fast wieder das Hinterrad des Spitzentrios erreicht hatten, setzte Gaudu 2,5 Kilometer vor dem Ziel die nächste Attacke, der nur Pogacar folgen konnte. Vingegaard verlor etliche Meter, wie auch die Verfolgergruppe dahinter rund um den Schweizer Mäder. Doch der Däne kämpfte sich am letzten Kilometer wieder an das Duo heran.

250 Meter vor dem Ziel eröffnete Vingegaard den finalen Sprint, doch Pogacar konterte und feierte seinen zweiten Etappensieg bei Paris-Nizza, den ersten im Führungstrikot. Zweiter wurde Gaudu vor Vingegaard.

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