Mexikaner vor Gesamtsieg bei Tirreno-Adriatico

Del Toro kontert Kumpel Pellizzari und gewinnt

Von Kevin Kempf

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Isaac Del Toro (UAE - Emirates - XRG) gewinnt im Trikot des Gesamtführenden bei Tirreno-Adriatico (2.UWT) | Foto: Cor Vos

14.03.2026  |  (rsn) -

(rsn) - Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) hat die 6. Etappe von Tirreno-Adriatico (2.UWT) gewonnen und seine Gesamtführung ausgebaut. Nach 188 Kilometern zwischen San Severino Marche und Camerino ließ er den anderen Klassementsfahren im Schlussanstieg keine Chance. Mit drei Sekunden Rückstand wurde Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) Zweiter vor dem zeitgleichen Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike). Vierter wurde Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe), der neun Sekunden verlor. Zwei mehr büßte Giulio Ciccone (Lidl – Trek) als Fünfter ein.

Obwohl Del Toro der überragende Fahrer dieser Rundfahrt ist, hatte der Mexikaner am Vorschlusstag noch keinen Etappenerfolg. "Wir waren zweimal ziemlich nah dran, heute lief es sehr gut. Ich bin sehr glücklich, habe aber auch etwas gemischte Gefühle, es ist merkwürdig“, erzählte der 22-Jährige, ohne zunächst zu erklären, woher die gemischten Gefühle rührten.

Deutlich war aber, dass er von der Konkurrenz, allen voran Red Bull, am Samstag schwer auf die Probe gestellt wurde. Während Visma – Lease a Bike schon vor dem Schlussanstieg das eine oder andere Manöver vorbereitet hatte, warteten die Raublinger bis zu den letzten zwei Kilometern. Dort griff Pellizzari an. Die erste Attacke neutralisierte Del Toro selbst nach kurzem Zögern, bei der zweiten zögerte er so lang, dass letztendlich Uno-X unterstützend eingriff. “Ich war mir nicht sicher, Pellizzari wieder einzuholen. Er war sehr stark und ich dachte die ganze Zeit nur daran, dass wir ihn nicht zu weit weglassen dürfen“, blickte er zurück.

Und dann gab er den Grund für die gemischten Gefühle doch preis. Es ging dabei um seinen Freund Pellizzari, der in San Severino de Marche geboren ist. “Es war sehr hart. In seiner Heimatstadt zu gewinnen, ist ein bisschen komisch, aber ich bin sehr glücklich und dankbar gegenüber meinen Jungs“, bilanzierte Del Toro nach seinem vierten Saisonsieg. Pellizzari ist im Klassement sein erster Verfolger, der vor der Etappe nur 23 Sekunden hinten lag und fast schien es so, als wolle der Mexikaner dem Italiener den Tageserfolg schenken.

Die deutschen Teilnehmer konnten sich weder als Ausreißer noch im Finale in Szene setzen. Ihr bestes Resultat erzielte Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) mit 1:58 Minuten Rückstand auf Position 24. Der Österreicher Georg Mühlberger (Decathlon – CMA CGM) überzeugte als Ausreißer und wurde erst 7 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Einen großen Anteil daran hatte der Schweizer Jan Christen (UAE – Emirate – XRG), der als Helfer eine bärenstarke Vorstellung ablieferte.

Del Toro baute die Führung im Klassement und in der Nachwuchswertung auf 42 Sekunden vor Pellizzari aus, der seinerseits eine Sekunde vor Jorgenson geführt wird. Er übernahm auch die Spitzenposition in der Punktewertung von Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech). Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta) behauptete das Bergtrikot.

So lief die 6. Etappe von Tirreno-Adriatico:

Ein Septett mit Filippo Ganna (Ineos Grendiers) formte die Gruppe des Tages. Mit dem Italiener waren Mühlberger, Vincenzo Albanese (EF Education – EasyPost), Clément Braz Afonso (Groupama – FDJ United), Walter Calzoni (Pinarello – Q36.5), Timo Kielich (Visma – Lease a Bike) und Guillermo Silva (XDS – Astana) unterwegs. Gemeinsam fuhren sie bis zu vier Minuten heraus, mit denen sie auch 85 Kilometer vor dem Ziel auf die dreimal zu absolvierende Schlussrunde gingen.

Bei der ersten von vier Passagen am Schlussanstieg verschärfte hinten aber Julian Alaphilippe (Tudor) das Tempo, was das Septett eine Minute kostete. Als die Sieben den Schlussanstieg 1:30 Minuten vor dem Feld zum zweiten Mal erreichten, setzten sich Mühlberger und Braz Afonso ab. Sie wurden von Ganna, Kielich, Silva und Calzoni verfolgt. Aus dem Peloton, wo es jetzt sehr ruhig zuging, sprang Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) davon. Innerhalb kürzester Zeit fuhr er eine Minute heraus.

Das Streckenprofil der 6. Etappe von Tirreno-Adriatico | Foto: Veranstalter

Mit noch 45 zufahrenden Kilometern schloss Carapaz zum Quartett auf, doch hinter ihm begann jetzt Christen zu fahren. Das zeigte Wirkung, denn der Rückstand der Meute schmolz wie Schnee in der Sonne. Mit noch 36 zu fahrenden Kilometern war es um die Fünf geschehen. Christen jagte weiter und als das Rennen vier Kilometer später zum dritten Mal zum Camerino kam, war der Abstand auf etwas weniger als eine Minute gesunken.

An der Bergwertung waren 27 Kilometer vor dem Ziel noch 42 Sekunden übrig, die behielten Mühlberger und Braz Afonso allerdings bis zum 7-Kilometer-Banner. Mit noch 4,4 zu fahrenden Kilometern griff van Aert in einer technischen Passage an. Er ging mit neun Sekunden Vorsprung in die Schlusssteigung. Dort attackierte im Steilstück Ben Healy (EF Education - EasyPost) - er setzte sich ab und holte van Aert ein. Der hatte keine Chance zu folgen.

Kurz danach zupfte Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) an, doch Del Toro holte den Italiener entspannt zurück. Mit noch 1,7 Kilometer vor dem Ziel probierte der Red-Bull-Fahrer es erneut. Del Toro reagierte zunächst nicht, doch Uno-X nahm mit den Johannessen-Brüdern die Verfolgung für ihn auf. Unterm Teufelslappen holte Pellizzari Healy ein, doch Del Toro folgte nun doch.

Er holte den Spitzenreiter mit Johannessen und Jorgenson am Hinterrad ein. Der US-Amerikaner griff 500 Meter vor dem Ziel an und Del Toro war der einzige, der mitgehen konnte. Der Mexikaner sprintete den Visma-Kapitän dann souverän ab, der wurde auf dem Zielstrich noch von Johannessen kassiert.

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