Red Bull bei Paris-Nizza im Kraftsparmodus?

Martinez dieses Mal völlig allein - und doch im Soll

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Martinez dieses Mal völlig allein - und doch im Soll"
Daniel Martinez (Red Bull - Bora - hansgrohe) bei Paris-Nizza | Foto: Cor Vos

12.03.2026  |  (rsn) – Aus 21 Minuten Vorsprung sind vier Minuten Rückstand geworden. Innerhalb einer Etappe. So schnell geht es manchmal in der Teamwertung. Besonders dann, wenn sie nicht als explizites Ziel angestrebt wird. Und genau so ist es bei Red Bull. Der aus Sicht der Raublinger überragende Vortag mit Platz zwei, drei und vier im Etappenergebnis hatte seinen Tribut gefordert.

Statt versammelt an der Spitze zu fahren, gruppierte sich Red Bull dieses Mal im Hauptfeld, dass mit 22:30 Minuten Rückstand aber eher ein Grupetto war. Ausnahmen waren Aleksandr Vlasov, der tags zuvor den vermeintlichen Ruhetag hatte, und Kapitän Daniel Felipe Martinez. Vlasov gehörte zur Ausreißergruppe des Tages, konnte bei Einholung aber kaum mehr eine Hilfe für Martinez sein und kassierte am Ende auch noch fast zehn Minuten Rückstand.

Was aber nur Nebensache ist, denn Martinez verteidigte, am Ende souverän, seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung ohne Zeitverlust hinnehmen zu müssen. Und das Ganze auch ohne die Hilfe der Mannschaft, die ihm diese Ausgangsposition vor einem Tag ermöglicht hatte. Und es klang fast ein wenig so durch, als wäre auch das so geplant gewesen – und nur beinahe in die Hose gegangen. “Heute war es hart – härter als wir es heute Morgen erwartet hatten“, sagte Martinez im Ziel der 5. Etappe von Paris-Nizza.

Mit der Aussicht auf einen weniger wilden Tag könnte es die Marschroute gewesen sein, das Team bis auf den Kapitän nach den vorangegangen Strapazen relativ früh in den Kraftsparmodus zu versetzen, in der Annahme, Martinez würde es in einem ruhigen Finale, vielleicht sogar noch mit Vlasov-Hilfe, schon irgendwie schaffen. 

Dass das Feld auf Visma-Initiative schon am viertletzten Anstieg des Tages 21 Kilometer vor dem Ziel auseinanderfliegen würde, am schwersten, weil steilsten Anstieg des Tages, war auch nicht unbedingt zu erwarten gewesen, da der Gesamtsieg von Jonas Vingegaard mit Blick auf das noch bevorstehende Programm auch mit deutlich weniger Aufwand für alle Beteiligten zu realisieren sein dürfte.

Martinez wackelt nur einmal kurz

Als es bis zu 16 Prozent steil wurde, hatte zunächst auch Martinez Probleme, den ersten Vingegaard-Verfolgern, zu denen auch der im Klassement noch gefährliche Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers) gehörte, zu folgen. Die Lücke ging auf, doch gemeinsam mit Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost), der ebenfalls noch gefährlich ist, schafften sie in der darauffolgenden Abfahrt die Rückkehr. Dort bissen sich beide fest, also vor allem die französische Fraktion in der Gruppe um Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) Attacke um Attacke starten, dabei jedoch kaum Erfolg verzeichnen konnten.

Und so steht am Ende ein Tag, an dem im Grunde nichts passiert ist – außer, dass es eine Etappe weniger bis Nizza ist, auf der irgendetwas zu verteidigen ist. “Ich bin wirklich müde“, sagte Martinez im Ziel noch. “Aber wir haben es überlebt.“ Und so könnte man beinahe schon wieder behaupten: Alles richtig gemacht.

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Paris - Nizze (2.UWT, FRA)
  • Radrennen Männer

  • Istrian Spring Trophy (2.2, CRO)
  • Tour of Antalya (2.2, TUR)
  • Tour of Rhodes (2.2, GRE)