Tirreno: Pellizzari im Finale abgehängt

Valgren feiert Ausreißercoup, Del Toro holt sich Blau zurück

Von Matthias Seng

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Michael Valgren (EF Education – EasyPost) hat die 5. Tirreno-Etappe gewonnen. | Foto: Cor Vos

13.03.2026  |  (rsn) – Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) hat sich beim 61. Tirreno-Adriatico (2.UWT) nach nur einem Tag das Blaue Trikot von Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) wieder zurückgeholt. Der 22-jährige Mexikaner wurde auf der schweren 5. Etappe über 184 Kilometer von Marotta-Mondolfo nach Mombaroccio Zweiter hinter dem Dänen Michael Valgren (EF Education – EasyPost), der sich aus der achtköpfigen Gruppe des Tages heraus mit elf Sekunden Vorsprung seinen ersten Sieg seit viereinhalb Jahren sicherte.

Der 34-jährige Däne hatte 5,5 Kilometer vor dem Ziel seinen letzten Begleiter Julian Alaphilippe (Tudor) abgeschüttelt und im bis zu 17 Prozent steilen Schlussanstieg seinen Vorsprung souverän verteidigt.

Zeitgleicher Dritter hinter Del Toro, der mit mehreren Tempoverschärfungen im Finale die Favoritengruppe ausgedünnt und schließlich auch Pellizzari abgeschüttelt hatte, wurde der sich ebenfalls stark präsentierende US-Amerikaner Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike). Rang vier belegte der Norweger Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility / +0:24), gefolgt vom Italiener Giulio Ciccone (Lidl – Trek / +0:28) sowie Pellizzari (+0:30) und dessen zeitgleichem Teamkollegen Primoz Roglic.

“Es ist ein unglaubliches Gefühl, heute zu gewinnen. Wir alle arbeiten so hart für so etwas. Ich hatte einen wirklich guten Winter zuhause mit meiner Familie. Wir haben erst vor einem Monat Nachwuchs bekommen. Meine Familie und mein Team haben mich so gut unterstützt. Dieser Sieg ist für sie. Ich muss sagen, ich bin wirklich sprachlos“, sagte ein überglücklicher Valgren im Flash-Interview und fügte an: “Ich hatte den ganzen Tag über gute Beine. Deshalb wollte ich eine frühe Attacke setzen, bei der Julian (Alaphilippe) mir dann gefolgt ist. Wir haben gut zusammengearbeitet. Am Ende habe ich diesen harten Tag gespürt, aber ich hatte fantastische Beine und das nötige Glück.“

Zimmermann: "Kann mir keinen Vorwurf amchen"

Der Deutsche Meister Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) gehörte zur Gruppe des Tages, wurde erst wenige Kilometer vor dem Ziel von den Favoriten gestellt und beendete die Etappe auf Platz 24 (+1:58). "Valgren war heute super stark. So habe ich ihn auf diesem Gelände noch nicht erlebt. Deshalb kann ich mir da eigentlich keinen Vorwurf machen, ihn nicht ernst genommen zu haben. Für gewöhnlich ist er eher für die Klassiker bekannt. Ich muss es jetzt so hinnehmen und wieder irgendwann mein Glück versuchen, wenn es die Teamtaktik zulässt", kommentierte Zimmermann gegenüber RSN seinen Auftritt.

Vor dem Schlusswochenende liegt Del Toro im Gesamtklassement 23 Sekunden vor Pellizzari, Jorgenson (+0:34) verdrängte Roglic (+0:44) auf den vierten Platz. Ciccone (+1:05) rückte auf Position fünf vor. Der Spanier Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta) verteidigte sein Bergtrikot, Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) behauptete seine Führung in der Punktewertung, Del Toro tauschte auch in der Nachwuchswertung mit Pellizzari die Plätze.

So lief die 5. Etappe von Tirreno-Adriatico:

Am ersten der beiden Tage durch die hügelige Region der Marken fand nach turbulentem Beginn und über mehrere Stufen hinweg eine stark besetzte siebenköpfige Ausreißergruppe zusammen. Dazu gehörten Valgren, Alaphilippe, Zimmermann, Sjoerd Bax (Pinarello - Q36.5), Jack Haig (Ineos Grenadiers), Joan Bou (Caja Rural - Seguros RGA), Edward Planckaert und Emiel Verstrynge (beide Alpecin - Premier Tech), die sich auf hügeligem Terrain und bei Sonnenschein gut fünf Minuten Vorsprung erarbeiten konnten.

Am sieben Kilometer langen und sieben Prozent steilen Monte delle Cesane, der zur Etappenmitte anstand, holte sich Bou die maximal 15 möglichen Punkte und rückte auf Rang zwei der Bergwertung vor. Red Bull kontrollierte das Geschehen im Feld, das es nicht eilig hatte, die Ausreißer wieder einzufangen. Kurz vor dem Monte della Mattera, dem zweiten Anstieg des Tages hatten die von ihrem Vorsprung nur gut eine Minute eingebüßt.

Mittlerweile hatte UAE im Feld die Führung übernommen, das seinen Rückstand bis zur Bergwertung um eine weitere Minute verkürzte. Die holte sich Planckaert vor Verstrynge, wogegen Bou im Anstieg zurückgefallen war, genau wie Bax. In der Abfahrt büßte Pellizzari seinen Helfer Giovanni Aleotti nach einem Sturz ein. Der Italiener konnte, wenn auch mit blutenden Wunden, das Rennen zumindest fortsetzen.

Das Streckenprofil der 5. Etappe von Tirreno-Adriatico | Foto: Veranstalter

Mittlerweile hatte UAE einen weiteren Gang zugelegt, so dass der Rückstand 35 Kilometer vor dem Ziel nur noch rund zweieinhalb Minuten betrug. Im ersten der beiden Anstiege zum Santuario Beato Sante folgte Alaphilippe einer Attacke von Valgren, Zimmermann, Haig und Verstrynge bildeten nun die erste Verfolgergruppe, während im Feld sich Red Bull sich unverändert auf die Tempoarbeit von UAE verlassen konnte.

Den Bergpreis holte sich der stärker wirkende Valgren vor Alaphilippe, der sogar in der Abfahrt Mühe hatte, den Anschluss zu halten. Die 22 Kilometer lange Schlussrunde nahm das Duo 15 Sekunden vor dem Zimmermann-Trio in Angriff, das von UAE-Helfer Felix Großschartner angeführte Feld mit allen Favoriten folgte weniger als zwei Minuten dahinter.

Johannessen ging es 15 Kilometer vor dem Ziel im Feld zu langsam. Der gestrige Etappendritte setzte sich an einem der zahlreichen Hügel kurzzeitig ab, ehe UAE die Situation wieder bereinigte. Kurz darauf beteiligten sich auch Red Bull und Bahrain Victorious an der Jagd nach den Ausreißern.

Valgren wurde an der Spitze Alpahilippe bereits am Fuß des Schlussanstiegs 5,5 Kilometer vor dem Ziel los, Zimmermann, Haig und Verstrynge verschwanden im Feld, wo knapp 50 Sekunden hinter Valgren Del Toro bei den Favoriten das Finale ein einläutete. Zunächst sieben Fahrer konnten dem Mexikaner folgen, darunter auch Pellizzari und Roglic sowie Ciccone und Jorgenson. Alaphilippe wurde 3,5 Kilometer vor dem Ziel gestellt, dort hatte Valgren noch 45 Sekunden Vorsprung.

2,5 Kilometer vor dem Ziel macht Del Toro Ernst

Überraschenderweise attackierte sein Teamkollege Richard Carapaz aus der Verfolgergruppe heraus, doch dann machte Del Toro einen Kilometer später Ernst, zog am Ecuadorianer vorbei und riss eine Lücke zu Jorgenson und Pellizzari. Kurz vor der Bergwertung schloss der Visma-Kapitän auf und setzte sogar den Konter. Dagegen mussten Pellizzari und Roglic auch noch Johannessen ziehen lassen.

An der Spitze dagegen konnte schon deutlich vor der Ziellinie seinen ersten Saisonsieg bejubeln, im Sprint der Verfolger sicherte sich elf Sekunden später Del Toro Platz zwei und sechs Bonussekunden vor Jorgenson. Johannessen wurde Vierter vor Ciccone und dem Red-Bull-Duo, das auf den letzten Metern keinen Boden mehr hatte gutmachen können.

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